SLS-Rakete der NASA | REUTERS

Mondprogramm "Artemis" Neue NASA-Rakete vor Bewährungsprobe

Stand: 17.03.2022 10:54 Uhr

Heute wird zum ersten Mal die neue Superrakete der NASA aus der Werkstatt an die Startrampe gerollt. Im Mai könnte die SLS dann zum Mond aufbrechen - allerdings unbemannt. Ihr Jungfernflug soll eine neue Ära einläuten.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Donnerstag wird ein Tag, an den wir uns alle erinnern werden". Tom Whitmeyer wird ein bisschen pathetisch, wenn er über dieses Ereignis spricht - den "Roll Out". Er ist bei der NASA zuständig für die Entwicklung von Forschungsprojekten und ist sichtlich stolz. Denn heute wird zum ersten Mal die neue Superrakete der NASA aus der Werkstatt an die Startrampe gerollt.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Ihr Ziel ist der Mond. Auch wenn das Mondprogramm "Artemis" inzwischen zeitlich in Verzug geraten ist, geht es doch voran. Die neue, extra für solche Missionen zu weit von der Erde entfernten Zielen entwickelte Rakete heißt einfach nur SLS, abgekürzt für "Space Launch System", also System für Weltraumstarts. "Artemis" auf der anderen Seite ist der Name des gesamten, mehrstufigen neuen Mondprogramms der NASA, mit dem im Laufe der nächsten drei Jahre wieder Menschen auf den Mond gebracht werden sollen. 

NASA hält die SLS für startklar

Mit der "Artemis-1"-Mission geht die NASA jetzt einen ersten Schritt, denn beim Jungfernflug werden noch keine Menschen an Bord sein. Sehen wird man eine Rakete mit seitlichen Boostern, wie man sie noch von den Shuttleflügen kennt. In der oberen Sektion ist das eigentliche Raumschiff, das die Reise durchs All unternimmt. Diese Kapsel trägt den Namen "Orion" und das wichtige Servicemodul für Antrieb und Energieversorgung wurde von der europäischen Raumfahrtagentur ESA beigesteuert.

Frühestens im Mai wird die von Boeing und Lockheed Martin gebaute Rakete zeigen, was sie kann. Denn geflogen ist eine SLS noch nie, während der Entwicklung gab es immer wieder Rückschläge. Bei der NASA hält man die SLS aber jetzt für ausgereift und startklar.

"Raumfahrt weiterhin keine Routine"

Im "Orion-Raumschiff" werden statt der Astronauten zwei Testpuppen an Bord sechs Tage lang den Mond umkreisen. Die haben vor allem die Aufgabe, einen neuen Schutzanzug gegen Strahlung zu testen. Für die NASA ist die gefährliche Strahlung im offenen Weltall eine der größten Sorgen für längere Reisen und Aufenthalte.

Die neue Rakete der NASA ist 98 Meter hoch und wird in der dritten Ausbaustufe einmal die größte und stärkste Rakete aller Zeiten sein. Jetzt ist sie noch gut zehn Meter kleiner als die Saturn V, mit der 1969 die ersten Menschen zum Mond flogen. "Sie ist eine ziemliche Herausforderung für uns. Das ist ein schwieriges Fahrzeug, einfach weil es so viel kann“, macht Tom Whitmeyer bei einer Pressekonferenz vorab deutlich, dass Raumfahrt weiterhin weit davon entfernt ist, Routine zu sein.

Generalprobe mit Treibstoff

Der erste Schritt zum Mond wird nun die langsame Fahrt an die Startrampe 39B sein - sie ist die Nachbarrampe der Apollo-Missionen. Die Rakete steht dabei aufrecht und braucht elf Stunden für die sieben Kilometer durch das Kennedy Space Center in Florida. Wenn das Wetter mitmacht, es nicht blitzt oder hagelt.

Aber die Wettervorhersage sei vielversprechend, meint "Artemis"-Flugdirektorin Charlie Blackwell-Thomson. Zusammengebaut wurde die Rakete schon vor ein paar Wochen, an der Rampe kommt in den nächsten Tagen das sogenannte "Wet Rehersal" an die Reihe, eine Generalprobe mit Treibstoff.

Mondstationen sind geplant

Wenn alles gut geht, dann ist das für die NASA das Startsignal für ein Programm, das zu einem kommerziell genutzten Mond führen wird. Die Raumfahrtagentur spricht von einer regelrechten Mondwirtschaft, die zukünftig Hunderttausende neue Jobs auf der ganzen Welt bringen werde.

Bis dahin aber ist noch ein weiter Weg. Zuerst werden Astronauten wieder nur den Mond umkreisen. 2025 könnten vielleicht zum ersten Mal welche dort landen. Ziel sind dann zwei erste Mondstationen, eine auf dem Mond und eine, die den Erdtrabanten als eine Art Shuttle Bahnhof umkreist. All das ist in der Planung und soll in den nächsten 20 Jahren Realität werden, bevor es vom Mond aus weiter geht zum Mars.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. März 2022 um 05:17 Uhr.