Vögel sitzen auf einer Stromleitung.  | picture alliance / dpa

"Birds aren't real" Vögel gegen Verschwörungsmythen

Stand: 19.03.2022 15:55 Uhr

Vögel gebe es nicht mehr, weil die US-Regierung sie durch Drohnen ersetzt habe, um die Bürger zu überwachen. Ausgedacht hat sich diese Geschichte ein junger Amerikaner. Er setzt sie als Waffe gegen Verschwörungsmythen ein.

Von Florian Mayer, ARD-Studio Washington, zzt. Austin

Jeder hat sicher schon einmal Vögel auf einer Stromleitung sitzen sehen und sich gefragt, warum tun die das eigentlich? Die Antwort ist simpel und lautet nicht: Weil sie es können. Sondern weil sie es müssen. Wie sonst sollten diese von der US-amerikanischen Regierung eingesetzten Überwachungsdrohnen ihre Akkus unauffällig in der Öffentlichkeit aufladen können?

Was nach einer vollkommen verrückten Theorie klingt, soll genau das sein. Der US-Amerikaner Peter McIndoe löste sie 2017 mehr oder weniger unabsichtlich aus als er Teilnehmer eine Pro-Trump-Demo in Memphis beobachtete, die gegen einen Marsch für Frauenrechte demonstrierten.

Medien sprangen auf die Geschichte an

McIndoe fand diese Situation so absurd, dass er irgendetwas tun wollte, erzählt er während eines Talks auf der Zukunftsmesse South by Southwest in Austin, Texas. Also schnappte er sich ein Schild und schrieb auf die Rückseite die ersten drei Worte, die ihm einfielen: Birds aren’t real. Übersetzt: Vögel sind nicht echt.

McIndoe stellte sich zu den Pro-Trump-Demonstraten und schrie "Vögel sind nicht echt". Ein Teilnehmer wurde aufmerksam und filmte McIndoe. Er fragte ihn, was er meinte. McIndoe entgegnete: Jeder einzelne Vogel am Himmel ist eine Drohne und er selbst sei Teil einer Gegenbewegung, die seit 50 Jahren existiere.

Das Video ging in den sozialen Netzwerken viral. Schnell wurden Lokalnachrichtensender aufmerksam und berichteten ernsthaft über die Verschwörungstheorie, dass alle Vögel in den USA Überwachungsdrohnen und alle echten Vögel zwischen 1959 und 2001 beseitigt worden seien.

Verschwörungsmythen waren Alltag

McIndoe war fasziniert davon, wie sich seine Schnapsidee verbreitete und immer größere Kreise zog. Er entschied darauf einzugehen, die Verschwörungserzählung am Laufen zu halten, ihr Gesicht und ihre Stimme zu werden. Im Internet und in Interviews erzählte er immer absurdere Geschichten.

Am Anfang sei es ihm nur darum gegangen, herauszufinden, wie Leute auf diese Verschwörungstheorie reagieren. Aber über die Jahre wurde mehr daraus. McIndoe sagt von sich selbst, er sei in einer sehr konservativen Familie groß geworden in der Verschwörungsmythen Alltag waren. Eine Welt, in der er sich nie zuhause gefühlt und immer mit Humor reagiert habe.

"Witzfiguren entlarven"

Statt von dieser ihm fremden und absurd erscheinenden Welt deprimiert zu sein, entschied er sich dazu, sie zur Lachnummer zu machen. Hunderttausende Jugendliche haben es McIndoe mittlerweile gleich getan. Sie folgen seiner Bewegung, die er grundsätzlich als echt bezeichnet, auf TikTok und Instagram.

Sie biete einen Weg, mit einer Welt klarzukommen, die dank des Internets zwar voller Informationen sei, sagt McIndoe, Fake News und Verschwörungstheoretiker aber hinter jeder Ecke lauerten. Mit "Birds aren’t real" könne man die als Witzfiguren entlarven, sagt der 23-Jährige.

Anti-Abtreibungsdemo löste sich auf

Über die gesamte USA verstreut finden sich Anhänger von McIndoes Idee. Sie alle wissen, dass die eigentliche Verschwörungstheorie nur ein Scherz ist, sagt McIndoe. Damit könnten sie aber aktiv gegen echte Verschwörungstheorien vorgehen.

Die Bewegung ist dabei durchaus erfolgreich, wie die "New York Times" Anfang des Jahres berichtete. "Birds aren’t real"-Demonstranten mischten sich unter eine Anti-Abtreibungsdemo vor der Universität von Cincinnati. Die Vogel-Verschwörer brüllten so absurde Behauptungen, dass sich die Anti-Abtreigungsdemo lieber auflöste, als mit "Birds aren't real" in Verbindung gebracht zu werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 22. März 2022 um 14:05 Uhr.