Schüler arbeiten in der Sunkist Elementary School in Anaheim, Kalifornien, an Laptops. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Corona-Folgen in den USA Schüler kehren nicht in den Unterricht zurück

Stand: 21.12.2021 15:41 Uhr

Nach Monaten im Distanzunterricht arbeiten in fast allen US-Staaten die Schulen wieder regulär. Doch viele Schüler kehren nicht in den Klassensaal zurück. Lehrer und Eltern kämpfen gegen fehlende Motivation und verlorene Routine.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die ASB-Schule ist der ganzer Stolz von Wyndy McGinley. Die Gemeinschaft und Unternehmen in der Kleinstadt Williston in North Dakota haben gespendet, um die Schule in einem ehemaligen Schwimmbad zu bauen, sagt die Leiterin, die die Schulen im Bezirk Williston managt.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Die Schüler der Mittelschule arbeiten meist selbstständig. In vielen anderen Schulen ihres Bezirks sind die Probleme dagegen grundlegend, erklärt McGinley. "Dass Schüler der fünften bis zwölften Klasse zum Unterricht kommen, ist ein ständiger Kampf für uns."

Hybrid-Modell ist ausgelaufen

Seit Oktober sind die Schulen in Williston wieder ohne Corona-Einschränkungen geöffnet. Doch in einigen Klassen seien bis zu zehn Prozent der Schüler nicht zurückgekehrt, schätzt McGinley. Schüler, die glauben, sie bekämen die Arbeit auch weiter zu Hause hin. "Aber wir unterrichten nicht mehr im Hybrid-Modell oder über Zoom. Man muss in die Schule kommen", erklärt sie.

Das Problem besteht in vielen US-Bundesstaaten, nicht nur in North Dakota. Die geringere Teilnahme am Unterricht habe mit Quarantäne zu tun, schreiben Autoren auf der Internetseite Chalkbeat.org, die sich an Lehrkräfte richtet. Außerdem spiele der Druck eine Rolle, Kinder bei ersten Symptomen daheim zu behalten, aber auch anderen Herausforderungen nach Monaten der Pandemie.

Schulen konnte keine Alternativen bieten

Der Lokaljournalist Mitch Melberg bestätigt die Beobachtung für Williston. Er vermutet, die Motivation sei Schülern dauerhaft abhandengekommen, als auch Schulen auf dem Land wegen Corona schließen mussten und keine Alternative anbieten konnten. "Meine jüngste Tochter hatte ihre Lehrerin nur einmal die Woche online gesehen. Sonst saß sie allein im Zimmer und das hat allen geschadet", sagt er.

Die Folgen seien in ländlichen Gebieten vielleicht noch krasser als in der Stadt, vermutet Melberg. "Als Vater habe ich mit meinen beiden Kindern Auseinandersetzungen: Es ist einfach so schwer für sie, zur Routine zurückzukehren, regelmäßig zur Schule zu gehen." Sie seien unmotiviert. "Denn früher war es so: Hier ist Deine Aufgabe, wenn sie morgen nicht fertig ist, wird sie nicht anerkannt. Jetzt heißt es: Gib es einfach später ab."

Älter Schüler gehen lieber arbeiten

An vielen öffentlichen Schulen in den USA ist außerdem die Zahl der eingetragenen Schüler noch weiter zurückgegangen. Im Radiosender NPR berichtet Superintendent Lesli Myers-Small aus Rochester in New York, dass einige High School Seniors arbeiten, statt für den Abschluss zu lernen. Vor allem ältere Schüler hätten Jobs und wollten nicht zurückkehren.

Die Schulen überlegen nun, ob sie Nachmittagskurse einführen sollen oder telefonieren Fast-Food-Restaurants ab, damit Schüler nicht am Vormittag in Schichten eingeteilt werden, berichtet der Radiosender.

Können Anreize helfen?

In Williston in North Dakota arbeitet der Schulbezirk von Wyndy McGinley mit Anreizen. Wer fünf Tage hintereinander zum Unterricht erscheine, könne fünf Minuten mehr Pause bekommen, schlägt McGinley vor. "Oder eine Schule feiert, dass wieder 85 Prozent der Schüler erscheinen", sagt sie.

Kleine Erfolge, die schon wieder in Gefahr geraten. Denn auch in den USA steigt die Zahl von Infektionen mit der Omikron-Variante gerade rapide an.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. Dezember 2021 um 10:36 Uhr.