US-Agenten betreten die Oligarchen-Jacht "Amadea" in Lautoka (Fitschi) | EPA

USA und russische Oligarchen "Wir kriegen Eure Jacht und Euren Jet"

Stand: 21.08.2022 06:25 Uhr

Russische Oligarchen haben ihre Reichtümer auf der ganzen Welt geparkt und geankert. Eine neue Spezialeinheit in New York nimmt nun genau diese ins Visier - und liefert die juristische Vorarbeit zur Beschlagnahmung.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Es wird eng für russische Oligarchen, wenn die US-Justiz sie im Visier hat, verspricht die stellvertretende Justizministerin Lisa Monaco. Verstecken habe keinen Sinn: "Wir kriegen Euch, kriegen Eure Jacht, Euren Jet, Euer Konto."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Schmutziges Vermögen, Tricks, um die Sanktionen zu umgehen - seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine gehe die US-Regierung mit Härte gegen Moskaus korrupte Geld-Elite vor, sagt auch US-Justizminister Merrick Garland:

Wir lassen keinen Stein unbewegt in unseren Bemühungen, gegen diejenigen zu ermitteln und sie festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen, die es durch ihre kriminellen Handlungen möglich machen, dass Russland diesen ungerechtfertigten Krieg führt.

"Den Komfort der Oligarchen stören"

Die Taskforce auf den Spuren der Oligarchen lauert hinter verspiegelten Scheiben eines dunklen Verwaltungsgebäudes im Finanzdistrikt von Manhattan. "KleptoCapture" heißt die Einheit, übersetzt soviel wie "Fang den Dieb".

Was wie der Name eines Brettspiels klingt, ist für zahlreiche Oligarchen - und Politiker - schon bitterer Ernst geworden: 28 Namen stehen auf der US-Sanktionsliste, unter ihnen auch Russlands Präsident Wladimir Putin und sein Außenminister Sergej Lawrow.

Die Spezialeinheit, die Garland im März in New York formiert hat, soll zeigen, dass die USA ihre Sanktionen gegen Unterstützer dieses Krieges um jeden Preis durchsetzen. Und dass niemand sie durch Geldwäsche oder Netzwerke umgehen könne, erklärt "KleptoCapture"-Direktor Andrew Adams in einem Interview mit dem Sender NBC: "Wir wollen Netzwerke unterbrechen. Den Komfort stören, den die Oligarchen genießen: Immobilien, Bankkonten, Kunst, die unverdienterweise geernteten Früchte eines Luxuslebens - das haben wir alles auf dem Plan."

Andrew Adams | picture alliance / Consolidated

Andrew Adams leitet die Oligarchenjäger-Gruppe "KleptoCapture". Bild: picture alliance / Consolidated

Die erste Trophäe: Eine Jacht

Adams könnte den netten Strafverfolger in einem Schwarz-Weiß-Thriller spielen. Doch hinter seiner jungenhaften Fassade stecken Jahre gesammelter Erfahrung. Als Staatsanwalt hat er es mit russischen Gruppen des organisierten Verbrechens aufgenommen. In seinem neuen Job in Manhattan führt er eine ganze Armada von Oligarchenjägern an.

Dem Team gehören mehr als zehn Staatsanwälte und andere Strafrechtler sowie Experten für nationale Sicherheit, FBI- und Steuerermittler an. "Du kannst nicht einfach hingehen und dir eine Jacht schnappen", beschreibt Adams. "Du musst durch die Fakten gehen, die das Eigentum mit einem Verbrechen in Verbindung bringen. Du musst das Verbrechen nachweisen."

Die erste Oligarchen-Schiff hatte die Task Force gleich im April beschlagnahmt: die Luxusjacht des russischen Investors Viktor Wekselberg. Der Milliardär steht bereits seit 2018 auf der Sanktionsliste der USA - wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs, Geldwäsche und Urkundenfälschung zur Umgehung von Sanktionen. Mithilfe der spanischen Polizei legte "KleptoCapture" vor Mallorca seine 90-Millionen-Dollar-schwere Jacht "Tango" an die Kette.

Spanische Sicherheitskräfte vor der Oligarchenyacht "Tango" im Hafen von Barcelona. | dpa

Die Oligarchenjacht "Tango" wurde im Hafen von Barcelona gemeinsam von US-Bundesbeamten und der spanischen Guardia Civil durchsucht. Bild: dpa

Ein Privatflugzeug in Kasachstan

Inzwischen setzt "KleptoCapture" einem weiteren russischen Milliardär zu: dem Duma-Abgeordneten Andrej Skotsch. Gegen den Oligarchen haben die USA und die EU zahlreiche Sanktionen verhängt. Unter anderem soll er mit russischen Banden des organisierten Verbrechens in Verbindung stehen. "KleptoCapture" will sein Flugzeug im Wert von umgerechnet mehr als 88 Millionen Euro einkassieren. Das steht gerade in Kasachstan.

Kein leichter Fall - doch gerade das reizt Oligarchen-Jäger Adams: "Der Grund, zur Arbeit zu kommen, ist, das Geld zu jagen und dann die Kriminalität, die dahinter steht."

Die USA und andere Länder haben das Recht, Vermögen verdächtiger Oligarchen einzufrieren. Die ursprünglichen Besitzer können diese Jachten, Jets, Häuser oder Konten dann solange nicht nutzen, bis die Sanktionen aufgehoben oder erfolgreich angefochten werden.

Bislang haben die USA und ihre Verbündeten, darunter auch Deutschland, Vermögen russischer Oligarchen im Wert von mehr als 330 Milliarden Dollar eingefroren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. August 2022 um 12:12 Uhr.