Rauch steigt über der brennenden Ölanlage in Saudi-Arabien auf. | dpa

Angriff in Saudi-Arabien "Außerordentlich besorgniserregend"

Stand: 16.09.2019 20:00 Uhr

Politiker aus aller Welt haben besorgt auf die Drohnenangriffe in Saudi-Arabien reagiert und zur Zurückhaltung aufgerufen. Die saudische Militärkoalition sieht eine iranische Beteiligung, was Teheran zurückweist.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat die Angriffe in Saudi-Arabien verurteilt. Sie seien "durch nichts zu rechtfertigen" und erhöhten die Gefahr, dass die Situation "weiter eskaliert", schrieb das Außenministerium auf Twitter. "Wir analysieren mit Partnern und mit der notwendigen Besonnenheit, wer verantwortlich ist", hieß es weiter. Die Lage sei "außerordentlich besorgniserregend".

Ähnlich äußerte sich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die Angriffe seien "eine echte Bedrohung für die regionale Sicherheit". Es sei wichtig, "die Fakten eindeutig zu klären und festzustellen, wer für diesen Angriff verantwortlich ist". Sie forderte "größtmögliche Zurückhaltung" von allen Beteiligten.

Militärbündnis: Waffen stammen aus dem Iran

Nach Angaben des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses waren die beim Angriff genutzten Waffen iranischen Ursprungs. Zudem seien die Waffen nicht im Jemen gestartet worden, erklärte der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im jemenitischen Bürgerkrieg, Oberst Turki al-Malki. Die Huthi-Rebellen im Jemen, die von der Koalition bekämpft werden, hatten den Drohnenangriff auf die Ölanlagen für sich beansprucht. Al-Malki erklärte weiter, derzeit werde daran gearbeitet festzustellen, von wo aus die Drohnen gestartet worden seien. Der Iran wies diese Anschuldigungen entschieden zurück.

Zuvor hatte bereits die US-Regierung den Iran beschuldigt und mit Vergeltung gedroht. Die USA stünden mit "geladener" Waffe bereit, so Präsident Donald Trump. Erergänzte: "Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen." Der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, Marc Short relativierte inzwischen die Aussage: Der von Trump verwendete militärische Ausdruck "locked and loaded" - eigentlich "gesichert und geladen" - sei ein allgemeiner Begriff, der hier beschreibe, dass die USA ihre Energieunabhängigkeit erreicht und gesichert hätten, sagte er. Trump habe damit gesagt, dass seine Regierung eine Politik verfolge, die die USA "vor dieser Art Ölschüsse" schütze.

Warnung vor "voreiligen Schlüssen"

Russland warnte die USA und alle anderen Länder vor "voreiligen Schlüssen" zur Urheberschaft der Angriffe, wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte. Chinas Außenministerium rief die USA und den Iran auf, sich "in Zurückhaltung zu üben", um die Stabilität in der Region zu bewahren. Es sei unverantwortlich, andere zu beschuldigen, "wenn es keine aussagekräftige Untersuchung und ein Urteil gibt".

Ölpreis schießt in die Höhe

In Folge der Angriffe war der Ölpreis so stark in die Höhe geschnellt wie seit dem Golfkrieg in den 1990er-Jahren nicht mehr. Grund: Die Ölproduktion Saudi-Arabiens ist in Folge der Attacke um fast 50 Prozent eingebrochen, was Sorgen vor einer neuen Energiekrise ausgelöst hat.

US-Präsident Trump gab sich hingegen demonstrativ gelassen: Die USA würden mittlerweile mehr Öl und Gas exportieren als sie einführen müssten. "Wir brauchen das Öl (...) aus dem Mittleren Osten gar nicht. Tatsächlich haben wir auch nur ziemlich wenig Tanker da. Aber wir werden unseren Alliierten helfen", schrieb er auf Twitter.

Gespräche zwischen USA und Iran derzeit unwahrscheinlich

Der Iran erteilte vor dem Hintergrund der neuen Spannungen allen Spekulationen über ein mögliches Treffen zwischen Rouhani und Trump eine Absage. Es gebe "keine Pläne", dass sich die beiden am Rande der bevorstehenden Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York treffen würden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Noch am Sonntag hatte es aus dem Weißen Haus in Washington geheißen, dass ein Zusammentreffen von Trump und Rouhani nicht ausgeschlossen sei. "Wir haben dieses Treffen weder geplant, noch denke ich, dass so etwas in New York passieren wird", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums im staatlichen Fernsehen.

Trump hatte im Mai 2018 das von ihm als völlig unzureichend kritisierte internationale Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. Seither ließ er massive Wirtschaftssanktionen gegen Teheran verhängen. Dennoch signalisierte Trump mehrfach, dass er zu einem Treffen mit Rouhani bereit sei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2019 um 15:00 Uhr.