Anhänger des ANC-Präsidentschaftskandidaten Ramaphosa singen vor dem Expo Center in Johannesburg. | Bildquelle: REUTERS

ANC wählt neue Spitze "Es dürfen keine Stühle fliegen"

Stand: 17.12.2017 14:11 Uhr

In Südafrika bereitet sich die Regierungspartei ANC auf einen Wechsel an der Parteispitze vor. Der Nachfolger könnte bei den Präsidentschaftswahlen 2019 den umstrittenen Staatschef Zuma ablösen. Doch der Parteitag läuft nicht nach Plan.

Südafrikas Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) wählt eine neue Parteispitze. Eine mögliche Nachfolgerin des umstrittenen Staatschefs und bisherigen Parteiführers Jacob Zuma könnte dessen Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma sein. Doch die Wahl hat sich auf Montag verschoben. Zwischen den einzelnen Programmpunkten kommt es immer wieder zu langen Wartezeiten.

Konferenzleiterin Baleka Mbete rief die Delegierten zu Disziplin auf. "Alle erwarten, dass beim Parteitag Stühle fliegen", erklärte sie. "Lasst uns dafür sorgen, dass das nicht passiert."

Eine tief gespaltene Partei

Den ersten Teil des Tages verbrachten die Delegierten laut der südafrikanischen Zeitung "The Southafrican" großteils hinter verschlossenen Türen. Dabei ging es, der Zeitung zufolge, auch um Strukturreformen, etwa darum, künftig zwei Vizepräsidenten zu beschäftigen.

Die ANC ist tief gespalten - entsprechend angespannt sind die Delegierten. Denn mit der Wahl der neuen Parteispitze entscheiden sie auch über den zukünftigen Kurs der Partei. Auf der einen Seite stehen die Anhänger Zumas, die auch dessen Ex-Frau Dlamini-Zuma stützen. Zu denen zählt etwa die Ministerin für Soziale Entwicklung, Bathabile Dlamini, die der einflussreichen Frauenliga im ANC vorsteht. "Wir sind bereit für eine weibliche Präsidentin", erklärte sie am Rande des Parteitags.

Nkosazana Dlamini-Zuma und Cyril Ramaphosa lachen zusammen. | Bildquelle: AP
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Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Parteivorsitz, Nkosazana Dlamini-Zuma und Cyril Ramaphosa, amüsieren sich am Rande des Parteitags.

Auf der anderen Seite stehen die Anhänger des als wirtschaftsfreundlich geltenden Vizepräsidenten Cyril Ramaphosa. Seine Anhänger üben scharfe Kritik am Zuma-"Clan". Ramaphosa wird von der Konferenzleiterin und Parlamentssprecherin Mbete öffentlich unterstützt.

Zuma erstaunlich uninspiriert

Zuvor nicht zugelassene Delegierte können mittlerweile an der Wahl teilnehmen. Laut einer Parteisprecherin können 4776 Delegierte der mehr als 6000 Konferenzteilnehmer den neuen Parteivorsitzenden bestimmen.

Viele Delegierte waren zuvor nicht zugelassen worden, nachdem Vorwahlen vor Gericht für ungültig erklärt worden waren.

Auch Zumas letzte Parteitagsrede am Samstagabend sorgte für geteilten Zuspruch. Darin hatte er eine radikale sozio-ökonomische Umgestaltung Südafrikas gefordert, um die schwarze Mehrheit besser am Wohlstand des Landes zu beteiligen. Auf Beobachter wirkte die Rede erstaunlich uninspiriert. Nur selten wich er vom Manuskript ab. An den Reaktionen der Delegierten wurde deutlich, dass der ANC seines Präsidenten überdrüssig ist.

Am Ende gab Zuma eine seiner charakteristischen Sing- und Tanzeinlagen. Für diesen Teil seines Auftritts erhielt er den meisten Applaus.

Mit Informationen von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Dezember 2017 um 20:00 Uhr.

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