Joe Biden | REUTERS

US-Republikaner Bidens Gegner nutzen Afghanistan-Chaos aus

Stand: 04.09.2021 03:39 Uhr

In den USA schlachten die politischen Gegner von Präsident Biden den chaotischen Afghanistan-Abzug aus. Dass sie sich dabei selbst widersprechen und der Abzug an sich von den meisten Amerikanern unterstützt wird, schert sie kaum.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Donald Trump hätte alles besser gemacht. Das ist zumindest die Botschaft, die Donald Trump verbreitet. Vor ein paar Tagen wandte sich der frühere Präsident per Video an die Angehörigen der 13 in Kabul getöteten Soldatinnen und Soldaten. Diese Tragödie hätte nie passieren dürfen und sie wäre nicht passiert, wenn er Präsident gewesen wäre, so Trump.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Er habe die Taliban unter Kontrolle gehabt, behauptete er diese Woche zudem im Sender Fox News. Sie hätten sich ohne seine Zustimmung nicht bewegt - aber dann kam Joe Biden: "Sie haben Schwäche gesehen", so Trump, "er hat nichts gemacht, sie haben die Macht übernommen, und wir sind rausgerannt". Das Bild Amerikas, "unseres großartigen Landes", sei zerstört worden.

Republikaner widersprechen sich selbst

Was Trump anders gemacht hätte, weiß niemand. Er und die meisten Republikaner haben sich allerdings in den vergangenen Wochen sichtbar verbogen. Erst konnte es ihnen nicht schnell genug gehen, Trump hatte seinen kompletten Truppenabzug bis zum 1. Mai angekündigt. Und als Biden den Termin Richtung September verschob, wurde ihm das als Schwäche ausgelegt. Nun aber heißt es, die Amerikaner seien überstürzt abgezogen.

Die Taliban wiederum waren für Trump ein so verlässlicher Partner, dass er mit ihnen ein Abkommen über den Truppenabzug aushandeln ließ. Nun heißt es, den Taliban zu vertrauen, sei naiv. Was alle diese Widersprüche übertünchen soll, ist die eine Botschaft: Biden trage die Verantwortung, Biden habe es vermasselt, in jeder Hinsicht. Ihm wird von den Republikanern angelastet, dass 100 bis 200 Amerikaner in Afghanistan zurückgelassen wurden, wie es die Republikaner anklagend formulieren.

Eine Botschaft: Biden hat Schuld

"Wie soll jeder einzelne von ihnen sicher nach Hause gebracht werden", fragte etwa Kevin McCarthy, der Chef der Republikaner im Abgeordnetenhaus diese Woche. Biden, so heißt es von den Republikanern, trage auch die Verantwortung für das teure zurückgelassene Gerät, die Hubschrauber, die Waffen. Und Biden trage die Schuld daran, wenn die USA sich nun den islamistischen Terror nach Hause geholt hätten. Da seien über 120.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden, und die wenigsten seien Amerikaner, so McCarthy.

Man müsse sie überprüfen, bevor die Menschen in die USA kämen, sagte er. Gerade erst sind 5000 Taliban-Kämpfer aus den Gefängnissen in Afghanistan entlassen worden, das war Teil des Abkommens mit den USA. Nun heißt es, einige könnten sich unter die Flüchtenden gemischt haben. Eine Sorge, die von prominenten Moderatoren bei Fox News geschürt wird.

Andererseits haben viele Republikaner, vor allem Veteranen, betont, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter und Verbündeten zu retten. Schon scheint sich die Stimmung gegenüber den Afghanen zu drehen, zeigt eine neue Umfrage von Yahoo News. Die Zustimmung dazu, die Afghanen in den USA aufzunehmen, ist zuletzt gesunken, heißt es dort, vor allem unter den Anhängern der Republikaner. Selbst wenn der Truppenabzug langsam aus dem Fokus gerät: Die Republikaner haben genügend Stoff, um Joe Biden in den nächsten Monaten vor sich her zu treiben.

Dieser Beitrag lief am 04. September 2021 um 07:09 Uhr auf Inforadio.

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Moderation 04.09.2021 • 12:34 Uhr

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