Donald Trump geht zurück zur Air Force One | picture alliance/dpa/AP

US-Republikaner Trumps langer Schatten

Stand: 22.07.2022 21:42 Uhr

Alle, die auf dem rechten Flügel der US-Republikaner Ambitionen haben, treten an diesem Wochenende in Florida auf, inklusive Ex-Präsident Trump. Die Vorwahlen zeigen: Sein Einfluss in der Partei ist ungebrochen.

Von Kerstin Klein, ARD-Studio Washington

Es ist eine Konferenz der konservativen Jugend, und alle vom rechten Flügel der Republikaner kommen nach Tampa im US-Bundesstaat Florida: Ex-Präsident Donald Trump ebenso wie sein möglicher Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur, Floridas Gouverneur Ron DeSantis, Ted Cruz, Josh Hawley, Lauren Boebert, Matt Gaetz und weitere.

Kerstin Klein ARD-Studio Washington

Es ist dieser Flügel der Partei, der gerade Oberwasser hat. Im ganzen Land laufen derzeit parteiinterne Vorwahlen - für die Kongresswahlen im Herbst, aber auch für Gouverneursposten und andere Ämter auf Bundesstaatsebene. Und bei den Vorwahlen der Republikaner schauen viele dieses Mal besonders genau hin.

Denn in etlichen Vorwahlrennen treten von Trump unterstützte Kandidatinnen und Kandidaten gegen solche an, die Distanz zu ihm wahren. Die Abstimmung ist somit auch ein Stimmungstest: Wie fest sind die Republikaner noch immer in Trumps Hand?

Wer aufklärt, gilt als Verräter

In Wyoming vertritt Liz Cheney den Bundesstaat seit bald sechs Jahren im Repräsentantenhaus. Doch wenn man sich dieser Tage im Bundesstaat umhört, wird schnell klar: Cheney gilt hier den meisten als Verräterin, weil sie für das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump stimmte und weil sie seine Verwicklung in den Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 gerade in Washington an führender Stelle im Untersuchungsausschuss mit aufarbeitet.

Und natürlich hat Trump auch in Wyoming eine Gegenkandidatin mit seinem "Endorsement", seiner Empfehlung, munitioniert: Harriet Hageman. Und die ist auf dem besten Weg, die parteiinterne Vorwahl Mitte August für sich zu entscheiden.

Glaube an die Lüge von der gestohlenen Wahl

Wie in Wyoming läuft es gerade vielerorts in den USA: Gunner Ramer vom Republican Accountability Project in Washington beobachtet die Vorwahlen. Auch er ist Republikaner, aber Teil einer Organisation, die die Partei vor Trump retten will. Was Gunner bei den bisherigen Vorwahl-Rennen sieht, deprimiert ihn:

Überall im Land, auf allen politischen Ebenen, treten Trump-ähnliche Kandidaten an. Und das Problem ist: Sie gewinnen. Wenn die Mehrheit der republikanischen Kandidaten die Lüge von der gestohlenen Wahl teilt, dann zeigt das: Trumps Macht in der Partei ist keinen Deut schwächer geworden.

Zwar gibt es auch Trump-Kandidaten und -Kandidatinnen, die unterliegen - zum Beispiel in Georgia. Aber einer aktuellen Analyse der "Washington Post" zufolge unterstützen mehr als 100 der bisherigen republikanischen Vorwahl-Gewinner und -Gewinnerinnen die Lüge von der gestohlenen Wahl.

Die meisten von ihnen werden im Herbst auch die eigentliche Wahl gewinnen, weil ihre Bezirke fest in republikanischer Hand sind und Demokraten dort chancenlos. Und viele von ihnen werden dann Positionen besetzen, in denen sie den Ausgang zukünftiger Wahlen beeinflussen können - zum Beispiel indem sie die Zertifizierung von Wahlergebnissen blockieren.

Es geht auch um das Wahlrecht

"Aus einer Demokratie-Perspektive ist das absolut furchteinflößend", sagt Ramer und verweist auf das Beispiel Pennsylvania, einen wichtigen Swing State - also einen der Staaten, die zwischen Demokraten und Republikanern umkämpft sind.

Dort hat Doug Mastriano das Vorwahlrennen der Republikaner für das Gouverneursamt gewonnen. Ein Mann, der am 6. Januar Busse charterte, um Menschen zu Trumps "Stop the Steal"-Demonstration nach Washington zu bringen. Und der erklärte, das republikanische Parlament im Bundesstaat solle darüber entscheiden dürfen, welche Wahlleute für die Präsidentschaftswahl Pennsylvania nach Washington schickt.

Eigentlich haben Parlamente dabei kein Mitspracherecht, sondern es geht streng nach Auszählung der Wähler-Stimmen. Gewänne Mastriano die Gouverneurswahl im Herbst, läge die Aufsicht über die kommende Präsidentschaftswahl 2024 im Bundesstaat in seiner Hand.

Eine grundlegend andere Partei

Trumps Einfluss in seiner Partei bleibt groß - und seine Weigerung, die verlorene Präsidentschaftswahl anzuerkennen, hat die Partei grundlegend verändert. Das gilt auch für die Kandidaten und Kandidatinnen, mit denen sie ins Rennen zieht - und die an diesem Wochenende den "Student Action Summit" in Tampa zum Schaulaufen machen.

Trump selbst deutet immer wieder an, er könne 2024 erneut als Präsidentschaftskandidat antreten. Auch DeSantis werden Ambitionen dafür nachgesagt. Und vieles spricht derzeit dafür, dass die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner in deren rechtem Lager entschieden wird.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 10. Juli 2022 um 22:45 Uhr.