Joe Bidne bei einem Wahlkampfauftritt | dpa

US-Midterms Die Sorgen der Meinungsforscher

Stand: 07.11.2022 09:08 Uhr

Es sieht nicht gut aus für die Demokraten in den Meinungsumfragen - aber wie verlässlich sind die Prognosen für die Midterms? 2016 und 2020 lagen die Meinungsforscher teilweise deutlich daneben. Machen sie nun etwas anders?

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Meinungsforscher in den USA haben gelernt, sehr demütig zu sein. "2016 haben wir uns schwer geirrt", sagt Charles Franklin, Professor an der Marquette-Universität von Wisconsin, und er präzisiert: "Ich habe mich schwer geirrt!"

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Franklin war nicht allein. Bei der Präsidentschaftswahl sahen damals fast alle in seiner Branche Hillary Clinton vorn. Doch dann drehte Donald Trump überraschend drei wichtige US-Staaten; das brachte ihm die Präsidentschaft. 2020 sei es schlimmer statt besser geworden, sagt Franklin: "Die Fehler schienen weiter verbreitet zu sein, und sie schlossen einige Senatswahlen im Land mit ein, nicht nur die Präsidentschaftswahl."

In Florida und North Carolina zum Beispiel sahen die Umfragen vor zwei Jahren Biden klar vorn. Doch wer siegte am Ende? Trump. In anderen Staaten, wie etwa Pennsylvania oder Wisconsin, gewann Biden zwar wie vorhergesagt, aber nur knapp.

Und die erwartete Mehrheit der Demokraten im Senat? Schrumpelte auf ein Patt zusammen. Wieder war die Begeisterung für Trump unterschätzt, die Begeisterung für Biden allerdings überschätzt worden.

Der Faktor Trump 

Nach Auswertung ihrer Daten wissen die Demoskopen nun, warum sie falsch lagen. "Menschen, die Donald Trump oder republikanische Kandidaten ganz allgemein unterstützten, waren weniger bereit, an Meinungsumfragen teilzunehmen", sagt Scott Keeter vom "Pew Institute", einer Denkfabrik in der Hauptstadt Washington. Das heißt, die Meinungsforscher hatten nicht genug Trump-Anhänger in ihren Umfragen.

Und dann war da ja auch noch das Coronavirus. Würden die Menschen wegen der Pandemie zu Hause bleiben? Oder wegen Trump wählen gehen?

Die Wahlbeteiligung vorherzusagen, ist immer schwierig. "Wir fragen Menschen, ob sie wählen gehen", sagt Keeter, "sie wissen, dass das eine Bürgerpflicht ist, und deshalb sagen sie ja". Doch am Ende tauchen sie nicht auf.

Dass die Trump-Anhänger ihre Sympathien verheimlicht hätten, das glauben die Meinungsforscher allerdings nicht. Ihre Erfahrung ist, dass, wenn sie einmal am Telefon sind, viele Wählerinnen und Wähler nur zu gerne über ihre Favoriten sprechen.

Stimmungsbild jetzt präziser?

Für die Midterms sind die Meinungsforscher zuversichtlich, dass sie diesmal besser liegen, zum einen, weil Trump nicht auf dem Stimmzettel steht. Ohne ihn schienen die Stimmungbilder präziser zu sein, meint Professor Franklin aus Wisconsin.

Er und sein Team haben außerdem ihre Recherchezeit verlängert. Eine längere, siebentägige Feldphase ermöglicht es ihnen, eine Telefonnummer drei oder viermal anzurufen, in der Hoffnung, doch noch eine Antwort zu bekommen. 

Andere Institute versuchen es mit Textnachrichten, die dann zu Internetseiten führen, wo die Wähler an einer Umfrage teilnehmen können. Aber niemand weiß, ob sie am Ende die richtige Mischung aus Wählerstimmen zusammenbekommen.

Die Themen liegen auf der Hand

Was die US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner bewegt, wissen die Meinungsforscher ziemlich genau: Inflation, Kriminalität, Abtreibung sind die Themen. Aber wie das in Stimmen umgesetzt wird, bleibt schwierig vorherzusagen.

"Wir werden uns dieser Wahl mit beachtlicher Bescheidenheit nähern", sagt Meinungsforscher Scott Keeter, und das werde auch für 2024 gelten, egal, wer auf dem Stimmzettel steht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. 0ktober 2022 um 06:15 Uhr.