Der Vizedirektor des Marine-Geheimdienstes, Scott Bray, zeigt ein Video bei einer Anhörung zu nicht identifizierten Flugobjekten vor einem US-Kongressausschuss | EPA

Anhörung im Kongress US-Militär will Ufos enträtseln

Stand: 17.05.2022 20:21 Uhr

400 Ufo-Sichtungen allein seit 2004 - lange machte das US-Militär ein Geheimnis aus unbekannten Flugobjekten. Aus Sicherheitsgründen sollen die Phänomene nun aufgeklärt werden. Im US-Kongress gab es jetzt sogar eine Anhörung dazu.

Zahlreiche Beobachtungen von unidentifizierten Flugobjekten aus den vergangenen Jahren geben dem US-Militär weiterhin Rätsel auf. Das ging aus der ersten Anhörung im US-Repräsentantenhaus seit mehr als 50 Jahren zu "nicht identifizierten Luftphänomenen" (UAP) hervor - so bezeichnet das US-Militär Ufos.

Der Vizedirektor des Marine-Geheimdienstes (ONI), Scott Bray, sagte, die UAP-Task-Force in seiner Behörde habe aber keine Hinweise darauf, dass unter den unerklärlichen Himmelsobjekten solche außerirdischen Ursprungs seien.

"Offen für alle Hypothesen"

Der Vorsitzende des Unterausschusses für Spionageabwehr im Repräsentantenhaus, Andre Carson, sagte: "UAP sind unerklärlich, das ist wahr. Aber sie sind real. Sie müssen untersucht werden." Der Abgeordnete Peter Welch merkte an: "Keiner weiß, ob es außerirdisches Leben gibt. Es ist ein großes Universum. Und es wäre ziemlich anmaßend, eine eindeutige Schlussfolgerung zu ziehen."

Der hochrangige Pentagon-Mitarbeiter Ronald Moultrie, der sich bei der Anhörung als Science-Fiction-Fan outete, sagte: "Wir sind offen für alle Hypothesen und Schlussfolgerungen, auf die wir stoßen könnten." Bray erklärte dazu: "Seit den frühen 2000er-Jahren haben wir eine zunehmende Anzahl von nicht genehmigten und/oder nicht identifizierten Flugzeugen oder Objekte beobachtet." Berichte über Sichtungen dauerten an.

Thema soll entstigmatisiert werden

Die Zunahme der Meldungen sei auch auf Faktoren wie verbesserte Sensoren oder neuere Flugsysteme wie Drohnen zurückzuführen. Sie sei aber auch eine Folge der Bemühungen des Militärs, die früher mit einem Stigma belegten Meldungen über Sichtungen von unbekannten Flugobjekten einzufordern. "Die Botschaft ist nun deutlich: Wenn Sie etwas sehen, müssen Sie es melden."

Im Juni 2021 hatten die US-Geheimdienste einen Bericht zu UAP vorgelegt. Daraus ging hervor, dass es keine Erklärungen für rund 140 Himmelserscheinungen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten gab. Bray sagte, seit der Veröffentlichung des Berichts habe die Zahl der gemeldeten Beobachtungen auf rund 400 zugenommen.

"Keine Erklärung, was das ist"

Bray zeigte bei der Anhörung zwei Videos. Auf einem davon war nach seinen Worten ein "kugelförmiges Objekt" zu sehen, das am Cockpit eines Kampfjets vorbeifliegt. "Ich habe keine Erklärung dafür, was dieses spezifische Objekt ist." 

Ein zweites Video zeigte ein dreieckiges schwebendes Objekt, das durch ein Nachtsichtgerät beobachtet wurde. Einige Jahre später seien von der Marine ähnliche Beobachtungen gemacht worden. Bray beschrieb die Objekte als "unbemannte Luftfahrtsysteme".

Ufo-Meldungen früher oft diskreditiert

Zusammenstöße von US-Kampfjets mit den unbekannten Objekten habe es bislang nicht gegeben. "Wir hatten aber mindestens elf Beinahe-Zusammenstöße", so Bray. Kommunikation mit den Objekten habe es nicht gegeben. US-Streitkräfte hätten in keinem Fall das Feuer auf ein UAP eröffnet. China, Russland, ein Privatunternehmen oder auch ein geheimes Projekt der US-Regierung könnten hinter den fliegenden Objekten stecken.

Der Bericht und die Anhörung markieren einen Wendepunkt für die Regierung in Washington. Diese hat jahrzehntelang Beobachtungen von Ufos, die bis in die 1940er-Jahre zurückreichen, abgewehrt und diskreditiert. Seit die US-Luftwaffe 1969 ein ergebnisloses Ufo-Programm mit dem Codenamen "Project Blue Book" einstellte, hatte es keine öffentliche Kongressanhörung zu diesem Thema gegeben.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. Mai 2022 um 07:56 Uhr.