Anwälte hören den Ausführungen des Richters Bruce Schroeder zu.  | REUTERS

Mordprozess in Wisconsin Schütze von Kenosha freigesprochen

Stand: 19.11.2021 22:05 Uhr

Der Prozess war politisch höchst aufgeladen und endete nun mit einem Freispruch: Eine Jury befand den Schützen für Kenosha in allen Anklagepunkten für nicht schuldig. Das Urteil könnte zu neuen Protesten führen.

Fast 15 Monate nach den gewaltsamen Protesten in der US-Stadt Kenosha hat es in einem aufsehenerregenden Mordprozess einen Freispruch gegeben. Ein Geschworenengericht kam zu dem Urteil, dass der damals 17-jährige Angeklagte Kyle R. in Notwehr gehandelt habe. Die Jury befand den Schützen in allen fünf Anklagepunkten für nicht schuldig.

R. hatte am 25. August 2020 in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin zwei Demonstranten mit einem Sturmgewehr erschossen und einen dritten schwer verletzt. Der inzwischen 18-jährige Weiße hatte die tödlichen Schüsse nie bestritten, plädierte aber auf unschuldig. Seine Anwälte argumentierten vor Gericht, der Teenager habe in Notwehr gehandelt, weil er von Protestierenden angegriffen worden sei. Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, R. habe die Gewalt selbst "provoziert".

Appell von US-Präsident Biden

Im Gericht und vor dem Gebäude waren vor der Verkündung des Urteils wegen befürchteter Proteste die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft worden. Wisconsins Gouverneur Tony Evers hatte Hunderte Mitglieder der Nationalgarde des Bundesstaats in Bereitschaft versetzt. Das Urteil könnte Vorwürfen, wonach weiße Angeklagte von der US-Justiz oftmals besser behandelt werden als Schwarze, neuen Rückhalt geben.

Zwar ließe die Entscheidung in Kenosha bei vielen Amerikanern ein Gefühl des Ärgers und der Sorge zurück, aber alle müssten anerkennen, dass die Geschworenen gesprochen haben, teilte US-Präsident Joe Biden mit. Er forderte die Bürger auf, friedlich und in Einklang mit dem Gesetz auf das Urteil zu reagieren. "Gewalt und die Zerstörung von Eigentum haben in unserer Demokratie keinen Platz", erklärte er.

Schutz vor Plünderern?

In Kenosha waren im Sommer 2020 schwere Proteste ausgebrochen, nachdem dem Afroamerikaner Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz mehrfach in den Rücken geschossen worden war - er überlebte nur knapp. Der mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnete R. reiste daraufhin im August in die Stadt und schloss sich dort bewaffneten Männern an, die nach eigenen Angaben Geschäfte vor Plünderern schützen wollten. Bei Auseinandersetzungen feuerte R. auf drei Männer, von denen zwei starben.

Galionsfigur des rechten Lagers

Nach seiner Festnahme wurde der junge Mann zu einer Art Galionsfigur des rechten Lagers. Auch der damalige Präsident Donald Trump stellte sich hinter den Teenager. Dieser habe "in großen Schwierigkeiten" gesteckt, weil Demonstranten ihn "gewaltsam angegriffen" hätten. Der Fall R. schlug in den USA hohe Wellen und spaltete das Land in Wahlkampf-Zeiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2021 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.