Trümmer in Rakka | Bildquelle: dpa

Angriffe auf Rakka Amnesty wirft US-Koalition Vergehen vor

Stand: 05.06.2018 10:00 Uhr

Ein Jahr nach Beginn der Angriffe auf Rakka hat Amnesty International schwere Vorwürfe gegen die US-geführte Militärkoalition erhoben. Hunderte Zivilisten seien getötet, große Teile der Stadt zerstört worden.

Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA, Großbritannien und Frankreich im Syrien-Konflikt. Die Koalition unter US-Führung habe bei ihren Angriffen auf die Stadt Rakka Hunderte Zivilisten getötet, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Bei den vor einem Jahr begonnenen Militäroperationen auf die Hochburg der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) seien außerdem Tausende Bewohner verletzt worden.

Einsatz unpräziser Waffen?

Die hohen Opferzahlen und das Ausmaß der Zerstörung in Rakka ließen daran zweifeln, dass die Streitkräfte der Koalition genug getan hätten, um zivile Opfer zu vermeiden, erklärte der Nahost-Experte der Organisation, Ilyas Saliba. Er beschuldigte das US-Militär des Einsatzes unpräziser Waffen in dicht bewohnten Stadtteilen.

Die Koalition hätte wissen müssen, dass IS-Kämpfer Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchten, so Amnesty - und daher hätte sie ihre Taktiken im Kampf gegen die Miliz auch anpassen müssen. Laut Völkerrecht müssten die Kriegsparteien Zivilisten schonen. Die Angriffe könnten daher als Kriegsverbrechen gewertet werden.

Die Streitkräfte der USA, Großbritanniens und Frankreichs hätten zwischen dem 6. Juni und 12. Oktober 2017 Zehntausende Luftangriffe auf die Stadt, in der einmal 200.000 Menschen wohnten, geflogen. Mehr als 90 Prozent davon verantworteten laut Amnesty die US-Einheiten. Die Koalition sowie verbündete kurdische Milizen konnten schließlich den IS aus Rakka vertreiben.

Amnesty wirft Anti-IS-Koalition Tod Hunderter Zivilisten vor
tagesschau 16:00 Uhr, 05.06.2018, Esther Neumeier, RBB

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Sprecher weist Vorwürfe zurück

Amnesty forderte die Koalition auf, unabhängige Untersuchungen in die Wege zu leiten und Überlebenden und Hinterbliebenen eine angemessene Wiedergutmachung zu ermöglichen. Deutschland müsse sicherstellen, dass Bilder aus Bundeswehr-Aufklärungsflügen über Syrien, die an andere Koalitionsmitglieder weitergegeben werden, nicht zu unverhältnismäßiger Gewalt gegen Zivilisten führten, verlangte Saliba.

Amnesty-Mitarbeiter sprachen für den Bericht im Februar 2018 vor Ort mit 112 Zeugen und Überlebenden der Angriffe und besuchten 42 Orte in Rakka, an denen Angriffe durch Mörser, Artillerie und Luftstreitkräfte stattgefunden hatten.

Ein Sprecher der Koalition wies die Vorwürfe als "absurd und grob fehlerhaft" zurück. Es gebe hohe Standards bei der Auswahl der Waffen und Ziele. Die vom Westen eingesetzten Kräfte hätten gemeinsam mit ihren syrischen Partnern vor Ort sichere Fluchtwege für die Zivilisten organisiert. Der IS habe sie aber eingeschlossen. Wenn ein Feind bekämpft werden müsse, der den Tod von Zivilisten als Kollateralschaden verstehe, sei es sehr schwierig, entsprechende Todesopfer vollständig zu vermeiden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juni 2018 um 09:00 Uhr.

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