Ein Smartphone mit dem Amazon-Logo vor einem Bildschirm mit dem MGM-Studios-Logo | REUTERS

MGM und Amazon Droht die Übernahme zu scheitern?

Stand: 22.06.2021 22:18 Uhr

Eigentlich war der Mega-Deal zwischen dem traditionsreichen MGM-Studio und dem Online-Riesen Amazon schon in trockenen Tüchern. Nun soll die Übernahme von der US-Handelskommission FTC noch mal überprüft werden.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Das Wall Street Journal berichtet, die neue Chefin der Handelskommission FTC, Lina Khan, wolle die geplante Übernahme des renommierten Hollywood-Studios durch Amazon nochmals genauer überprüfen. Grund dafür ist ein bereits bestehendes Wettbewerbsverfahren gegen Amazon, das die FTC eingeleitet hat. 

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Eigentlich wollte der Konzern von Jeff Bezos das 97 Jahre Filmstudio für umgerechnet 6,91 Milliarden Euro übernehmen. Damit sollte die Film-Bibliothek von Amazon Prime - der Streaming-Dienst von Amazon - aufgestockt werden, um gegenüber den Videoplattformen von Netflix, Disney Plus und HBO Max konkurrenzfähig bleiben zu können.

Im Archiv von MGM schlummern mehr als 4.000 Produktionen - unter anderem alle James-Bond-Filme. Daneben produziert Amazon für seine Prime-Videoplattform verstärkt eigene Inhalte. Darüber hinaus ist das Unternehmen durch seine aggressive Einkaufspolitik bei US-Sportrechten aufgefallen. Unter anderem hält es Übertragungsrechte an der US National Football League (NFL). Im Vergleich zu anderen Anbietern ist aber die eigene Bibliothek an Unterhaltungsware wie Serien und Spielfilme relativ klein. 

Im schlimmsten Fall keine Genehmigung

Die Übernahme hat nun einen Rückschlag erhalten. Im schlimmsten Fall könnte sie nicht genehmigt werden. Die FTC hatte sich erst vor wenigen Wochen nach Rücksprache mit dem Justizministerium das Recht vorbehalten, die Übernahme genauer unter die Lupe nehmen zu dürfen. Weder die US-Behörde noch das Online-Unternehmen wollten sich zu dem Vorgang äußern. 

In den USA ist ein großer Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft auf dem Streaming-Markt entstanden. Dieser Markt wird bislang von Netflix dominiert.

Die neue Chefin der FTC, die 32-jährige Khan, hatte vor fünf Jahren mit einem juristischen Aufsatz im Yale Law Journal für Aufsehen gesorgt. In diesem hatte sie das ihrer Ansicht nach wettbewerbswidrige Verhalten von Amazon beschrieben. Sie kam darin zum Schluss, dass die derzeitigen US-Wettbewerbsgesetze zu schwach seien, um ein ständig expandierendes Unternehmen wie Amazon in die Schranken weisen zu können.

Weniger Freiheiten für Techkonzerne

In der Vergangenheit hatte Khan immer wieder dafür geworben, großen dominierenden Unternehmen mehr Einhalt zu gebieten. Das ist einer der wenigen Schnittmengen, die die beiden im Kongress vertretenen Parteien teilen. Sowohl Demokraten als auch Republikaner möchten die Macht von Technologie-Unternehmen wie Google, Facebook, Apple und Amazon stärker einschränken.

Khan war vor wenigen Tagen von US-Präsident Joe Biden in das Amt berufen worden. Von ihr wird erwartet, dass sie die großen Techkonzerne im Silicon Valley und an der US-Westküste stärker reguliert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Juni 2021 um 01:52 Uhr.