Ein US-Polizist zu Pferd geht gegen Flüchtlinge vor. | AFP

Empörung über US-Grenzschützer Biden droht Konsequenzen an

Stand: 25.09.2021 01:38 Uhr

US-Präsident Biden hat mit scharfen Worten das Vorgehen berittener Grenzpolizisten gegen Flüchtlinge aus Haiti gerügt. "Diese Leute werden büßen", sagte er. Das Flüchtlingslager in einer texanischen Stadt wurde mittlerweile aufgelöst.

US-Präsident Joe Biden hat sich nach der Kritik über das Vorgehen berittener US-Grenzschützer gegen haitianische Flüchtlinge mit harscher Kritik an den Beamten zu Wort gemeldet. "Das ist empörend", sagte Biden im Weißen Haus. "Ich verspreche Ihnen: Diese Leute werden büßen", fügte der Präsident hinzu. "Es wird Konsequenzen geben." Was dort passiert sei, sei "gefährlich" und "falsch" und sende das falsche Signal aus - national wie international.

Fotos und Videos vom Einsatz berittener Grenzschützer nahe der texanischen Stadt Del Rio an der Grenze zu Mexiko hatten zu Wochenbeginn für Empörung gesorgt. Zu sehen war unter anderem, wie ein Polizist vom Pferd aus einen Haitianer an seinem T-Shirt packt. Auf anderen Bildern wirkt es so, als würden Polizisten drohend ihre langen Zügel schwingen. US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas erklärte daraufhin, eine Untersuchung der Vorfälle laufe. Auch Biden verwies auf diese Untersuchung.

15.000 unter einer Brücke

Tausende Haitianer hatten versucht, von Mexiko aus in die USA zu gelangen. Für Aufsehen sorgten Bilder von zeitweise mehr als 15.000 Menschen, die in Del Rio unter einer Brücke ausharrten. Dieses Lager sei nun aufgelöst, teilte das Heimatschutzministerium mit. Die letzten der überwiegend haitianischen Migranten hätten den Ort entweder selbst verlassen oder seien fortgebracht worden.

Zuletzt hatten sich nur noch etwa 225 Menschen in dem provisorischen Camp aufgehalten. Der Bürgermeister von Del Rio, Bruno Lozano, nannte die Räumung des Lagers eine "phänomenale Nachricht". Vielen der Haitianern droht eine Abschiebung in ihre Heimat.  

8000 gingen wohl freiwillig zurück

Seit Freitagmorgen gebe es keine Migranten mehr in dem Lager unter der Del-Rio-Brücke, sagte Mayorkas vor Journalisten im Weißen Haus. Rund 2000 Menschen seien mit 17 Abschiebeflügen zurück nach Haiti gebracht worden, sagte er. Andere seien in Unterkünfte entlang der Grenze gebracht worden. "Viele von ihnen werden von dort nach Haiti zurückgebracht werden", fügte der Minister hinzu.

Schätzungen zufolge seien 8000 Migranten freiwillig über die Grenze nach Mexiko zurückgegangen, sagte Mayorkas. Rund 12.400 Menschen würden von Einwanderungsrichtern angehört, um zu entscheiden, ob sie in den USA bleiben dürften oder nicht. In 5000 weiteren Fälle prüfe die Heimatschutzbehörde eine mögliche Rückführung. Insgesamt seien seit dem 9. September 30.000 Migranten in der kleinen Grenzstadt angekommen.

Kritik von der Unicef

Doch auch dieses Vorgehen stößt in der Demokratischen Partei auf scharfe Kritik. Die Haitianer suchten in den USA nach humanitärem Schutz, nachdem die Regierung jüngst den Schutz für etwa 100.000 Haitianer ausgeweitet hatte, die sich bereits in den USA befanden. Doch galt dies nicht für Neuankömmlinge aus dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre.

Die USA und Mexiko bemühten sich um eine Beendigung der zunehmend politisierten humanitären Situation an der Grenze. Diese führte zum Rücktritt des Sondergesandten der US-Regierung für Haiti aus Protest gegen eine "inhumane" Deportation haitianischer Migranten aus den USA in ihre Heimat, und zog Kritik unter anderen durch Unicef nach sich.

Karte: Del Rio, Texas, an der mexikanischen Grenze

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2021 um 04:50 Uhr.