ganda, Imvepi: Ein Flüchtlingsjunge aus dem Südsudan fängt in einer Empfangsstelle für Flüchtlinge mit einer Flasche Wasser auf. (Archiv 2017) | dpa

Weltwasserbericht UN fordern höheren Stellenwert für Wasser

Stand: 22.03.2021 10:16 Uhr

Für Milliarden Menschen auf der Welt ist sauberes Trinkwasser nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Bei der Vorstellung ihres Berichts anlässlich des Weltwassertages fordern die UN, mehr in die lebenswichtige Ressource zu investieren.

Die lebenswichtige Ressource Wasser bekommt aus Expertensicht in vielen Teilen der Welt nicht genug Aufmerksamkeit. Entsprechend fehlten wichtige Investitionen, heißt es im aktuellen Weltwasserbericht, den die UNESCO im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat. Wasser werde viel zu oft als selbstverständlich angesehen, privatisiert, verschmutzt und verschwendet, heißt es in dem Bericht, der jeweils am Weltwassertag am 22. März veröffentlicht wird. Er steht in diesem Jahr unter dem Leitwort "Wasser bewerten und wertschätzen".

Die Folgen der Verschwendung und Verschmutzung mache laut den Experten die Corona-Pandemie deutlich. Sie treffe weltweit die Menschen am härtesten, die in Siedlungen oder Slums lebten. Menschen, die in diesen dicht besiedelten Gebieten zu Hause seien, seien oftmals mit zu wenigen Gesundheitseinrichtungen, überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln sowie fehlenden kommunalen Dienstleistungen wie Müllentsorgung konfrontiert. Weltweit haben dem Bericht nach mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Mehr als vier Milliarden Menschen (etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung) hätten keinen sicheren Zugang zu Sanitäranlagen, mehr als drei Milliarden fehle es an geeigneten Handhygieneeinrichtungen.

Handhygiene sei aber äußert wichtig, um die Ausbreitung von Pandemien wie Covid-19 zu verhindern. "Die meisten Haushalte sind auf die tägliche Arbeit angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und haben keine Ersparnisse oder finanziellen Puffer (...) um grundlegende Dienstleistungen wie Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene zu bezahlen", heißt es. Kenias Regierung habe zum Beispiel in der Krise alle Wasserdienstleister angewiesen, informelle Siedlungen und gefährdete Gruppen drei Monate lang kostenlos mit Wasser zu versorgen.

Neue Methoden zur Wert-Berechnung notwendig

Die UNESCO verweist auf eine aktuelle Studie der Weltbank, nach der die Einnahmen aus Wassernutzungsgebühren gerade einmal bei einem Drittel der Versorgungsunternehmen weltweit für die Betriebs- und Wartungskosten ausreichen. Die UN fordern deshalb, den Wert des Wassers für konkrete politische Entscheidungen genauer festzulegen. "Man kann die Bedeutung von Wasser eben nicht mit dem Preis der Bereitstellung für Industrie, Landwirtschaft und Haushalte gleichsetzen. Vor allem muss auch berücksichtigt werden, welchen Wert Wasser für Ökosysteme und damit als menschliche Lebensgrundlage hat", erklärte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Bei der Produktion von Nahrungsmitteln werde der Wasserverbrauch etwa kaum in den Preis einkalkuliert.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts sprechen sich dafür aus, den Wert von Wasser mit neuen Methoden zu bemessen. Dafür brauche es ganzheitliche Ansätze der Bewertung, da die reine Beziehung zwischen Preis und Wert des Wassers nicht aussagekräftig sei. "In mancher Hinsicht ist der Wert des Wassers unendlich, da das Leben ohne es nicht existiert und es keinen Ersatz dafür gibt."

Wasserverbrauch wächst - jedes Jahr um ein Prozent

Der weltweite Wasserverbrauch hat sich laut dem Bericht in den vergangenen 100 Jahren versechsfacht. Seit den 1980er Jahren nimmt er jährlich um rund ein Prozent zu. Nach Erkenntnissen der UNESCO nimmt gleichzeitig die Kapazität von Stauseen ab - wegen Bevölkerungswachstum, Ablagerung von Sedimenten und Verschmutzung.

Im weltweiten Mittel verbraucht die Landwirtschaft 69 Prozent der Wasservorräte. "Da die Weltbevölkerung weiter wächst, bräuchte es bei unveränderten Trends 50 Prozent mehr Bewässerung in der Landwirtschaft bis 2050 - allerdings fehlt dafür das Wasser", heißt es. Das bedeute, dass in der Landwirtschaft eine viel effizientere Wassernutzung nötig ist, was gerade auch eine andere Bewertung von Wasser erfordere. Nach Einschätzung der UNESCO hat die Politik die Bedeutung von Wasser durchaus erkannt. So zählten "Wasserkrisen" beim Weltwirtschaftsforum zu den Top-Fünf-Risiken.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. März 2021 um 10:03 Uhr.