Gewinner von Ziegen in einer Impf-Lotterie auf der indonesischen Insel Java | AFP
Hintergrund

Impfanreize international Wo fürs Impfen Ziegen und Wohnungen winken

Stand: 30.07.2021 01:48 Uhr

Von Eiern über Hühner bis hin zur Chance auf eine Wohnung oder ein Hochschulstipendium: Um die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen, setzen manche Länder auf kreative Anreize. Ein Überblick.

Mit sinkenden Impfzahlen werden in Deutschland die Diskussionen darüber immer lauter, wie mehr Menschen zu einer Corona-Impfung bewegt werden können. Die Überzeugungsarbeit läuft auf Hochtouren, im Gespräch sind aber auch Belohnungen, die die Impfbereitschaft erhöhen sollen. Beispiele für solche Anreize gibt es international bereits.

Besonders kreativ - und spendabel - in Sachen Belohnungen sind die USA. Manche Bundesstaaten starteten hier Lotterien unter Geimpften: In Ohio konnten bis Juni Bürger, die mindestens die erste Impfdosis erhalten haben, bei einer Lotterie wöchentlich eine Million US-Dollar gewinnen. In New York wurde für bestimmte Impfungen sogar eine Verlosung mit einem Hauptpreis von fünf Millionen Dollar ausgelobt. Inzwischen gelten die Anreize hier für die Eltern von 12- bis 17-Jährigen, die für ihr Kind eines von 50 Vollstipendien für ein College oder eine Universität im Bundesstaat gewinnen können. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien standen insgesamt gut 116 Millionen Dollar für Impfanreize zur Verfügung, darunter zehn Hauptgewinne zu jeweils 1,5 Millionen Dollar. In West-Virginia wanderten Pick-Ups und Jagdgewehre in den Lostopf.

Kameron A. aus dem US-Staat Washington hält einen Scheck über eine Million Dollar in den Händen, die er in einer Impf-Lotterie gewann | AP

Kameron A. aus dem US-Staat Washington wurde durch die Impfung zum Millionär Bild: AP

Ein Joint gefällig?

Die Apothekenkette CVS verloste unter Impflingen unter anderem 130 Geldpreise und 100 einwöchige Kreuzfahrten in der Karibik oder Europa. Verschiedene Städte und Impfzentren belohnten den Piks zudem mit Einkaufsrabatten oder Freikarten etwa für Freizeitparks und Sportveranstaltungen, viele Arbeitgeber locken ihre Mitarbeiter mit einem Impf-Bonus. Und einzelne Aktivisten ließen es sich nicht nehmen, Joints an die Geimpften zu verteilen.

Verlosungen sollen aber nicht nur in den USA die Bürgerinnen und Bürger in die Impfzentren locken. In einigen Regionen Russlands, wo die Skepsis gegenüber dem Sputnik-Vakzin groß ist, können Impflinge an Tombolas teilnehmen, bei denen als Hauptpreise Autos und Wohnungen winken. Tierischer ging es bei einer Lotterie auf der indonesischen Insel Java zu: Hier freuten sich die glücklichen Gewinner über Ziegen und Hühner.

Auch Urlaub ist drin

Ein weiteres Mittel zur Erhöhung der Impfbereitschaft sind außerdem Geld und Gutscheine, die es unmittelbar für die Impfung gibt. So bietet Griechenland jungen Menschen eine Bezahlkarte in Höhe von 150 Euro an, mit der sie etwa das Handy aufladen oder shoppen können. Und Serbien belohnt Impfwillige mit umgerechnet 25 Euro.

Manche Staaten sorgen sich auch um das leibliche Wohl der Geimpften: In Israel wurden sie etwa mit Hummus und Pizza verköstigt, in China gab es Eier und Mehl geschenkt. In Indien, wo die Impfkampagne bislang langsamer als geplant läuft, versuchen örtliche Behörden laut Medien die Impfskepsis mit Belohnungen in Form von Benzin, Saatgut, Dreirädern, Tomaten oder Reis zu bekämpfen.

Das Mittel der Wahl in Tschechien sind Urlaubstage: Alle Staatsbediensteten, die die Spritze erhalten haben, sollen zwei zusätzliche bezahlte Urlaubstage erhalten, so der Plan der Regierung. Ministerpräsident Andrej Babis hofft so, noch mehr Menschen zur Impfung zu motivieren.

Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in einigen Ländern

Doch nicht immer wählen Staaten den affirmativen Weg der Belohnung. Um die Impfquoten zu erhöhen, haben einige Länder bereits eine Impfpflicht eingeführt - zumindest für bestimmte Berufsgruppen. Diese gibt es etwa in Russland, Griechenland, Italien oder Großbritannien. In Frankreich wurde eine solche für das Gesundheitspersonal und Rettungskräfte auf den Weg gebracht. Impfverweigerern in diesen Berufen droht hier eine Aussetzung des Gehalts, anderswo sogar die Entlassung. Mancherorts gibt es aber auch bestimmte Privilegien nur für Geimpfte: So kündigte die New Yorker Metropolitan Opera an, ihre Türen nur für vakzinierte Menschen zu öffnen. Und Saudi-Arabien hatte in diesem Jahr nur 60.000 geimpfte Pilger zur muslimischen Wallfahrt Hadsch zugelassen.

In Deutschland sind die Meinungen über Impf-Belohnungen gespalten. Während sich etwa die Ökonomin Nora Szech vom Karlsruher Institut für Technologie vor einigen Wochen im Deutschlandfunk für einen Bonus von bis zu 500 Euro ausgesprochen hatte, sträuben sich viele Politiker gegen finanzielle Anreize. Und auch eine Impfpflicht wird größtenteils abgelehnt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Mai 2021 um 04:00 Uhr.