Anne Frank

50. Jahrestag der Eröffnung des Anne-Frank-Hauses Mahnmal wider die Nazi-Verbrechen

Stand: 28.04.2010 03:01 Uhr

Mit ihrem Tagebuch wurde sie zu einem der bekanntesten Opfer des menschenverachtenden Regimes der Nationalsozialisten: Anne Frank. Geschrieben hatte sie es in ihrem Versteck in einem Hinterhaus in Amsterdam. Heute vor 50 Jahren wurde es zur Gedenkstätte - zur Erinnerung an ihr Leben und den Mut ihrer Helfer.

Jürgen Kleikamp ARD-Studio Den Haag

Von Jürgen Kleikamp, WDR-Hörfunkstudio Den Haag

Im Haus Prinsengracht 263 im Herzen von Amsterdam gibt es viele Treppen. Steil, schmal und manche schon ein wenig abgewetzt. Aber alle machen einen stabilen Eindruck. Die steilste und stabilste Treppe hat 14 Stufen. Sie führt in das Zimmer, in dem sich Anne Frank zwei Jahre versteckt hielt. Versteckt vor der Gestapo. In diesem Zimmer, im von allen Seiten uneinsehbaren Hinterhaus der Prinsengracht, hat sie auch ihr weltberühmtes Tagesbuch geschrieben.

Anne Frank

Anne Frank - mit ihrem Tagebuch erhielten die Verbrechen der Nazis ein Gesicht.

Um auf die steile Treppe und in dieses Zimmer zu gelangen, muss man viele Räume überwinden. Und 37 Aktenordner, viele prall gefüllt, einige nur halb. Sie stehen in einem Regal. Darüber hängt eine Karte des Königreichs Belgien. Dieses Regal hat nur einen Zweck: Die Tür zu verbergen, die in die Fluchtburg des Mädchens führt. Mehr als eine Million Menschen aus aller Welt gehen pro Jahr beim Besuch der Gedenkstätte durch diese Tür, über diese 14 Stufen. Und sie sind beeindruckt, wie auch zwei Damen aus dem bayerischen Landshut: "Das Buch ist faszinierend. Aber wenn man die Räume sieht und sich vorstellt, wie die da gelebt haben, ist das auch schlimm." Ihre Begleitung fügt hinzu: "Ich bin auch sehr beeindruckt. Und ich fühle mich als Deutsche unwohl, das alles zu hören und zu sehen." 

Das Tagebuch hat Miep Gies gerettet, eine von den Menschen, die Anne Frank und ihre Familie unter Gefahr für das eigene Leben beschützt und mit Lebensmitteln versorgt haben. Sie starb Anfang dieses Jahres. In dem nahezu komplett unmöblierten Haus beeindruckt nicht nur das Tagebuch selbst. An der Wand stehen Zitate aus dem Tagebuch, dass Anne Frank mit 14 Jahren begann: "Ich würde so gerne Rad fahren, tanzen, flöten, die Welt anschauen und mich frei fühlen", steht an einer Wand in akkurater Schrift. Eine Illusion für das Mädchen im Hinterhaus. Und heute eine der Stellen, an der die Besucher am intensivsten verharren.

So viele Menschen wie möglich erreichen

Seit 50 Jahren existiert dieses Haus nun als Gedenkstätte für ein jüdisches Mädchen und ihre Familie. Anlass für die niederländische Königin Beatrix, dem Anne-Frank-Haus wieder einen Besuch abzustatten auch zu Ehren ihrer Landsleute, die deutsche Juden versteckt gehalten haben. Anlass auch für die Anne-Frank-Stiftung, das Gedenken nicht nur weiter wach zu halten, sondern dem Stand der heutigen Zeit anzupassen, etwa mit einer hochwertigen 3-D-Präsentation im Internet. Ob diese Anne Frank wieder ein klein wenig lebendig macht? Die Antwort von Hans Westra, Direktor der Stiftung, ist eindeutig: "Anne Frank ist und bleibt Hitlers bekanntestes Opfer. Sie ist in Bergen-Belsen gestorben. Sie hat uns ihr Buch hinterlassen. Was wir nun tun können, ist ihren Nachlass der heutigen Zeit anzupassen. Das ist eine ganz neue Form, um so viele Menschen in der ganzen Welt zu erreichen."

Dabei ist die Stimme von Anne Frank schon  zum Leben erweckt worden. Von der niederländischen Schauspielerin Nyncke Beekhuyzen, die mit dem Tagebuch ganz eigene Erfahrungen gemacht hat und deren Interpretation ausgesprochen authentisch wirkt: "Als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, war ich gut zwölf, also fast so alt wie Anne. Ich bekam es von meiner Oma. Ich musste einerseits lachen, aber ich habe es auch mit Tränen in den Augen gelesen. Wie genau das alles ist, was sie alles wahrnimmt. Das hat mich besonders beeindruckt."

Anne Frank

Auf diesem Dachboden in der Amsterdamer Prinsengracht versteckte sich Anne Frank mit ihrer Familie. Bis heute ist unklar, wer sie an die Gestapo verraten hatte.

Mahnung und Ehrung für die mutigen Helfer

Ob es das 3-D-Format im Internet, das Tagebuch, Zitate an den Wänden, oder Annes Sammlung von ebenfalls ausgestellten Fotos berühmter Filmstars sind - in einem sind sich alle einig, die Königin, die Anne-Frank-Stiftung und die vielen Besucher: Es ist gut, dass es dieses viergeschossige extreme verwinkelte und einsehbare Hinterhaus in der Prinsengracht in Amsterdam gibt. Als Andenken an ein junges Mädchen und deren mutige Helfer, als Mahnung dafür, dass so etwas niemandem wieder angetan werden darf. Erst recht nicht einem so jungen Mädchen, das die Welt nur durch eine Fensterscheibe kennengelernt hat.