Elon Musks Twitter-Profil. | picture alliance / NurPhoto

Chaos beim Onlinedienst Was ist bei Twitter los?

Stand: 07.11.2022 09:09 Uhr

Twitter kommt nicht zur Ruhe. Erst entließ Elon Musk die Hälfte der Belegschaft, was sogar die UN kritisierten. Jetzt stockt die Einführung einer kostenpflichtigen Verifikation - und die ersten Gefeuerten kehren zurück.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Die Twitter-Übernahme begann mit einem Paukenschlag: etwa jede zweite Stelle wurde gestrichen, viele Beschäftigte erfuhren davon per E-Mail. Zuvor hatte Elon Musk die Chefetage und den Verwaltungsrat entlassen.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Unter anderem soll dabei auch das sogenannte META-Team bei Twitter aufgelöst worden sein. Das Team wurde letztes Jahr gegründet, um die Algorithmen von Twitter beispielsweise auf Rassismus hin zu untersuchen.

Die Kündigungen riefen nun auch Volker Türk, Hochkommissar für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen (UN) auf den Plan. In einem Offenen Brief rief er Elon Musk dazu auf, die Menschenrechte bei Twitter zu achten: 

Twitter ist Teil einer globalen Revolution, die unsere Kommunikation verändert hat. Aber ich schreibe mit Besorgnis über unseren digitalen öffentlichen Platz und die Rolle von Twitter darin. Wie alle Unternehmen muss Twitter die mit seiner Plattform verbundenen Schäden verstehen und Maßnahmen ergreifen, um sie anzugehen. Die Achtung unserer gemeinsamen Menschenrechte sollte die Leitplanken für die Nutzung und Weiterentwicklung der Plattform setzen. Kurz gesagt, fordere ich Sie dringend auf, dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte im Mittelpunkt der Verwaltung von Twitter unter Ihrer Führung stehen.

Twitter hat auch Auswirkungen im realen Leben

Dass selbst die Vereinten Nationen etwas zur Twitter-Übernahme zu sagen haben, dürfte an der Relevanz von Twitter liegen und daran, dass nicht alles, was im virtuellen Raum geschrieben wird, dort bleibt, sondern Auswirkungen im realen Leben hat.

Während der Proteste des Arabischen Frühlings fungierte unter anderem Twitter wie ein Megafon, Demonstrierende fanden sich so zusammen. Unter dem Hashtag #blacklivesmatter organisierten sich Menschen zu Protesten gegen Rassismus. Gleichzeitig gibt es auf dem Netzwerk Hass und Hetze - nach den US-Wahlen 2020 wurden dort auch falsche Wahlinformationen und Verschwörungserzählungen geteilt - dies hat wahrscheinlich auch den Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar befeuert. 

Moderation der Inhalte soll sich nicht ändern

Die Sorge von Experten: Wie soll die Plattform überwacht werden, wenn eine große Anzahl von Mitarbeitern gehen musste? Wirtschaftsjournalist Kai Ryssdal sagte im Tech-Podcast “Pivot”, er glaube, dass die Übernahme von Musk den Zusammenhalt in den USA zerstören könnte, ähnlich wie die Präsidentschaft von Donald Trump das Land weiter gespalten habe.

Musk betonte bei einer Investorenkonferenz, dass sich die Moderation der Inhalte nicht geändert habe, Hass und Hetze seien nicht in Ordnung. Bald solle ein Gremium entscheiden, ob Nutzer wegen Inhalten gesperrt oder gelöscht werden dürfen. Wann genau das Gremium startet, ist noch nicht bekannt. Um Falschinformationen und Bots entgegenzutreten, solle die Verifikation der User an die zahlungspflichtige Version der Plattform, Twitter Blue, geknüpft werden. Für acht Dollar im Monat. Dazu Elon Musk:

Es geht darum, dass sich Verbrechen nicht lohnen soll. Denn im Moment kostet das Erstellen eines Bots auf Twitter weniger als einen Cent. Die Kosten für Verbrechen sind also so niedrig, und das ist einer der Gründe, warum sich Verbrechen und hasserfülltes Verhalten auszahlen. Aber es ist zu teuer, jetzt 100.000 gefälschte Konten zu haben.
Elon Musk  | REUTERS/Dado Ruvic/Illustration/File Photo

Twitter-Besitzer Elon Musk will, dass die Verifikation eines Nutzerkontos kostenpflichtig wird. Bild: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration/File Photo

Kostenpflichtige Häkchen kommen später

Allerdings haben nicht alle Bots und Fake-Accounts einen blauen Haken. Ob also eine kostenpflichtige Verifikation helfen kann, unerwünschte Spam-Accounts oder Fake News zu reduzieren, ist fraglich.

Eigentlich sollten die kostenpflichtigen Häkchen bereits starten. Zunächst nur in den USA. Doch offenbar rudert man bei Twitter zurück: Wie die "New York Times" berichtet, will der Kurznachrichtendienst damit nun bis nach den US-Zwischenwahlen am 8. November warten. 

Fehler bei Kündigungen

Was die Kündigungen angeht: inzwischen meldete der Wirtschaftsdienst Bloomberg, offenbar seien bei den Kündigungen Fehler passiert. Einige Dutzend gekündigte Twitter-Mitarbeiter seien demnach angeschrieben und gebeten worden, ins Unternehmen zurückzukehren.

Andere seien gefeuert worden, bevor das Management erkannt habe, dass ihre Arbeit und Erfahrung in Zukunft noch notwendig sein wird.  

Über dieses Thema berichteten am 07. November 2022 BR24 um 06:39 Uhr und MDR Aktuell um 06:53 Uhr.