Proteste gegen Polizeigewalt in Elizabeth City nach der Tötung von Andrew Brown | AFP

Schwarzer in den USA getötet Tödlicher Schuss in den Hinterkopf

Stand: 28.04.2021 08:46 Uhr

Erneut ist ein Afroamerikaner von der US-Polizei getötet worden - laut einem Autopsiebericht durch einen Schuss in den Hinterkopf. Die Familie fordert nun die Veröffentlichung der Körperkamera-Aufzeichnungen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Dass Elizabeth City seit Tagen eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hat, um zu verhindern, dass die allabendlichen Proteste in Gewalt umschlagen - dafür haben die Demonstranten in der Kleinstadt im Nordwesten North Carolinas wenig Verständnis. Ebenso wenig wie für die Informationspolitik der Polizei: Seit Tagen fordern sie Aufklärung darüber, wie genau der Afroamerikaner Andrew Brown jr. vergangene Woche ums Leben gekommen ist.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Nach bisherigem Ermittlungsstand ist dem unbewaffneten Familienvater im Rahmen einer Drogenfahndung vier Mal von hinten in den rechten Arm geschossen worden - und anschließend in den Hinterkopf. Das legt eine unabhängige Autopsie nahe, die Browns Familie in Auftrag gegeben hatte.

Veröffentlichung der Körperkamera-Bilder gefordert

Eindeutig habe Brown fliehen wollen, so sein Bruder Khalil, als sie Brown in den Hinterkopf schossen. Der Polizeibeamte, der die Schüsse abgefeuert hatte, wurde vom Dienst suspendiert. Das FBI ermittelt. Und der Anwalt der Familie Brown, Wayne Kendall, verlangt, dass die Aufzeichnungen der Körperkameras der beteiligten Polizeibeamten veröffentlicht werden.

"Die müssen uns doch nur die Bilder aus der Körperkamera zeigen", so der Anwalt, "dann müssten wir nicht weiter spekulieren." Immerhin gibt es Aufnahmen aus Überwachungskameras: Die zeigen, wenngleich auf schwer erkennbaren Filmclips, wie sieben Deputy-Sheriffs mit Einsatzfahrzeugen vor Browns Haus vorfahren.

Brown selbst saß in dem Moment schon am Steuer seines Autos. Er habe beide Hände am Lenkrad gehabt, so der Anwalt Kendall. Die unabhängige Autopsie habe dann ergeben, dass er einem tödlichen Schuss in den Hinterkopf erlegen ist. Für den Anwalt steht jetzt schon fest: "Das ist eine außergerichtliche Hinrichtung gewesen!"

Richter soll über Veröffentlichung entscheiden

Klarheit könnten tatsächlich die Köperkamera-Aufnahmen bringen. Auch wenn der ermittelnde Sheriff Tommy Wooten Zweifel äußert: "Bilder aus Körperkameras könnten verwackelt und schwer zu erkennen sein", gibt er zu bedenken.

Heute wird ein Richter darüber entscheiden, ob das Bildmaterial veröffentlicht wird. Bislang ist lediglich bekannt, dass die beteiligten Deputy-Sheriffs an dem Abend, an dem die tödlichen Schüsse fielen, einen Haftbefehl wegen Drogendelikten hatten. Wie die Situation dann jedoch eskalieren konnte, das ist bislang ungeklärt geblieben.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2021 um 20:00 Uhr.