Kubanische Ärzte in Andorra | Bildquelle: AFP

Kampf gegen Coronavirus Andorra testet alle

Stand: 02.04.2020 14:01 Uhr

Andorra liegt zwischen Spanien und Frankreich, die stark vom Coronavirus betroffen sind. In dem Zwergstaat ist die Infizierten-Zahl zwar überschaubar - aber die Regierung will Klarheit und testet alle Einwohner.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es klingt nach einer riesigen Aufgabe: Ein Massentest der gesamten Bevölkerung. Allerdings ist Andorra nur halb so groß wie Berlin und hat nur rund 77.000 Einwohner. Der Zwergstaat hat sicherheitshalber doppelt so viele Corona-Schnelltests in Südkorea bestellt: 150.000.

Es handele sich um absolut zuverlässige Tests, sagt Gesundheitsminister Joan Martínez Benazet. "Innerhalb weniger Wochen wollen wir alle Bewohner auf Coronavirus-Antikörper testen. So sehen wir, wie hoch der Infektionsgrad in der Bevölkerung tatsächlich ist und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um das öffentliche Leben wieder hochzufahren", so Benazet.

Großflächiger Test als Mittel der Wahl

Genau darum geht es der andorranischen Regierung: Sie will Schulen und Geschäfte möglichst bald wieder öffnen. Ein großflächiger Test sei dafür das beste Mittel, meint auch Daniel López Acuna, ehemaliger Krisenmanager bei der Weltgesundheitsorganisation. Er sagte dem spanischen Fernsehsender TVE: "Durch einen Massentest stellt man fest, wie viele der Menschen positiv sind, die keine Symptome zeigen." Denn vor diese trügen das Virus weiter. "Nach einem Massentest können wir Menschen gezielter isolieren und müssen nicht mehr die gesamte Bevölkerung wegsperren."

Bisher haben die Behörden in Andorra knapp 400 Coronavirus-Erkrankte registriert, 14 Patienten sind an den Folgen der Infektion gestorben. Zu den positiv Getesteten gehört auch ein Mitglied einer Ärzte-Delegation aus Kuba. Die 39 Männer und Frauen waren am Dienstag in Andorra angekommen. Ihre Mission: das Gesundheitssystem des Fürstentums unterstützen, in den Krankenhäusern aushelfen.

Doch dieses Projekt steht nun auf der Kippe. Die Regierung Andorras prüft, ob das komplette Team in Quarantäne muss, so der Gesundheitsminister: "Wir analysieren gerade, inwieweit wir die Delegation noch in die Krankenhausteams einbeziehen können. Vielleicht können wir einzelne Helfer nach Tests peu à peu eingliedern, zum Beispiel, um die Intensivstationen zu unterstützen. Denn gerade dort brauchen wir mehr Personal."

Rückschlag für Helfer aus Kuba

Für das Ärzteteam aus Kuba ist der Infektionsfall in den eigenen Reihen ein Rückschlag. Die Mediziner hätten am liebsten sofort nach ihrer Ankunft mit der Arbeit losgelegt. Missionsleiter Jorge Delgado sagte vor dem Abflug des Teams in Havanna der Nachrichtenagentur AFP: "Wir starten eine Mission dort, wo Kräfte fehlen. Wir machen das freiwillig. Ob die Menschen in dem Land, in das wir reisen, mehr Geld verdienen oder weniger - das ist Nebensache. Wir wollen den Kranken helfen."

Ärzteteams sind eine Art Exportprodukt Kubas. Der Karibikstaat hat ein vergleichsweise gutes Gesundheitssystem und schickt seit Jahrzehnten Mediziner in alle Welt. Entwicklungsländer müssen für diese Hilfe nichts bezahlen, reiche Staaten - wie Andorra - schon. Ob die lange Reise nach Europa sich für Delgado und sein Team doch noch gelohnt hat und sie die lokalen Ärzten unterstützen können, soll sich in den nächsten Tagen herausstellen.

Covid-19: Andorra testet die gesamte Bevölkerung auf das Corona-Virus
Oliver Neuroth, ARD Madrid
02.04.2020 13:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. April 2020 um 09:42 Uhr.

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