Ärzte operieren an einem Schweineherz, das einen menschlichen Patienten eingesetzt wird. | dpa

Transplantation in den USA Patient mit Schweineherz weiter wohlauf

Stand: 06.02.2022 12:58 Uhr

Es ist eine der größten medizinischen Errungenschaften auf dem Feld der Transplantation seit Jahren: In den USA wurde einem Menschen ein Schweineherz eingepflanzt. Auch einen Monat später geht es ihm noch gut.

Einen Monat nach der Transplantation geht es einem Mann in den USA mit eingesetztem Schweineherzen den Umständen entsprechend gut. Der 57 Jahre alte David Bennett sei wohlauf, teilte eine Sprecherin der Universität Maryland auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Am 7. Januar war Bennett als erstem Menschen überhaupt das Herz eines Schweins transplantiert worden.

"Die lange Überlebenszeit von einem Monat ist ein Riesenerfolg für die Xenotransplantation, vor allem, wenn man bedenkt, dass die erste Herztransplantation von Mensch zu Mensch in Deutschland nicht einmal 24 Stunden anhielt", erklärte Joachim Denner, Transplantationsexperte von der Freien Universität Berlin. Die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen nennt man Xenotransplantation.

Bennett muss in der Klinik rund um die Uhr beobachtet werden. Die größte Gefahr für sein Leben ist, dass doch eine Abstoßung des Körpers stattfindet, sagte Denner. "Das Immunsystem braucht ja eine gewisse Zeit, ehe es eine Immunantwort aufbaut. Im Moment werden erst die Antikörper und Immunzellen gebildet, die in der Lage wären, das Organ abzustoßen."

Schweine als Spendertiere besonders geeignet

Wenn der Eingriff so funktioniert, könnte es ein unbegrenztes Angebot an Organen geben - für Patienten, die auf eine Transplantation angewiesen sind, hatte Muhammad Mohiuddin, der wissenschaftliche Direktor des Programms in einem schriftlichen Statement der Universität nach der Operation mitgeteilt. In den USA warten mehr als 100.000 Menschen auf eine Organspende.

Damit ihre Organe für den Menschen verwendet werden können, muss das Erbgut der Spendertiere verändert werden. Schon seit den 1980er-Jahren wird die Xenotransplantation erforscht. Schweine sind dabei als Spender besonders geeignet, weil ihr Stoffwechsel dem von Menschen ähnelt.

Bisher wurden schon Herzklappen von Schweinen bei erkrankten Patienten eingesetzt. Auch die Haut von Schweinen hilft bei der Behandlung von Brandopfern vorübergehend.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2022 um 16:36 Uhr.