Joe Biden | AP

US-Präsident beim Klimagipfel "Wir müssen handeln - wir alle"

Stand: 22.04.2021 17:08 Uhr

US-Präsident Biden hat zum Auftakt seines Online-Klimagipfels die Weltgemeinschaft zu entschiedenem Handeln aufgerufen. "Wir haben keine Wahl", warnte er. China versprach, ab 2025 den Kohleverbrauch zu reduzieren.

US-Präsident Joe Biden hat die Weltgemeinschaft zu ehrgeizigeren Zielen im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. "Wir müssen handeln - wir alle", sagte Biden zum Auftakt eines von den USA organisierten digitalen Klimagipfels. Im Kampf gegen die Erderwärmung sei schnelles Handeln nötig: "Wir haben wirklich keine Wahl." Die Zeichen seien unübersehbar, die Wissenschaft sei nicht zu leugnen, so Biden weiter. "Die Kosten des Nichtstuns werden immer höher." Er rief zu einem gemeinsamen Kraftakt auf und sieht insbesondere die größten Volkswirtschaften der Welt in der Pflicht.

"Wir müssen uns anstrengen"

Biden warb dafür, in Klimaschutzmaßnahmen auch die wirtschaftlichen Chancen zu sehen: Die Energiewende, der Ausbau der Elektromobilität und Infrastrukturmaßnahmen böten die Gelegenheit, Millionen gut bezahlte Jobs zu schaffen. "Kein Land kann diese Krise allein lösen", sagte der US-Präsident und mahnte zu ehrgeizigeren Zielen bei der Drosselung klimaschädlicher Treibhausgas-Emissionen. "Jeder von uns und besonders diejenigen von uns, die die größten Volkswirtschaften der Welt repräsentieren: Wir müssen uns anstrengen."

USA wollen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 halbieren

Bereits vor Beginn des Gipfels hatten die USA verlauten lassen, dass sie ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 halbieren wollen. Die Emissionen sollen im Vergleich zum Jahr 2005 um 50 bis 52 Prozent reduziert werden. Mit dem neuen Klimaziel erfüllen die USA eine Vorgabe des Pariser Klimavertrags, in den Biden das Land als eine seiner ersten Amtshandlungen zurückgeführt hatte. Sein Amtsvorgänger Donald Trump war aus dem internationalen Abkommen ausgestiegen. Das Klimaabkommen sieht vor, dass die Vertragsstaaten ihre Klimaziele alle fünf Jahre nachbessern.

UN-Generalsekretär: "Wir stehen am Rande des Abgrunds"

UN-Generalsekretär António Guterres forderte eine globale Koalition für Treibhausgasneutralität bis Mitte des Jahrhunderts, an der "jedes Land, jede Region, jede Stadt, jedes Unternehmen und jede Branche" beteiligt werden sollte. Es brauche Steuern auf den Ausstoß von CO2, Kohle und Öl dürften nicht mehr subventioniert werden, das Verbrennen von Kohle müsse in den Industrieländern bis 2030 auslaufen. 

"Wir sehen ständig steigende Meeresspiegel, sengende Temperaturen, verheerende tropische Wirbelstürme und epische Waldbrände", sagte Guterres. "Wir brauchen einen grünen Planeten - aber die Welt ist auf Alarmstufe Rot. Wir stehen am Rande des Abgrunds."

China will Kohleverbrauch verringern

China sagte auf dem Gipfel eine Verringerung seines Kohleverbrauchs ab 2025 zu. Staats- und Parteichef Xi Jinping erklärte, sein Land wolle Kohlekraftwerke "streng kontrollieren". Während des laufenden Fünf-Jahres-Plans bis 2025 solle der Anstieg des klimaschädlichen Kohleverbrauchs "streng begrenzt" und während des folgenden Plans bis 2030 stufenweise verringert" werden. Er wiederholte seine Zusage, dass China den Höhepunkt seiner Emissionen vor 2030 anstrebe und Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen wolle. Das bedeutet, dass kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden.

Merkel: Deutschland wird seinen Beitrag leisten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte beim Gipfel das neue Klimaziel der USA. Dies sei ein klares Bekenntnis im Kampf gegen die Erderwärmung und ein wichtiges Signal an die Weltgemeinschaft. Um die globalen Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen erreichen zu können, sei die Welt auf den Beitrag der Vereinigten Staaten angewiesen. Deutschland habe seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 40 Prozent gesenkt, sagte Merkel. Diesen Weg werde das Land weiter beschreiten. Deutschland werde seinen Beitrag leisten, um das nun verbindliche EU-Ziel, die Treibhausgase bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu senken, erreichen zu können.

EU verpflichtet sich auf 55 Prozent bis 2030

Die Europäische Union hatte sich am Tag vor dem Klimagipfel offiziell zu einer Senkung der Treibhausgase um mindestens 55 Prozent bis 2030 und eine Wirtschaft ohne neue Klimalasten bis 2050 verpflichtet. Großbritannien strebt eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 68 Prozent unter den Wert von 1990 an. Bis 2035 sollen die Emissionen um 78 Prozent im Vergleich zum Niveau der 1990er-Jahre reduziert werden. Großbritannien habe gezeigt, dass es möglich sei, Emissionen zu verringern und trotzdem ein erhebliches Wirtschaftswachstum zu erreichen, sagte Regierungschef Boris Johnson bei dem Gipfel. Die Erholung von der Pandemie könne dafür genutzt werden, um in eine grünere Zukunft zu investieren.

Japans Regierungschef Yoshihide Suga kündigte an, sein Land wolle die Emissionen bis zum Fiskaljahr 2030/2031 um 46 Prozent im Vergleich zum Fiskaljahr 2013 verringern. Bislang war eine Senkung um nur 26 Prozent vorgesehen. Kanada wiederum will das Niveau der Emissionen von 2005 bis 2030 um 40 bis 45 Prozent senken, wie Premierminister Justin Trudeau zusagte.

Die unterschiedlichen Ausgangspunkte - 1990 und 2005 - machen die Ziele schwer vergleichbar. Nach Lesart der EU entspricht ein US-Ziel von minus 50 Prozent gegenüber 2005 einer Reduktion von 43 Prozent im Vergleich zu 1990.

40 Staaten sind dabei

Rund 40 Staats- und Regierungschefs beraten von heute an bei dem digitalen Klimagipfel. Er gilt als wichtige Vorbereitung für die Klimakonferenz in Glasgow im November. Experten sind sich einig, dass sich bis 2030 weltweit viel mehr tun muss, wenn die Erderwärmung, wie 2015 von knapp 200 Staaten in Paris vereinbart, deutlich unter zwei Grad bleiben soll. Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erwärmt, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. April 2021 um 06:51 Uhr sowie Deutschlandfunk um 13:00 Uhr.

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Moderation 22.04.2021 • 19:53 Uhr

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