Ein Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab (Archivbild)

Bericht der Weltbank 200 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050 möglich

Stand: 13.09.2021 21:15 Uhr

Einem Bericht der Weltbank zufolge wird der Klimawandel zahlreiche Menschen zur Migration innerhalb ihres Landes zwingen. Niedrigere Emissionen und eine nachhaltige Entwicklung könnten die Folgen deutlich abmildern.

Der Klimawandel könnte nach Einschätzung der Weltbank in den kommenden drei Jahrzehnten mehr als 200 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Falls nicht umgehend Maßnahmen zur Reduzierung der weltweiten Emissionen ergriffen würden, könnten wahre Migrations-Hotspots entstehen, hieß es in einem Bericht der Institution.

Der Klimawandel sei ein "zunehmend starker Antreiber" der Migration, heißt es in dem Bericht. Die Experten verweisen unter anderem auf einen drohenden Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, auf Wasserknappheit und einen steigenden Meeresspiegel in Folge der Erderwärmung.

Menschen südlich der Sahara besonders betroffen

Im pessimistischsten Szenario mit hohen Emissionen bei gleichzeitig ungleicher Entwicklung in den Ländern prognostiziert der Bericht, dass in den sechs untersuchten Regionen bis zu 216 Millionen Menschen innerhalb ihrer eigenen Länder umsiedeln müssten. Untersucht wurden dabei Lateinamerika, Nordafrika, Afrika südlich der Sahara, Osteuropa und Zentralasien, Südasien sowie Ostasien und der Pazifik.

Demnach könnten in Afrika südlich der Sahara bis zu 86 Millionen Menschen zu Binnenmigranten werden, weil ihr Zuhause aufgrund des Klimawandels nicht mehr bewohnbar sei. In Ostasien und der Pazifikregion könnte es rund 49 Millionen Menschen betreffen, in Südasien 40 Millionen, in Nordafrika und Lateinamerika 17 bis 19 Millionen. Auch in Osteuropa und Zentralasien könnten die schlechten klimatischen Bedingungen fünf Millionen zur Aufgabe ihres Wohnorts zwingen.

Im klimafreundlichsten Fall mit einem niedrigen Emissionsniveau und einer nachhaltigen Entwicklung könnte die Zahl der Migranten dem Bericht zufolge um bis zu 80 Prozent niedriger ausfallen, was aber immer noch die Umsiedlung von 44 Millionen Menschen zur Folge hätte.

Autoren fordern zum Handeln auf

Der Bericht mache wieder einmal deutlich, welchen Tribut die Menschheit für den Klimawandel zahlen müsse, erklärte Jürgen Vögele, Vizepräsident für nachhaltige Entwicklung. Vor allem die Ärmsten der Welt, die am wenigsten zu den Ursachen beisteuerten, seien getroffen.

Die Autoren betonen zugleich die dringliche Bedeutung des Kampfes gegen den Klimawandel. Mit sofortigen und abgestimmten Schritten zur Minderung von Emissionen und der Unterstützung von Maßnahmen zu einer grünen und nachhaltigen Entwicklung könne die Klimamigration deutlich reduziert werden.

Der Bericht warnt auch davor, dass innerhalb des nächsten Jahrzehnts Migrationsherde entstehen und sich bis 2050 noch verstärken könnten. Eine Vorausplanung sei sowohl in den Gebieten erforderlich, in die die Menschen ziehen würden, als auch in den Gebieten, die sie verließen, erklärte die Weltbank. Denen, die in ihrer Heimat blieben, müsse geholfen werden.