Trump-Anhänger mit Südstaaten-Flagge im Kapitol | REUTERS

Nach Angriff auf US-Kapitol Senat kritisiert vielfaches Behördenversagen

Stand: 08.06.2021 20:38 Uhr

Das Entsetzen war groß, als im Januar Trump-Anhänger das US-Kapitol erstürmten. Ein Bericht des Senats kritisiert nun, dass Behörden im Vorfeld von dem Komplott wussten, aber nichts unternahmen. Auch das Pentagon kommt schlecht weg.

Eine Untersuchung des US-Senats zu dem Sturm aufs Kapitol im Januar kritisiert Fehler des Militärs, der Polizei und anderer Behörden. Auf den Angriff wurde langsam reagiert, die Polizeiführung erteilte keine Anweisungen, Behörden warnten nicht im Vorfeld und die Kapitolpolizei war nicht ausreichend trainiert, als sie von Anhängern des damaligen Präsidenten Donald Trump überwältigt wurde.

Telefonate liefen ins Leere

Der Bericht beschreibt, dass ein Eingreifen der Nationalgarde am 6. Januar stundenlang verzögert wurde, während Beamte in mehreren Behörden bürokratische Schritte unternahmen, um die Truppe loszuschicken. In mehrstündigen Telefonaten habe der damalige Chef der Kapitolspolizei, Steven Sund, verzweifelt beim Verteidigungsministerium um Hilfe gebettelt.

Das Pentagon war laut dem Bericht stundenlang mit "Missionsplanung" befasst und ersuchte Genehmigungen auf mehreren Ebenen, während die Eindringlinge die Kapitolpolizisten überwältigten.

Kenntnisse über Komplott

Im Vorfeld sagten mehrere Behörden die Attacke nicht voraus, obwohl sie offen im Internet geplant wurde. Der nachrichtendienstlichen Abteilung der Polizei seien Mitteilungen von Trump-Anhängern in sozialen Netzwerken bekannt gewesen.

Beamten hätten davon gewusst, dass es einen Komplott gab, ins Kapitol einzudringen. Online seien Karten des Tunnelsystem des Kapitolkomplexes verbreitet worden. Dennoch hätten die Ermittler ihre Führungskräfte nicht korrekt über alles informiert, was sie gefunden hätten.

Die Senatoren kritisierten die Bundespolizei FBI und das Heimatschutzministerium auch dafür, dass sie Online-Drohungen heruntergespielt hätten und keine formalen Mitteilungen verschickt hätten, die der Polizei bei den Planungen geholfen hätten.

Keine Kontrolle über das Funksystem

Das Kommandosystem der Kapitolpolizei sei "während des Angriffs zusammengebrochen", heißt es in dem Bericht des Senats. Manche Beamte hätten keine Anweisungen bekommen. Manche leitenden Beamte hätten gekämpft, statt Anweisungen zu erteilen.

Die Führung der Kapitolpolizei habe nie die Kontrolle über das Funksystem übernommen, um den Beamten im Einsatz Anweisungen zu erteilen. Die Senatoren äußerten sich aber auch anerkennend über die Tapferkeit der Polizisten. Die Einsatzkräfte konnten verhindern, dass die Angreifer in die Kongress-Kammer eindringen konnten.

"Sicherheitslage verbessern"

Die Kapitolpolizei gestand in Reaktion auf den Bericht ein, dass Verbesserungen erforderlich seien, und erklärte, dass an manchen von diesen bereits gearbeitet werde. Die Untersuchung der Ereignisse vom 6. Januar und im Vorfeld wird von beiden Parteien im Senat getragen.

Den Gründen des Angriffs geht sie nicht nach, darunter der Rolle Trumps, der seine Anhänger aufgerufen hatte, "wie die Hölle zu kämpfen", um an diesem Tag seine Wahlniederlage zu revidieren. Der Bericht sei aber wichtig, da er es ermögliche, die Sicherheitslage am Parlamentsgebäude umgehend zu verbessern, sagte der Senator Gary Peters.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juni 2021 um 20:00 Uhr.