Screenshot der virtuellen Klimakonferenz | AP

Bidens Klimagipfel Große Ziele und kleine Pannen

Stand: 23.04.2021 00:09 Uhr

Der erste Tag des Klimagipfels von US-Präsident Biden ist geschafft. Er selbst verspricht für die kommenden Jahre deutliche Einsparungen der Treibhausgase. Ein paar Länder ziehen wenigstens teilweise mit.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Anfangs war der US-Präsident gleich doppelt, mit Echo, zu hören: Der Klimagipfel begann mit einer technischen Panne. Bis Joe Biden zum entscheidenden Satz kam, war das Problem aber gelöst. Biden nutzte die virtuelle Bühne, um Amerikas Comeback in der Klimapolitik mit offiziellen Klimazielen zu unterstreichen: Bis 2030 wollen die USA ihre Treibhausgas-Emissionen um die Hälfte reduzieren, wenn auch nur verglichen mit dem Stand von 2005 und nicht dem niedrigeren von 1990.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Und Biden machte auch gleich klar, was er von den übrigen 40 Staats- und Regierungschefs beim Gipfel erwartete: 

Die Wahrheit ist doch: Die USA machen nur 15 Prozent der weltweiten Emissionen aus. Kein Land kann dieses Problem allein lösen. Und deshalb müssen jetzt alle mitziehen, alle, vor allem diejenigen von uns, die die 20 wichtigsten Industrienationen repräsentieren. Wir müssen jetzt ran.

 China hat eigene Klimaziele

Allzu große Hoffnungen wurden noch in der ersten halben Stunde des Gipfels gedämpft: Chinas Staatschef Xi Jinping betonte zwar, dass sein Land bei diesem Thema großen Wert auf internationale Zusammenarbeit lege. Er machte aber auch klar: China, das Land, das weltweit am meisten CO2 ausstößt, wird erst nach 2030 damit beginnen, diesen Ausstoß zu senken:

China wird sich bemühen, den Höchstwert seiner CO2-Emissionen vor 2030 zu erreichen, und CO2-Neutralität bis 2060. China verpflichtet sich in viel kürzerer Zeit vom Höchstwert bis zur Neutralität zu kommen als viele industrialisierte Nationen. Und das verlangt außergewöhnlich harte Anstrengungen von China.

Referate im Fünf-Minuten-Takt

Trost für den US-Präsidenten: Es gab viel Lob, dass die USA nun überhaupt wieder klimapolitische Initiativen ergreifen. "Ich bin sehr froh, dass die Vereinigten Staaten von Amerika wieder zurück in der Klimapolitik sind", sagte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Denn es ist ja vollkommen unstrittig, dass die Welt Ihr Mitwirken braucht, wenn wir das Pariser Abkommen erfüllen wollen."

Im Fünf-Minuten-Takt referierten die Staats- und Regierungschefs ihre Klimaziele - auch wenn die Gipfelregie immer wieder an der Technik scheiterte: Der voraufgezeichnete Vortrag von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wurde von US-Außenminister Antony Blinken abrupt unterbrochen. Stattdessen erteilte er Russlands Präsident Wladimir Putin das Wort, der dann erstmal endlose Sekunden nichts hören konnte.

Betroffene Staaten fordern Unterstützung

Vor allem die Regierungschefs kleinerer und vom Klimawandel längst massiv betroffener Staaten nutzen die virtuelle Bühne für eindringliche Appelle. "Die wirtschaftliche Situation in unseren Ländern war schon vor der Pandemie ernst. Jetzt ist es düster, vor allem für Länder, die vom Tourismus abhängig sind", sagte Gaston Brown, Präsident des Inselstaats Antigua und Barbuda in der Karibik.

Wir sind am Rande der Verzweiflung. Wegen der schlechteren Klimabedingungen werden Arbeiter aus bislang produktiven Sektoren vertrieben und verursachen eine neue Flüchtlings- und Migrationskrise. Das zu ändern, muss doch im globalen Interesse sein.

Brown forderte im Namen der Allianz der kleinsten Inselstaaten dringende finanzielle Unterstützung durch die Industrienationen, um die Folgen des Klimawandels aufzufangen und selbst Emissionen zu reduzieren. Auch hier machten die USA erste konkrete Zusagen.

Kritik der jüngeren Generation

Dass die virtuelle Veranstaltung nicht zur Selbstbeweihräucherung des Gastgebers geriet, dafür sorgte die 19-jährige Xiye Bastida. Die indigene Mexikanerin war mit ihrer Familie vor den Klimafolgen in die USA geflüchtet - und ist jetzt Aktivistin bei "Fridays for Future". 

Die Klimakrise sei eine Folge davon, dass mächtige Personen globale Probleme weiter mit Kolonialismus, Unterdrückung, Kapitalismus und marktorientierter Gehirnwäsche zu lösen versuchten, sagte sie. Auch bei diesem Gipfel seien die Verursacher wieder überrepräsentiert - und außer ihr nur noch ein einziger Vertreter der Generation dabei, die die Folgen der bisherigen Politik ausbaden müsse. Ihr Gipfelfazit schon vor Ende der Veranstaltung: Es müsse viel mehr passieren. Das Zeitalter der Kohle sei vorbei, und es sei höchste Zeit, das zu begreifen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2021 um 01:00 Uhr.