Eigentümer Ric Griffith vor seiner Apotheke "Griffith & Feil Drug" in West Virginia, USA | Jan Koch
Reportage

US-Staat West Virginia Zum Impfen in die Apotheke

Stand: 18.02.2021 04:23 Uhr

West Virginia ist der führende US-Bundesstaat bei der Verteilung von Corona-Impfstoffen: Er setzt auf Impfungen in Apotheken. In der Kleinstadt Kenova geht die Strategie dank Dorfapotheker Griffith auf.

Von Jan Koch, ARD-Studio Washington

Vor gut 130 Jahren hing neben dem Apothekeneingang noch kein Neon-Schriftzug mit dem Namen des Ladens: "Griffith & Feil Drug". Es war auch kein LED-Schild zu finden, auf dem alle paar Sekunden immer wieder die Jahreszahl 1892 aufstrahlt: das Gründungsjahr der Apotheke, die auch heute noch ihrer Gemeinde Kenova im US-Bundesstaat West Virginia hilft.

Jan Koch

Eigentümer Ric Griffith ist stolz auf seinen kleinen familiengeführten Laden. Die Apotheke war schon immer ein wichtiger Anlaufpunkt für die heute gut 3000 Einwohner der US-Kleinstadt. Und zu Zeiten der Corona-Pandemie ist die Apotheke sogar ein wichtiger Teil von West Virginias Impfstrategie.

Die Apotheke "Griffith & Feil Drug" in West Virginia, USA | Jan Koch

Schneller impfen in den USA - dabei spielen auch Apotheken wie die "Griffith & Feil Drug" eine große Rolle. Bild: Jan Koch

Impfstoff-Verteilung über Apotheken

Der US-Bundesstaat stützt sich vor allem auf unbürokratische Vorortlösungen wie die in Griffiths Apotheke. "Einer unserer Vorteile hier vor Ort ist, dass wir unsere Kunden einfach sehr gut kennen", erklärt er. "Deshalb wissen wir, wer am verwundbarsten ist, wer eine Impfung braucht. Und wir fahren zu denen, die kein Auto haben oder aus gesundheitlichen Gründen nicht ihr Haus verlassen können. So erreichen wir die Leute unkompliziert."

Unkompliziert und unbürokratisch wollen die meisten Staaten ihre Impfungen organisieren - auch mit den bundesweiten Apothekenketten CVS- oder Walgreens. Doch das ist nicht überall ausreichend. West Virginia geht anders vor, erweitert seine Pläne: Das Erfolgsrezept sind weitere Kooperationen mit weiteren Apotheken auf kommunaler Ebene. Je mehr Kooperationen zustande kommen, umso effizienter kann der Bundesstaat den Impfstoff verteilen. Apotheken, die schnell und ohne großen Aufwand impfen können, agierten flexibler als manches Impfzentrum, argumentiert die Regierung.

"Froh, wie reibungslos das bei mir lief"

Flexibel impfen auch Ric Griffith und sein Team in Kenova. Vor allem sei es schön zu sehen, wie zufrieden und freudig Kundinnen und Kunden sind, wenn sie ihre Spritze bekommen, sagt Griffith. Seine Tochter Heidi Romero zum Beispiel, die ebenfalls dort arbeitet, impft zwar hauptsächlich in der Apotheke - fuhr aber auch in andere Orte, erzählt sie: "In West Virginia waren die örtlichen Apotheken essentiell, um den Impfstoff sehr schnell an die Leute zu bringen. Wir wurden beauftragt, zunächst in die Langzeitpflegeeinrichtungen und Kliniken zu gehen und Gesundheitsdienstleister und Lehrer zu impfen."

Nicht nur alte oder besonders kranke Menschen, sondern auch Lehrkräfte oder Mitarbeiter des Gesundheitswesen erhalten somit teilweise schon die zweite Spritze. Joyce Maynard zum Beispiel, die von Heidi Romero erst aufgeklärt wird und dann ihre zweite Dosis erhält. "Ich bin so, froh wie reibungslos das bei mir lief", sagt Maynard. "Und dass ich jetzt vollständig geimpft bin."

Apothekerin Heidi Romero impft eine Kundin. | Jan Koch

Apothekerin Heidi Romero impft eine Kundin. Bild: Jan Koch

West Viriginia führt die Statistik der Geimpften an

Gut acht Prozent der Einwohner West Virginias haben bereits die zweite Spritze erhalten - mehr als in jedem anderen US-Bundesstaat. Durchschnittlich sind es landesweit knapp vier Prozent aller US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner, die bereits zwei Dosen bekommen haben.

Normalerweise ist West Virginia in der Gesundheitsstatistik nicht gerade Tabellenführer: Hier herrscht eine hohe Rate an Fettleibigkeit und auch chronischen Krankheiten. Doch jetzt ist der Bundesstaat führend, was die Pro-Kopf-Verteilung von Corona-Impfstoffen angeht. Manch andere Staaten hinken da wegen ihrer jeweiligen Gesundheitssysteme hinterher. Schuld ist nicht selten eine finanziell dürftige Ausstattung - wie zum Beispiel im Bundesstaat Alabama.

Bidens Impf-Pläne: 100 Millionen in 100 Tagen

US-Präsident Joe Biden will, dass alle Bundesstaaten effizienter impfen. In seinen ersten 100 Tagen - also bis zum 29. April - will er 100 Millionen Corona-Impfungen erreichen. Ein Ziel, das er wohl erreichen dürfte. Doch ab April ist der Plan, die "Open Season" einzuläuten - dass also alle Bevölkerungsgruppen Impfungen erhalten können. Dies gilt als ambitioniert. Schließlich müssen hierfür auch die Bundesstaaten mitspielen und mit ihren eigenen Plänen vorankommen - immer mehr von ihnen suchen Lösungen auf kommunaler Ebene.

An West Virginia und der Apotheke im Städtchen Kenova soll es nicht scheitern. Solange Nachschub kommt, bleiben ihre Kühlschränke nicht lange voll, sagt Griffith: "Wir haben eigentlich keinen Impfstoff länger als zwölf bis 24 Stunden in unserem Geschäft, bevor wir ihn verimpfen."