Roberta Kaplan | picture alliance/AP Images

Affäre um Gouverneur Cuomo "Time's Up"-Vorsitzende tritt zurück

Stand: 10.08.2021 07:49 Uhr

Die Belästigungsvorwürfe gegen New Yorks Gouverneur Cuomo haben weitere Folgen: Die Anwältin Kaplan tritt von ihrem Vorsitz der Frauenorganisation "Time's Up" zurück. Sie hatte ausgerechnet Cuomos Seite vertreten.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Es mutet verdreht an: Ausgerechnet die Kanzlei der Chefin der Frauenorganisation "Time's Up" hatte Gouverneur Andrew Cuomo bei seiner Verteidigung beraten, als im vergangenen Jahr die ersten Anschuldigungen gegen ihn aufkamen. Roberta Kaplan vertrat auch Cuomos Top-Beraterin Melissa deRosa. Die enge Vertraute des Gouverneurs hatte einen Tag zuvor die Kündigung eingereicht.  

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Im Untersuchungsbericht der New Yorker Staatsanwaltschaft gehörte auch sie zu einer Gruppe loyaler Mitarbeiterinnen, die mithilfe von Juristin Kaplan aktiv gegen ein mutmaßliches Opfer vorgingen, um den Gouverneur vor deren Anschuldigungen zu schützen.

Melissa DeRosa sitzt neben New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo bei einer Pressekonferenz. | EPA

Melissa DeRosa sitzt neben New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo bei einer Pressekonferenz. Bild: EPA

Kaplan soll mutmaßliches Opfer diskreditiert haben

Kaplan erklärte laut "New York Times" in ihrem Kündigungsschreiben: Sie trete ungern vom "Time's Up"-Vorsitz zurück. Doch das vertrage sich nicht mit ihrer Arbeit als aktiver Anwältin. Die Bewegung war vor drei Jahren in Folge des Skandals um Filmmogul Harvey Weinstein und der "#MeToo"-Bewegung von Schauspielerinnen und Produzentinnen aus Hollywood gegründet worden. Sie richtet sich gegen die Diskriminierung von Frauen und sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt. Kaplan ist auch Mitbegründerin eines Fonds zur Verteidigung von Opfern sexueller Übergriffe.

Im Untersuchungsbericht der New Yorker Staatsanwaltschaft wird ihr nun jedoch vorgeworfen, dass sie dabei half, die erste Frau zu diskreditieren, die Gouverneur Cuomo sexuelle Belästigung vorwarf.

Der Report kam zu dem Schluss, dass Cuomo insgesamt elf Frauen innerhalb und außerhalb seiner Regierung sexuell belästigt habe. Die Frauen hätten angegeben, dass der demokratische Gouverneur sie gegen ihren Willen berührt, ihr Aussehen kommentiert oder Anspielungen über ihr Liebesleben gemacht habe.

Andrew Cuomo, der Gouverneur von New York, bei einer Pressekonferenz (Bild vom 19.02.2021). | AP

Cuomo streitet alle Vorwürfe ab. Bild: AP

"Was er mir angetan hat, ist ein Verbrechen"

Gestern äußerte sich eine der betroffenen Frauen im Fernsehsender CBS: "Was er mir angetan hat, ist ein Verbrechen", sagte Cuomos Ex-Chefassistentin Brittany Commisso. Er habe sie zwei Mal während der Arbeit begrapscht. "Der Gouverneur muss zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Commisso. Er habe "das Gesetz gebrochen". Cuomo habe vielleicht gedacht, das sei normal, sagte sie. "Aber für mich und die anderen Frauen, denen er das angetan hat, war das nicht normal. Es war nicht erwünscht, und es war gewiss nicht einvernehmlich."

Cuomo streitet sämtliche Vorwürfe vehement ab. Er wehrt sich dagegen, sein Amt niederzulegen. Der Demokrat war lange dafür gelobt worden, wie er New York durch die schlimmste Corona-Krise geführt hat. Er galt sogar zeitweise als künftiger Präsidentschaftskandidat. Nun fordern zahlreiche prominente Politiker von Republikanern und Demokraten seinen Rücktritt - bis hin zu US-Präsident Joe Biden. Auch die Mitglieder des Justiz-Komitees im Parlament des Bundesstaates New York berieten über das weitere Vorgehen. Sie wollen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Cuomo einleiten.

Über dieses Thema berichtete B24 Aktuell am 10. August 2021 um 07:12 Uhr.