Helfer verteilen Trinkwasser an Bedürftige in der texanischen Stadt San Antonio. | AP

Nach Wintersturm und Stromausfall Texas steht nun vor Trinkwasserkrise

Stand: 20.02.2021 04:15 Uhr

Im US-Bundesstaat Texas ist nach dem schweren Wintersturm zwar der Strom wieder an. Doch nun droht eine Trinkwasserkrise. Denn das Winterwetter hat viele Leitungen beschädigt.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Lange Auto-Schlangen vor dem Delmar Stadium in Houston, Texas. Palettenweise wird hier Wasser in Plastikflaschen an die Bevölkerung verteilt. Nach dem historischen Wintereinbruch und den damit verbundenen Stromausfällen sind Millionen Bürger von Texas ohne Trinkwasser.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

"Ich stehe an für Wasser. In den Geschäften gibt es kein Wasser mehr, beziehungsweise die Geschäfte haben zu. Es ist wirklich schwierig, im Moment Wasser zu finden", klagt Erica Granado aus Houston im Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Strom wieder an - aber die Probleme bleiben

Zwar geht der Strom in den meisten Regionen des Bundesstaats wieder, aber vielerorts sind infolge des massiven Kälteeinbruchs Leitungen geplatzt oder Pumpen eingefroren. Nicht nur Privathäuser sind betroffen, sondern auch Flughäfen, Gefängnisse und sogar Krankenhäuser - wie Dr. Joseph Varron auf NPR erzählt. Er ist Chefarzt im United Memorial Medical Center in Houston.

Es ist die Hölle. Privat und beruflich. Ich habe zuhause kein Wasser, und auch mein Krankenhaus - wie fast alle Krankenhäuser in Houston - hat kein Wasser. Es ist wirklich ein Desaster.

Wer Wasser hat, muss es abkochen. Behörden befürchten, dass wegen des geringen Wasserdrucks Bakterien in die Leitungen gelangt sein könnten und das Trinkwasser kontaminiert haben. Die Stadtparlamentarierin Natascha Harper Madison aus der Stadt Austin spricht von einer Krise vom Ausmaß des Hurrikans Katrina.

Massive Infrastrukturkrise droht

Viele Texaner - vor allem diejenigen, die ohnehin benachteiligt sind - geraten an ihre Grenzen. Nach mehreren Tagen in klirrender Kälte, vielfach ohne Licht und ohne Heizung, müssen sie nun ohne Trinkwasser, ohne heiße Dusche und ohne Toilettenspülung zurechtkommen. Die Lieferketten für Lebensmittel sind zum Teil unterbrochen. Dem Bundesstaat Texas drohe eine massive Infrastrukturkrise, warnte der Bürgermeister der Stadt San Antonio, Ron Nirenberg auf CNN.

Jetzt, wo das Wetter wärmer wird und die Leitungen auftauen, stellen wir enorme Schäden an der Infrastruktur fest. Der Wasserdruck ist gering, und es wird eine katastrophale Anzahl an Lecks geben.

Bis alle Rohre und Leitungen repariert sind, kann es Wochen dauern.

Suche nach den Schuldigen

Die Krise ist noch nicht durchgestanden, doch schon jetzt wird nach dem Schuldigen gesucht. Vor allem dem lokalen Stromversorger ERCOT werden Vorwürfe gemacht, sich nicht genügend auf einen möglichen Wintereinbruch vorbereitet zu haben. In Südtexas, wo die Winter normalerweise recht mild sind, waren zum Beispiel Gaspipelines und Windturbinen vereist, Kraftwerke und Raffinerien mussten dicht machen, die Strom- und damit auch die Wasserversorgung brach zusammen.

"Diese Situation war vermeidbar. Wir waren einfach nicht vorbereitet. Wir hatten nicht genügend Kapazität", sagt der Bürgermeister von Houston Sylvester Turner auf CNN. Präsident Biden versprach den verzweifelten Bürgern schnelle finanzielle Hilfe. Er will am kommenden Mittwoch nach Texas reisen. Bis dahin sollen zumindest Eis und Schnee wieder verschwunden sein.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 20. Februar 2021 um 06:20 Uhr.