Rohingyas fliehen aus Myanmar | Bildquelle: AP

Gräueltaten gegen Rohingya Amnesty beschuldigt Myanmars Militär

Stand: 27.06.2018 10:24 Uhr

Gewalt, Folter, Vertreibung der Rohingya: Amnesty International wirft der Armeeführung von Myanmar in einem Bericht Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Myanmar wies die Vorwürfe zurück.

Min Aung Hlaing | Bildquelle: LYNN BO BO/EPA-EFE/REX/Shutterst
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Als Hauptverantwortliche benannte Amnesty Armeechef Min Aung Hlaing.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der Armeeführung von Myanmar Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Armeechef Min Aung Hlaing und zwölf weitere ranghohe Militärs hätten einen "systematischen" Angriff auf die Rohingya-Minderheit im Bundesstaat Rakhine überwacht, heißt es in einem Bericht der Organisation.

Amnesty forderte eine Verfolgung der Verantwortlichen vor dem Internationalen Strafgerichtshof. "Die ethnische Säuberung" der Rohingya-Bevölkerung sei "durch eine unerbittliche und systematische Kampagne erzielt" worden, bei der die Sicherheitskräfte von Myanmar "Tausende Rohingya töteten, darunter kleine Kinder", heißt es in dem Amnesty-Bericht.

Mord, Vergewaltigung, Folter, Zerstörung

Die Menschenrechtsorganisation wirft den Sicherheitskräften zudem sexuelle Gewalt, Folter, Vertreibung sowie das Niederbrennen von Märkten und Ackerland vor. Einige der ranghohen Militärs hätten die Aufsicht über Einheiten gehabt, die die mutmaßlichen Gräueltaten direkt begangen hätten. Andere hätten von den Taten Untergebener gewusst, aber nichts unternommen, um dies zu verhindern, zu stoppen oder zu bestrafen.

Operationen, die vom Militär geleitet worden seien, stellten eine "orchestrierte Kampagne von Mord, Vergewaltigung, Folter und Zerstörungen dar, die darauf abzielten, die Rohingya zu bestrafen und zu vertreiben", hieß es in dem Bericht.

Der Amnesty-Bericht ist der erste Versuch, ranghohe Vertreter direkt zu benennen und mit der Gewalt in Verbindung zu bringen. Für den 186 Seiten langen Bericht wurden Satelliten-Aufnahmen, forensische Analysen und geheime Militärdokumente ausgewertet.

Myanmar weist Vorwürfe zurück

Die russische Vertretung bei den Vereinten Nationen, die den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat hat, die Vertretung Myanmars, die Regierung Myanmars und der Internationale Strafgerichtshof waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Myanmar hat die meisten Vorwürfe des Fehlverhaltens zurückgewiesen und begründet das Vorgehen gegen die Rohingya damit, einen Aufstand legitim niederzuschlagen. Myanmar ist kein Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs, sodass dessen Urteile nicht automatisch gelten.

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Myanmar seit langem diskriminiert. Die Lage eskalierte im vergangenen Jahr, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen rund ein Dutzend Sicherheitskräfte getötet hatten. Mehr als 700.000 Rohingya flohen seit August vergangenen Jahres ins benachbarte Bangladesch. Viele berichten nach Darstellung von UN- und Hilfsorganisationen von Ermordungen, Vergewaltigungen und Brandstiftungen in großem Ausmaß.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Juni 2018 um 08:15 Uhr.

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