Lucky Luke Streetart | Bildquelle: Sabine Wachs / ARD-Studio Paris

Festival in Angoulême Eine Stadt im Comic-Fieber

Stand: 01.02.2020 13:56 Uhr

Was Cannes für den Film ist, ist Angoulême für den Comic. Das internationale Festival zieht jedes Jahr Hunderttausende Besucher in die französische Stadt. Sabine Wachs hat Europas größtes Comic-Event besucht.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Comics überall. Schon am Bahnhof in Angoulême tauchen die Besucher ein in die Welt der Bandes Déssinés, wie die Comics auf Französisch heißen. Le Fauve, die schwarze Katze mit den hochgezogenen Augenbrauen, seit Jahrzehnten das Maskottchen des Festivals, begrüßt die Besucher noch auf dem Gleis.

Vor dem Bahnhof, an der großen Tafel mit dem Festivalplan, steht einen Menschentraube. Mittendrin Guiseppe und seine Freunde - allesamt junge Comicautorinnen und -Autoren, gerade fertig mit der Uni. Sie kommen aus Bologna: "Wir lieben Angoulême, es ist eine tolle Stadt, überall sind Comics."

Auf dem Festival suchen die jungen Autoren und Zeichner Kontakt zu Verlegern. Sie schätzen das Internationale Comic-Festival. Es ist familiär und gleichzeitig vielfältig.

Knallbunte und schrille Manga-City

Über Lautsprecher, die in der ganzen Stadt hängen, werden die Lesungen, Ausstellungen oder Konzerte angekündigt. Es gibt unfassbar viel zu sehen. Es ist gar nicht so leicht, einen Überblick über das Festival zu bekommen, das an mehr als zehn Orten stattfindet.

Auf dem Rathausplatz, vor dem Zelt, in dem die Comic-Börse ihre Heimat hat, überlegen Aurélie und Julien gerade, was sie sich als nächstes anschauen wollen. Lieber in die knallbunte und schrille Manga-City, Neues entdecken bei den jungen Talenten oder doch in eine Ausstellung?

"Wir lesen nicht die gleichen Sachen, aber hier findet jeder was für sich. Auch wenn man unterschiedliche Stilrichtungen mag", sagt Aurélie. Hier findet man auch kleine Verlage. "Mir öffnen sich neue Welten. Comics, Reihen, die ich nicht kannte, die ich ohne das Festival niemals kennengelernt hätte", erzählt sie.

Schlüsselszene aus "The Walking Dead"

Aurélie mag eher Science-Fiction, Julien liest gerne düstere amerikanische Comics. Er freut sich auf die Robert Kirkman-Retrospektive - eine Ausstellung über das Gesamtwerk des Erfinders der Zombie-Comic-Serie "The Walking Dead". Sie wird im Alpha gezeigt, in der großen Mediatèque von Angoulême, und versetzt das Publikum in die Welt der Zombies, der Zeit nach der Apokalypse.

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Comicfestival in Angoulême

Streetart-Comic an einer Häuserwand in Angoulême.

Comics überall. Angoulême, die kleine Stadt im Südwesten Frankreichs ist neben Brüssel Europas Comic-Hauptstadt. An jeder Ecke können Besucher bunte Comics entdecken. Manche füllen sogar ganze Hauswände aus. | Bildquelle: Sabine Wachs / ARD-Studio Paris

"Hier haben wir die Teufelstür nachgebaut. Das ist eine Schlüsselszene bei 'The Walking Dead', ganz am Anfang. Die Hauptfigur Rick Grames erwacht aus dem Koma und stolpert im Krankenhaus auf diese Tür zu, die die Menschen verbarrikadiert haben, um die Zombies daran zu hindern, in das Krankenhaus einzudringen", sagt Kurator Philippe Guedj.

Alle drei Minuten klappert die Tür, vor der eine Blutspur auf dem Boden zu sehen ist. Das zerstörte Krankenhaus, das Bett, in dem Rick Grimes im Koma lag, ein zerstörter Tropf, gerissene Röntgenbildschirme, die Kulisse der Ausstellung ist ein Comic, der die Besucher in seinen Bann zieht.

Szenaristen stehen im Fokus

Die Kirkman-Retrospektive ist eines der großen Highlights des Festivals, das seinen Fokus in diesem Jahr auf die Szenaristen setzt. Nicht nur Kirkman, auch Pierre Christin, Szenarist der Science-Fiction-Comics Valérien et Véronique, wird mit einer Ausstellung über sein Gesamtwerk geehrt.

"Es war schon lange der Wunsch des Festivals, die Szenaristen zu ehren. Lange Zeit tauchten ihre Namen nur selten auf den Einbänden der Comics auf", sagt Festivalleiter Franck Bondoux. Es seien die Szenaristen, die viele Geschichten erfinden, sie aber nicht immer auch selbst umsetzen. Asterix-Vater René Goscinny ist für Bondoux der bekannteste. Angoulême hat ihm sogar eine Straße gewidmet.

Schoko-Obelixe im Schaufenster

Auch außerhalb der Festivalorte kommt man an Comics in Angoulême nicht vorbei. Von den Hauswänden schauen einem Lucky Luke, Jolly Jumper, die Daltons und viele andere Comic-Figuren entgegen. Eine Chocolatier hat kleine dicke Schoko-Obelixe im Schaufenster und sogar im Friseurladen hängen Gaston-Comics an den Wänden.

"Das war eine richtige Überraschung, als wir hier angekommen sind. Vom Bahnhof über die Läden, hier dreht sich alles um Comics. Hier ist man wirklich mittendrin in der Comic-Stadt. Ich hätte niemals gedacht, dass das Festival eine solche Dimension hat", sagt Lilia, die extra aus der Ukraine nach Angoulême gereist ist. Mit rund 200.000 anderen Besuchern aus aller Welt kann sie noch bis Sonntagabend die magische Atmosphäre in der europäischen Comic-Hauptstadt Angoulême genießen.  

Besuch auf dem Comic-Festival in Angoulême
Sabine Wachs, ARD Paris
01.02.2020 12:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SR 3 Saarlandwelle am 01. Februar 2020 in der Sendung "Guten Morgen" ab 06:05 Uhr.

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