Trauernder Angehöriger nach dem Angriff auf die chinesische Botschaft | Bildquelle: SHAHZAIB AKBER/EPA-EFE/REX/Shutt

Terrorismus in Pakistan Dutzende Tote bei Anschlägen

Stand: 23.11.2018 13:34 Uhr

Gleich zwei Anschläge haben Pakistan erschüttert: Im Nordwesten des Landes gab es Dutzende Tote bei einem Attentat in einem schiitischen Ort. Chinas Konsulat in Karatschi wurde von Separatisten angegriffen.

Bei zwei Anschlägen sind in Pakistan mehr als 40 Menschen getötet worden. In Nordwestpakistan habe ein Selbstmordattentäter vor einer Koranschule in dem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Ort Kalaya eine Sprengstoffweste gezündet, sagte ein Behördenvertreter. Mindestens 35 Menschen seien getötet und weitere 50 Menschen teils lebensgefährlich verletzt worden. Schiiten sind in Pakistan eine religiöse Minderheit.

Zu der Tat an dem Obstmarkt im Bezirk Orakzai in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa bekannte sich bisher niemand.

Das Gebiet ist von Unruhen geprägt. Nach Einschätzung der USA ist die Region ein Zufluchtsort für Extremisten, darunter die Taliban und Al Kaida. Die Regierung in Islamabad weist das zurück. Sie geht seit 2004 gegen Islamistengruppen in dem Gebiet vor.

Tote in Karatschi

Bei einem Angriff auf das chinesische Konsulat in Pakistans größter Stadt Karatschi wurden laut Polizeiangaben mindestens sieben Menschen getötet: zwei Polizisten, zwei Besucher und drei Angreifer. Der Polizeichef Karatschis sagte, drei Angreifer hätten versucht, das Konsulat zu stürmen. Es sei kein Chinese verletzt worden.

Sicherheitskräfte nach dem Anschlag in Karatschi | Bildquelle: AP
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Sicherheitskräfte riegelten den Anschlagsort weiträumig ab.

Militante Belutschen reklamieren Tat für sich

Die "Befreiungsarmee Belutschistan" reklamierte die Tat für sich. Sie lehnt chinesische Investitionen in der Gegend ab. Belutschische Militante kämpfen seit vielen Jahren gegen den Staat. Sie verlangen unter anderem, dass die Provinz mehr an den Einnahmen aus ihren Bodenschätzen erhält. Karatschi ist die Hauptstadt der Provinz Sindh, die an Belutschistan grenzt.

Ein Sprecher der Extremisten sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Gruppe sehe "China zusammen mit den pakistanischen Einsatzkräften als Unterdrücker". Er warf ihnen vor, "die Zukunft Belutschistans zu zerstören". In einer später an Medien versandten Erklärung hieß es, der Anschlag ziele darauf ab, "klarzumachen, dass Chinas militärischer Expansionismus auf dem Boden Belutschistans nicht toleriert wird".

China ist enger Verbündeter

China ist ein enger Verbündeter Pakistans und großer Investor. Chinesische Staatsbürger und Projekte wurden schon mehrmals von islamistischen oder nationalistische Militanten angegriffen. Außenminister Machmud Kureschi nannte den Angriff einen "feigen Versuch, die pakistanisch-chinesischen Beziehungen zu sabotieren".

Die Regierung in Peking reagierte empört auf den Angriff. "China verurteilt jegliche gewaltsame Angriffe auf diplomatische Behörden scharf und fordert von Pakistan, praktische Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit von chinesischen Bürgern und Einrichtungen in dem Land zu gewährleisten", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 23. November 2018 um 12:00 Uhr.

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