WHO-Chef Tedros | REUTERS

Kampf gegen Pandemien WHO-Frühwarnzentrum bald in Berlin

Stand: 05.05.2021 19:31 Uhr

In Berlin entsteht ein Pandemiefrühwarnzentrum der Weltgesundheitsorganisation. Es soll die Kooperation unter Ländern weltweit stärken und mit einer Datenbündelung helfen, Hinweise auf mögliche Ausbrüche zu erkennen.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Schnelle und zuverlässige Informationen seien wesentlich, wenn es um Gesundheit gehe - doch die aktuelle Covid-19-Pandemie habe Lücken offenbart - so der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dies soll sich nun ändern - und zwar durch ein Pandemiefrühwarnzentrum. Die Pläne dafür stellte die WHO heute in einer Pressekonferenz vor. Es soll schon in diesem Herbst in Berlin an den Start gehen.

Dietrich Karl Mäurer ARD-Studio Zürich

In dem sogenannten Hub sollen mithilfe von künstlicher Intelligenz Daten aus aller Welt zusammengeführt und analysiert werden. Gesundheitskrisen sollen so besser vorhergesagt, erkannt und nach Möglichkeit verhindert werden können. WHO-Chef Tedros sagte: "Viren verbreiten sich schnell, aber Daten können noch schneller sein. Mit den richtigen Informationen können Länder und Gemeinschaften bei aufkommenden Gesundheitsrisiken einen Schritt voraus sein und so Leben retten."

Spahn: Pandemie-Risiken begegnen

Das neue WHO-Zentrum in Berlin soll staatliche, wissenschaftliche und auch privatwirtschaftliche Institutionen verschiedener Länder sowie und internationale Netzwerke zusammenbringen. Dabei geht es nicht primär um die aktuelle Covid-19-Krise, sondern um mögliche künftige Pandemien und Epidemien.

Dass diese drohen, davon zeigte sich bei der Vorstellung des Projekts Bundesgesundheitsminister Jens Spahn überzeugt: "Die Welt ist ständig mit pandemischen Risiken konfrontiert. Mutationen bestehender Krankheitserreger, die Ausdehnung von Krankheiten auf bisher nicht betroffene Populationen und das Überspringen von Krankheiten von Tieren auf den Menschen schaffen ein sich schnell veränderndes Risikoumfeld. Bislang ist die Welt darauf nur unzureichend vorbereitet", so Spahn.

30 Millionen Euro Unterstützung aus Deutschland

Das Frühwarnsystem in Berlin soll das ändern. Deutschland will das Zentrum mit jährlich 30 Millionen Euro unterstützen. Offen blieb zunächst, wieviel Geld von der Weltgesundheitsorganisation oder anderen WHO-Mitgliedern in das Projekt fließen werden und wie viele Arbeitsplätze geschaffen werden.

In einer Videobotschaft betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit und der Rolle der Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen Gesundheitsgefahren: "Die Welt hat gelernt, dass wir einer globalen Herausforderung wie der aktuellen Covid-19-Pandemie nur gemeinsam begegnen können und mittlerweile haben auch alle erkannt, dass die WHO dabei die zentrale, globale Gesundheitsinstitution ist."

Eine wesentliche Grundlage des Kampfes gegen Pandemien seien Daten, so die Kanzlerin. Daten, die - wenn man sie bündele und mit den richtigen Analysewerkzeugen verarbeite - Erkenntnisse hervorbrächten, die jeder für sich allein niemals oder zumindest niemals so schnell entdecken könnte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Mai 2021 um 16:05 Uhr.