Syrische Flüchtlinge bereiten sich auf die Rückkehr vor | Bildquelle: AFP

Bericht von Amnesty International Syrer aus Türkei illegal abgeschoben?

Stand: 25.10.2019 01:08 Uhr

Die Organisation Amnesty International wirft der Türkei vor, Hunderte Syrer illegal in ihre Heimat abgeschoben zu haben. Türkische Behörden geben hingegen an, dass Tausende Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Die Türkei habe bereits vor der türkischen Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG im Nordosten Syriens mit Abschiebungen von Syrern in das Kriegsgebiet begonnen, so Amnesty International.

Das geht aus dem Bericht "Sent to a war zone: Turkey's illegal deportations of Syrian refugees" hervor. Für diesen Bericht sprachen Mitarbeiter von Amnesty International mit Dutzenden syrischen Flüchtlingen.

Die Menschenrechtsorganisation geht davon aus, dass "die Zahl der in den vergangenen Monaten Abgeschobenen in die Hunderte geht". Nach Angaben der türkischen Behörden seien in den vergangenen Monaten 315.000 Syrer freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt, erklärte Amnesty International. Offizielle Statistiken zur Zahl der Abschiebungen liegen laut Amnesty nicht vor.

Flüchtlinge berichten von Schlägen

Von Freiwilligkeit könne allerdings oftmals keine Rede sein: Abgeschobene Flüchtlinge berichteten von Folter. Die Befragten gaben demnach teilweise an, dass sie von türkischen Polizisten geschlagen und bedroht worden seien. Sie hätten zudem Dokumente unterschreiben müssen, die eine angeblich freiwillige Rückkehr belegen sollten. 

"Die Behauptung der Türkei, dass sich die syrischen Flüchtlinge selbst dazu entschieden hätten, direkt in den Konflikt zurückzukehren, ist gefährlich und unehrlich", kritisierte die Amnesty-Expertin für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten, Anna Shea. Vielmehr seien die Menschen "ausgetrickst und gezwungen worden, zurückzugehen". Bei den meisten Abgeschobenen handele es sich um erwachsene Männer, die in die Provinz Idlib im Nordwesten des Landes gebracht werden.

Die Abschiebungen nach Syrien seien illegal, da dort das Risiko extrem hoch ist, Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen zu werden, so Amnesty. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte der Türkei vorgeworfen, syrische Flüchtlinge illegal abzuschieben.

Amnesty kritisiert "Sicherheitszone" in Nordsyrien

Am Dienstag hatten sich Russland und die Türkei auf die Einrichtung einer "Sicherheitszone" in Nordsyrien geeinigt, in der auch Flüchtlinge aus der Türkei angesiedelt werden sollen. Das Abkommen bezeichnete Shea als "erschütternd". Darin vorgesehen ist auch die "freiwillige Rückkehr" von syrischen Flüchtlingen. Die Türkei will nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Flüchtlinge in der "Sicherheitszone" in Nordsyrien neu ansiedeln.

Amnesty wirft Türkei Deportation von Flüchtlingen nach Syrien vor
Georg Schwarte, ARD Berlin
25.10.2019 13:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2019 um 01:00 Uhr.

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