USA,Texas: Menschen tragen Einkäufe durch eine Straße in der Stadt Austin. | AFP

Wintereinbruch in den USA Rekordkälte und kein Ende in Sicht

Stand: 16.02.2021 17:49 Uhr

Der starke Wintereinbruch hat die USA weiter fest im Griff. Schnee, Eisregen und Rekord-Minusgrade sorgen landesweit für Chaos: Hunderte Unfälle, mindestens ein Dutzend Tote - und Millionen Menschen haben keinen Strom.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Die US-Medien haben in diesen Tagen fast nur ein Thema: Der massive Wintereinbruch. Über 70 Prozent der USA liegen unter einer dicken Schneedecke, teilweise wurden über 100 Jahre geltende Kälterekorde gebrochen. Über fünf Millionen Menschen in elfBundesstaaten sind ohne Strom - vier Millionen allein in Texas.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Dort begann das extrem kalte Winterwetter schon vergangenen Donnerstag. Und bei Familie Lascano aus der Kleinstadt Stanton im Westen des Bundesstaates ging das Licht aus: "Sowas haben wir in dieser Gegend noch nie erlebt", erzählt Familienvater Robert Lascano im Lokalfernsehen. "Und wir haben sogar damit gerechnet und uns vorbereitet, unsere Rohre isoliert und Heizdrähte besorgt. Aber als dann der Strom ausfiel, sind sogar unsere Abflussrohre eingefroren." 

Die sechsköpfige Familie hat inzwischen Zuflucht in einem Hotel gefunden. Andere hatten nicht so viel Glück: In Dallas erfroren zwei Menschen. Und in Houston starben eine Frau und ihre Tochter an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Sie wollten sich bei laufendem Motor in ihrem Auto in der Garage aufwärmen.

Texas kälter als Alaska

Normalerweise rutschen die Temperaturen in Texas selten unter den Gefrierpunkt. Doch jetzt ist es dort mit stellenweise bis zu -16 Grad Celsius kälter als in Alaska. "Als ob man in einen Tiefkühlraum läuft", sagt ein Passant in Dallas in die Fernseh-Kamera, die Sweatshirt-Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Eine Winterjacke hat er offenbar nicht.  

Schulen, Flughäfen und viele Läden sind geschlossen. Auch die Internet- und Mobilfunk-Versorgung ist eingeschränkt. Und weil in einem Krankenhaus in Houston auch ein Notgenerator versagte, drohten 8000 Covid-Impfdosen zu verderben - die meisten wurden schnell noch verimpft.

Für viele Texaner ist die Ungewissheit am Schlimmsten: "Nicht zu wissen, wann der Strom wieder angeht, dass ist am frustrierendsten", sagt ein Mann aus Wylie, einem Vorort von Dallas, in einem Lokalsender.

Autos fahren auf der Interstate 45 in Texas durch den Schnee. | AP

Schneeverwehungen auf der Interstate 45: Hier brauchten Autofahrer gute Nerven. Bild: AP

"Die nächsten Tage werden richtig hart"

Ein Grund für die massiven Stromausfälle: Viele Oberleitungen sind durch die Eislast eingeknickt oder gerissen. Über die Hälfte der Windräder in Texas stehen still - Windenergie macht dort sonst ein Viertel des Energiemixes aus. Dazu kommt: Gas- und Kohlekraftwerke kommen mit der Nachfrage nicht hinterher, zum Teil gibt es sogar Lieferengpässe beim Gas. Viele Ölraffinerien im Süden der USA mussten den Betrieb einstellen - die Ölpreise schossen entsprechend in die Höhe.

Das Stromnetz von Texas ist autark und nicht an andere Staaten gekoppelt. Lina Hidalgo, die Landrätin von Harris County, zu dem auch Houston gehört, machte am Montagabend wenig Hoffnung auf schnelle Besserung: "Ich werde das nicht schönreden. Die nächsten Tage werden richtig hart", so Hidalgo. "Es könnte sein, dass die Leute erst wieder Strom bekommen, wenn das Wetter besser wird. Und das wird erst in ein paar Tagen der Fall sein."

Nächstes Sturmtief angekündigt

Denn auch wenn der aktuelle Wintersturm langsam Richtung Nordosten weiterzieht - das nächste Sturmtief aus dem Westen mit viel Eis und Schnee ist schon auf dem Weg nach Texas. Und als ob diese Wetterkapriolen nicht schon reichen: In North Carolina tobte in der Nacht ein Tornado und verwüstete dutzende Häuser. Drei Menschen starben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Februar 2021 um 17:30 Uhr.