Golan-Höhen an der Grenze von Israel und Syrien

Syrien Tote bei israelischem Luftangriff

Stand: 18.11.2020 10:06 Uhr

Nachdem an der Grenze zu Syrien mehrere Sprengsätze gefunden wurden, haben israelische Kampfjets Ziele in Syrien bombardiert, die mit dem Iran in Verbindung stehen. Damit solle eine "eindeutige Botschaft" gesendet werden.

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben in der Nacht Ziele in Syrien bombardiert. Das Militär habe Einrichtungen der iranischen Al-Kuds-Brigaden und des syrischen Militärs getroffen, darunter "Lagereinrichtungen, Zentralen und Militärlager", sowie syrische Flugabwehrraketen. Dabei wurden nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur Sana drei Soldaten getötet. Ein vierter sei verletzt worden, außerdem gebe es Sachschaden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden außerdem fünf mutmaßliche Mitglieder der Al-Kuds-Brigaden sowie zwei weitere pro-iranische Kämpfer getötet. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem Netz von Informanten vor Ort. Ihre Angaben lassen sich von unabhängiger Seite oft kaum überprüfen.

Die Angriffe waren nach israelischer Darstellung die Reaktion auf einen Vorfall vom Dienstag. Entlang der Grenze der von Israel besetzten Golanhöhen waren Sprengsätze am Straßenrand entdeckt worden. Diese seien von einem syrischen Kommando unter iranischer Führung gelegt worden, teilte die israelische Armee mit. Der Fund sei "ein weiterer Beweis für die iranische Etablierung in Syrien". Israel halte Syrien für alle Angriffe von seinem Gebiet aus verantwortlich und werde weiterhin dagegen vorgehen. "Die israelische Armee bleibt in erhöhter Bereitschaft und ist auf verschiedene Szenarien vorbereitet."

Beschuss bis in Vororte von Damaskus

Armeesprecher Jonathan Conricus sagte, die Sprengsätze seien in unmittelbarer Nähe des Ortes gefunden worden, an dem im August ein versuchter Anschlag auf israelische Truppen vereitelt worden sei. Bereits im August hatte Israel als Reaktion Ziele in Syrien bombardiert. "Es erscheint, dass die Botschaft, die wir beim letzten Mal übermitteln wollten, nicht klar genug war", sagte Conricus. "Wir hoffen, dass sie diesmal eindeutig ist."

Dieses Mal seien Ziele im Bereich von der Grenze bis zu den Vororten von Damaskus beschossen worden, sagte der Militärsprecher. Darunter seien ein iranisches Hauptquartier am internationalen Flughafen in Damaskus sowie eine geheime Militäranlage, die für den Empfang ranghoher Gäste aus dem Iran diene. Diese Einrichtung habe Israel zum ersten Mal angegriffen. Israel rufe die UN-Truppen auf den Golanhöhen dazu auf, die Einhaltung des Waffenstillstands zu gewährleisten, sagte Conricus. Die Blauhelme der Undof-Mission kontrollieren eine etwa 235 Quadratkilometer große Pufferzone zwischen Israel und Syrien.

Iran als Bedrohung

Über die Jahre hat Israel Hunderte Militärschläge gegen mit dem Iran in Verbindung stehende Ziele in Syrien durchgeführt, bestätigt oder diskutiert diese aber selten. Israel betrachtet den Iran als seine größte Bedrohung und will keine permanente iranische Militärpräsenz in Syrien dulden, insbesondere nicht nahe der Grenze. Der Iran ist auch ein wichtiger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Bürgerkrieg.

Der aktuelle Vorfall kommt nur Stunden vor einem Besuch von US-Außenminister Mike Pompeo in Israel. Thema der politischen Gespräche wird dann auch der Umgang mit dem Iran sein.

Mit Informationen von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Israel greift Ziele in Syrien an
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
18.11.2020 09:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2020 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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