Protest gegen Änderungen am Wahlrecht im Parlament von Atlanta (US-Bundesstaat Georgia)

Streit um US-Wahlrecht "Geld geben und Mund halten" war einmal

Stand: 13.04.2021 02:07 Uhr

Der Streit um Wahlrechtsreformen in den USA beschränkt sich nicht mehr nur auf die Parlamente und die Straße. Auch Unternehmen wehren sich gegen Verschärfungen - und gegen Maulkörbe aus der Politik.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Sie will nicht tatenlos zusehen: "Unternehmen im ganzen Land stehen für Diversität und Inklusion, und da können wir jetzt nicht einfach schweigen", sagt die Unternehmerin Lynn Forrester de Rothschild. "Das macht uns unglaubwürdig gegenüber unseren Mitarbeitenden und unseren Kunden", sagt die Gründerin der Organisation "Inklusiver Kapitalismus".

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Mehr als 100 Vorstandsvorsitzende von großen Unternehmen in den USA haben sich am Wochenende zu einer politischen Videokonferenz getroffen. "Was wollen wir tun, wenn etliche Bundesstaaten Gesetze beschließen, die es für Afroamerikaner schwerer machen, wählen zu gehen?" - das war ihre Frage. Und sie stellt fest: "Wenn Unternehmen sich gegen Wahlrechtsbeschränkung stellen, dann handeln sie als Patrioten."

Es begann in Georgia

Begonnen hatte es mit Protesten von großen Unternehmen gegen die Wahlrechtsreform in Georgia. Mehr als 70 afroamerikanische Unternehmenschefs hatten ihre Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, zu handeln.

Einige der großen einflussreichen Kirchen schlossen sich an. Coca-Cola, UPS, Delta Airlines und viele mehr reagierten und protestierten. Eines der wichtigsten Baseballspiele der Saison wurde aus Georgia verlegt.

Die Unternehmen melden sich zu Wort

Aber Georgia ist nicht allein, viele republikanische Staaten gehen den gleichen Weg, allem Anschein nach aus Ärger über die verlorenen Wahlen. Die Diskussion über Gleichberechtigung, die das ganze Land im vergangen Jahr erschüttert hat, lässt Unternehmen nun darauf reagieren.

"Wir haben schon viele Unternehmen gesehen, die große Investitionen in diesen Staaten auf Eis gelegt haben, erst einmal weder Equipment noch Mitarbeiter in diese Staaten bringen", sagt Jeffen Sonnenfeld von der Yale School of Management, Organisator des Wochenendmeetings. "Wir wollen Harmonie in der Gesellschaft", sagt Lynn Forrester de Rothschild. Das sei gut für Unternehmen. Man sei sich auch nicht einig, was man genau tun wolle. Diskutiert worden sei aber, Wahlkampfspenden gezielter einzusetzen, denen nichts mehr zu geben, die für diese Gesetze stimmten.

Dagegen gibt es schon Proteste von republikanischen Politikern, allen voran Senator Mitch McConnell, Minderheitsführer im Senat: "Meine Warnung geht an die Unternehmen in Amerika. Sie sollen sich aus der Politik heraushalten."

 

Auch Republikaner lachen

"Was für ein Heuchler", sagt de Rothschild. Und beim Treffen der Firmenchefs habe das für Heiterkeit gesorgt, heißt es. "Das waren 60, 70 Prozent Republikaner bei dem Treffen", berichtet Sonnenfeld. "Aber die wollen nicht, dass man ihnen sagt: 'Gebt uns euer Geld und haltet den Mund.'"

Für Unternehmen mit großem Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitenden spielt das politische Umfeld zunehmend eine Rolle bei der Standortwahl. Einschränkungen oder eine rassistische Atmosphäre lässt gute Kräfte kündigen.

Selbst große Hollywood Filmproduzenten, die viele Produktionen in Georgia machen, haben gedroht, zu schließen. Sie könnten afroamerikanischen Schauspielern, Produzenten und Teammitgliedern nicht zumuten, in einer Atmosphäre zu arbeiten, in der sie nicht willkommen seien.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. März 2021 um 11:35 Uhr.