Harvey Weinstein in einem Gerichtssaal in Los Angeles | AP

Anklage in Los Angeles Neuer Prozess gegen Harvey Weinstein

Stand: 22.07.2021 09:20 Uhr

Der frühere Hollywood-Mogul Weinstein kehrt nach L.A. zurück - doch es ist kein glamouröser Auftritt. Denn auch hier ist er wegen sexueller Übergriffe angeklagt. In New York verbüßt er bereits eine langjährige Haftstrafe.

Der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein ist in Los Angeles wegen weiterer sexueller Straftaten angeklagt worden. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft geht es um Vorwürfe von fünf Frauen, darunter Vergewaltigung, in einem Zeitraum von 2004 bis 2013. Insgesamt sind es elf Anklagepunkte. Vor Gericht, wo Weinstein in brauner Häftlings-Kleidung und in einem Rollstuhl erschien, wies er die Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig.

Am Dienstag war der 69-Jährige von einem Gefängnis im US-Bundesstaat New York an die Westküste überstellt worden. In New York hatte eine Jury den früheren Film-Mogul Anfang 2020 wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung für schuldig befunden. Er wurde daraufhin zu 23 Jahren Haft verurteilt.

Bis zu 140 Jahre Haft drohen

Vergeblich hatten seine Anwälte bis zuletzt versucht, die Auslieferung des Promi-Häftlings nach Los Angeles zu stoppen. Doch mit ihrem Argument, er sei zu gebrechlich und gesundheitlich schwer angeschlagen, kam das Team nicht durch. "Jeder, der seine Macht und seinen Einfluss missbraucht, um jemanden auszunutzen, wird zur Rechenschaft gezogen", erklärte George Gascón, Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles County.

Das Verfahren in Kalifornien muss nach den gängigen Richtlinien innerhalb von vier Monaten nach der Auslieferung beginnen. Ein konkreter Termin für den Prozessauftakt wurde zunächst nicht benannt. Im Falle eines Schuldspruchs in allen Punkten drohen 140 Jahre Haft.

Aufsehenerregende Berichte

Weinsteins Verurteilung im vorigen Jahr markierte einen Meilenstein der US-Rechtsgeschichte. In dem Fall, durch den die #MeToo-Bewegung maßgeblich mit ausgelöst wurde, hatte die Jury den Zeugenaussagen mehrerer Frauen entgegen Weinsteins Unschuldsbeteuerungen geglaubt. In dem Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen und die angehende Schauspielerin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Der Richter verurteilte Weinstein im März 2020 zu 23 Jahren Haft. Sein Anwaltsteam bemüht sich weiter um seine Freilassung. Im April legten Weinsteins Verteidiger Berufung gegen das Urteil ein.

Im Oktober 2017 hatten die "New York Times" und der "New Yorker" über die Vorwürfe mehrerer Frauen berichtet. Den später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Artikeln folgte eine Welle neuer Enthüllungen. Dutzende Frauen - darunter bekannte Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman oder Salma Hayek - beschuldigten Weinstein öffentlich, sie angefasst, sich ihnen aufgedrängt, und in einzelnen Fällen auch vergewaltigt zu haben. 

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 22. Juli 2021 um 09:09 Uhr.