Luftaufnahme der US-Stadt Mayfield, die von Tornados zerstört wurde | AP

Vermisste nach Tornados Die Hoffnung schwindet

Stand: 12.12.2021 17:15 Uhr

Nach der Serie von Tornados in den USA sinken die Chancen, noch Überlebende zu finden. Dennoch kämpfen sich Einsatzkräfte ohne Pause durch die Trümmer. Besonders schwer traf es Kentucky.

 Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Die ganze Nacht hindurch waren die Rettungskräfte in der Krisenregion im Einsatz, haben bei Minustemperaturen dafür gesorgt, dass obdachlos Gewordene ein provisorisches Dach über den Kopf bekamen, ausreichend zu essen und zu trinken. Weitere Tote wurden jedoch nicht geborgen.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

"Es gibt keine Türen mehr"

Man habe auch keine neuen Erkenntnisse über das Ausmaß der Verwüstungen gewonnen, berichtete am Morgen Ortszeit der Oberste Katastrophenschutz-Beauftragte von Kentucky, Michael Dossett. Es gebe nichts Neues; es sei eine traurige und ernste Rettungsmission, die jetzt bei Tageslicht fortgesetzt werde. "Wir verlegen jetzt gerade weitere Ressourcen, weiteres Personal und weitere Rettungskräfte in die am härtesten betroffenen Gegenden", so der Katastrophenschützer.

Der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, beschrieb auf CNN, mit welchen Schwierigkeiten die Rettungskräfte zu kämpfen haben. "Man stellt das sich so vor, dass die Katastrophenhelfer von Tür zu Tür ziehen, um nach den Leuten zu sehen", sagt Beshear, "aber es gibt keine Türen mehr." Es gehe jetzt darum zu schauen, ob es unter den Trümmern noch Überlebende gibt. Allein in Dawson Springs, woher die Familie des Gouverneurs stammt - ein Örtchen mit 2700 Einwohnern -, sei die Liste der Verschollenen acht engbedruckte Seiten lang.

30 Tornados hinterlassen Trümmerwüsten

Zum Symbol der Tornado-Katastrophe ist die Kerzenfabrik in Mayfield geworden, die komplett eingestürzt ist und aus der bislang nur 40 der insgesamt 110 Beschäftigten, die im Dienst waren, als die Wirbelstürme kamen, gerettet werden konnten. Beshear hat hier wenig Hoffnung für jene, die man bislang nicht habe bergen können. "Es wäre ein Wunder, wenn wir da noch jemanden lebend herausholen könnten", so der Gouverneur. Und dennoch geht die Suche heute weiter. Präsident Joe Biden hat alle erdenkliche Hilfe von Seiten der Bundesbehörden zugesagt. Heute werden der Chef der Katastrophenschutz-Behörde FEMA und Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas in Kentucky erwartet. Biden selbst wird voraussichtlich Anfang der Woche in die Region reisen.

In den sechs Bundesstaaten, durch die eine Serie von 30 Tornados eine Schneise der Verwüstung geschlagen hatte, bleibt es für die Katastrophenhelfer schwierig, sich auch nur einen Überblick zu verschaffen. CNN spricht von 80 Toten allein in Kentucky, das am härtesten getroffen wurde, aber auch in Mississippi, Missouri, Arkansas, Illinois und Tennessee sind Todesopfer zu beklagen. Die "New York Times" geht von mindestens 70 Menschen aus, die der Naturkatastrophe zum Opfer fielen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Dezember 2021 um 18:00 Uhr.