Impfstoff von Johnson & Johnson | REUTERS

Nach Thrombose-Fällen Johnson & Johnson verschiebt Impfstart in Europa

Stand: 13.04.2021 17:28 Uhr

Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verzögert der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung seines Impfstoffs in Europa. Zuvor hatten die Behörden in den USA wegen sechs Thrombosefällen einen Impfstopp empfohlen.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson verschiebt den Marktstart seines Impfstoffs in Europa. Man habe Berichte über Sinusvenenthrombosen erhalten und sich deshalb für die Verzögerung entschieden, teilte der Konzern mit. Die Fälle würden nun mit Experten und den Behörden untersucht.

Zuvor hatten die US-Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Johnson & Johnson-Wirkstoff empfohlen. Bei sechs Menschen in den USA seien zwischen sechs und 13 Tagen nach der Impfung Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden, erklärten die Behörden in einer gemeinsamen Stellungnahme. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, aufgetreten. Es handele sich um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren.

Mehr als 6,8 Millionen Dosen verimpft

Nach Angaben der Behörden wurden bislang mehr als 6,8 Millionen Dosen des Johnson & Johnson-Impfstoffs in den USA verabreicht. Das Vakzin, von dem nur eine Dosis für den Impfschutz ausreicht, hatte Ende Februar seine US-Zulassung erhalten. Die nun empfohlene Aussetzung der Impfungen sei eine Vorsichtsmaßnahme, bis genaue Untersuchungsergebnisse vorliegen, teilten CDC und FDA mit.

Keine Entscheidung für Deutschland

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte, man habe noch nicht entschieden, wie man nach den US-Warnungen vorgehen wolle. "Wir nehmen solche Warnungen immer ernst und gehen ihnen nach." Der Sprecher verwies zudem auf die Zuständigkeit des Paul-Ehrlich-Instituts.

Das Vakzin von Johnson & Johnson war Mitte März auch in der EU zugelassen worden, ist hier aber im Gegensatz zu den USA noch nicht im Einsatz. Die EU-Kommission geht davon aus, dass der Impfstoff kommende Woche an die EU geliefert wird. Insgesamt sollen im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen geliefert werden, gut zehn Millionen davon nach Deutschland.

Das Vakzin von Johnson & Johnson ist bereits der zweite Corona-Impfstoff, bei dem ein Zusammenhang mit dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen vermutet wird. Zuvor hatten bereits einige Länder die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca zeitweise ausgesetzt, darunter auch Deutschland.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2021 um 17:00 Uhr.

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Moderation 13.04.2021 • 21:53 Uhr

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