Glenn Youngkin steht hinter einem Rednerpult. | EPA

US-Bundesstaat Virginia Republikaner gewinnt Gouverneurswahl

Stand: 03.11.2021 08:11 Uhr

Der Republikaner Youngkin wird neuer Gouverneur von Virginia - der US-Bundesstaat ist damit nicht länger in demokratischer Hand. Für Präsident Biden ist das Ergebnis ein Debakel: Die Wahl gilt auch als Votum über seine Politik.

Bei der Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia hat Prognosen zufolge der republikanische Kandidat Glenn Youngkin gewonnen. Er schlug den Demokraten Terry McAuliffe knapp mit 2,7 Prozentpunkten Vorsprung, wie in der Nacht aus übereinstimmenden Vorhersagen verschiedener Sender hervorging.

"Wir haben das Ding gewonnen", sagte Youngkin bei einer Rede vor seinen Anhängern. Er bezeichnete seinen Sieg als einen "entscheidenden Moment" für Virginia. Der Bundesstaat werde unter seiner Führung einen neuen Kurs einschlagen. "Und wir werden diesen Wandel am ersten Tag beginnen." In den vergangenen acht Jahren hatten die Demokraten den Gouverneur in Virginia gestellt.

Knapper Wahlausgang

Der 54 Jahre alte Youngkin wurde im Wahlkampf von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt - auch wenn er sich öffentlich eher von ihm distanzierte und sich auf gemäßigte Wählerinnen und Wähler konzentrierte. Der Republikaner ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er präsentierte sich als vorbildlicher Vorstadtvater und setzte auf Kritik an der Maskenpflicht und dem Unterricht zum Thema Rassismus an Schulen - zwei Themen, mit denen sich die konservative Basis mobilisieren lässt.

Bereits vor der Wahl hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet: Im Sommer lag der Demokrat McAuliffe noch vorn, in den vergangenen Wochen schmolz sein Vorsprung in Umfragen aber immer mehr zusammen. Der 64-Jährige war von 2014 bis 2018 Gouverneur.

Demokraten führten Anti-Trump-Wahlkampf

Vor den Wahlen hatten die Demokraten vor allem befürchtet, dass viele ihrer Anhänger nicht zur Abstimmung gingen, weil Trump als Schreckensgespenst nicht mehr im Amt ist. US-Präsident Joe Biden versuchte dementsprechend im Wahlkampf, die Unterstützung Youngkins durch Trump gegen den republikanischen Kandidaten zu verwenden. "Terry tritt gegen einen Gefolgsmann von Donald Trump an", sagte Biden etwa bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arlington. Auch McAuliffe versuchte, seinen politischen Gegner in die Nähe Trumps zu rücken und nannte ihn etwa "Trump in Khakihosen".

Noch kurz vor Schließung der Wahllokale hatte sich Biden siegessicher gegeben. "Wir werden gewinnen. Ich denke, wir werden in Virginia gewinnen", sagte er beim Klimagipfel in Glasgow.

Stimmungstest vor den Kongresswahlen

Die Gouverneurswahl gilt ein Jahr vor den Kongresswahlen als wichtiger Stimmungstest - das ganze Land schaut auf den Bundesstaat an der Ostküste. Für die Republikaner ging es darum, bei gemäßigten Wechselwählern in ländlichen Gebieten zu punkten. Außerdem galt es, ein Zeichen zu setzen gegen Präsident Biden und seine Demokraten - das ist gelungen.

Für die Demokraten lief es nicht nur in Virginia schlecht: Auch bei der gleichzeitig stattfindenden Gouverneurswahl im US-Bundesstaat New Jersey zeichnet sich eine knappe Niederlage für sie ab - ein endgültiges Ergebnis stand allerdings noch nicht fest. Nur in New York setzte sich der Demokrat Eric Adams bei der Bürgermeisterwahl durch.

Bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr steht die hauchdünne Mehrheit der Demokraten auf dem Spiel. Trumps Republikaner wollen dann wieder die Kontrolle im Senat und im Repräsentantenhaus erobern. Die Abstimmung in Virginia gilt Beobachtern nach als Zeugnis für Bidens Politik, der seit knapp einem Jahr im Weißen Haus regiert. Bei der Präsidentschaftswahl 2020 konnte Biden in Virginia und New Jersey noch mühelos gewinnen. Derzeit sind seine Zustimmungswerte schlecht wie nie seit seinem Amtsantritt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. November 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 03.11.2021 • 14:45 Uhr

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