In Fairfax (US-Bundesstaat Virginia) sind Plakate für die Gouverneurs-Kandidaten McAuliffe und Youngkin zu sehen | REUTERS

US-Bundesstaat Virginia Viel mehr als eine Gouverneurswahl

Stand: 02.11.2021 13:11 Uhr

Die USA schauen gebannt auf die heutige Gouverneurswahl im Bundesstaat Virginia. Verlieren die Demokraten, wird die Schlappe auf Präsident Biden zurückfallen. Entsprechend hoch ist der Einsatz der Bewerber.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington, zurzeit Richmond

Bis zur letzten Minute haben die beiden Kandidaten Glenn Youngkin und Terry McAuliffe in Virginia Wahlkampf gemacht. Beide wissen nur zu gut, dass bei dieser Gouverneurswahl alles auf dem Spiel steht: Es geht nicht nur darum, ob Virginia künftig demokratisch oder republikanisch regiert wird, sondern die Wahl gilt als Stimmungstest für Präsident Joe Biden und seine Demokraten.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Youngkin, der republikanische Kandidat, gibt sich bei einem Auftritt auf einem Parkplatz in Hanover County zuversichtlich. "Es besteht der Eindruck, dass es einen Wechsel geben wird", ruft er. "Und übrigens herrscht Einvernehmen darüber, dass es einen Wechsel geben muss!"

Der Faktor Trump

Unermüdlich tourte der politische Newcomer mit seinem Wahlkampfbus durch den Südstaat. Dr 54-jährige Familienvater war 25 Jahre lang Chef einer Private-Equity-Firma und machte damit Millionen. Clever wie er ist, hat er sich vom ehemaligen Präsidenten Donald Trump etwas distanziert, um auch moderate Demokraten für sich zu gewinnen.

Mit Erfolg. Youngkin habe zwar ähnliche Ziele wie Trump - Steuersenkungen, freie Schulwahl, keine steuerfinanzierte Abtreibung -, sagt am Rande der Wahlkampfveranstaltung Twama aus Hanover County. Aber von der Persönlichkeit her seien sie "völlig unterschiedliche Männer". Youngkin sei ein ein ruhiger, geistreicher Familienmensch, meint Twama, die weit und breit die einzige Afroamerikanerin auf der Veranstaltung der Republikaner ist. Und, nein, sie glaube nicht, dass Trump bei dieser Wahl eine Rolle spiele.

Glen Youngkin und Ehefrau Suzanne auf einem Wahlkampfauftritt in Chesterfield (US-Bundesstaat Virginia) | AP

Der republikanische Kandidat Youngkin betont seine Eigenständigkeit. Ein Sieg gäbe Ex-Präsident Trump aber weiter Auftrieb. Bild: AP

Terry McAuliffe und Ehefrau Dorothy im Kreis von Unterstützern in Manassas (US-Bundesstaat Virginia) | AFP

Er kennt das Amt schon, aber Terry McAuliffe weiß auch, dass es bei dieser Wahl nicht nur um ihn geht. Bild: AFP

Die demokratische Prominenz trommelt

Ein paar Meilen weiter südlich, auf dem Campus der Universität in Richmond, der Hauptstadt Virginias, bemüht sich der demokratische Kandidat McAuliffe um seine Wähler. Der 64-Jährige war bereits von 2014 bis 2018 Gouverneur des Bundesstaats.

Die Demokraten sind sich der Bedeutung dieser Wahl bewusst und haben in den letzten Wochen jede Menge Parteiprominenz zur Unterstützung mobilisiert. Die First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris, Präsident Biden und an diesem Tag Barack Obama.

Angst um die Demokratie

Schon jetzt hat eine Rekordzahl von 1,1 Millionen Wähler vom frühzeitigen Wählen Gebrauch gemacht, sechsmal so viele wie noch 2017. Auch das ist ein Indikator für die enorme Relevanz dieser Wahl. Mignonne, Uni-Professorin aus Richmond, hat bereits ihre Stimme für McAuliffe abgegeben - aus einem einfachen Grund: "Weil die Alternative furchterregend ist. Wir verlieren buchstäblich unsere Demokratie in diesem Land. Es steht zu viel auf dem Spiel." Für sie sind die wichtigsten Themen soziale Gerechtigkeit und Wahlrecht: "Wir können nur eine Demokratie haben, wenn wir wählen können."

Der Ausgang der Wahl ist ungewiss, aber schon jetzt ist eines klar: Eine Niederlage McAuliffes und der Verlust Virginias wäre eine schwere Schlappe für die Demokraten. Und sie wäre ein böses Omen für die Midterms im kommenden Jahr - und vielleicht sogar darüber hinaus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2021 um 13:19 Uhr.