Andrew Cuomo spricht auf einer Pressekonferenz in New York City. | AP

New Yorks Gouverneur Cuomo Untersuchung bestätigt Belästigungsvorwürfe

Stand: 04.08.2021 00:27 Uhr

New Yorks Gouverneur Cuomo soll einer Untersuchung zufolge mehrere Frauen sexuell belästigt haben. Er habe eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" geschaffen und ein "Klima der Angst". Cuomo weist die Vorwürfe zurück.

Über Jahre habe New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo Grenzen überschritten und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt. Es habe ungewollte Berührungen gegeben, Küsse, Umarmung, unangebrachte Kommentare und einer Mitarbeiterin habe er während eines Dienstfluges vorgeschlagen, "Strip Poker" zu spielen. Zudem habe Cuomo eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" geschaffen und ein "Klima der Angst", so die zuständige Generalstaatsanwältin Lititia James.

"Die unabhängige Untersuchungskommission hat herausgefunden, dass Gouverneur Andrew Cuomo eine Vielzahl von Frauen sexuell belästigt und so gegen Landes- und Bundesrecht verstoßen hat", sagte James.

Für die Untersuchung sei mit fast 180 Zeugen gesprochen worden. Und mehr als 7000 Beweismaterialien gesichtet worden, hieß es. Daraus sei "ein sehr verstörendes, aber klares Bild" entstanden. "Diese elf Frauen waren in einen toxischen Arbeitsumfeld. Und wir sollten diesen Frauen glauben", so James. "Wir müssen dafür sorgen, dass sie sicher sind an ihrem Arbeitsplatz. Dies Untersuchung hat ein verstörendes Muster gezeigt in dem Büro des Gouverneurs von New York."

"Die Fakten sind ganz anders als hier dargestellt"

Cuomo wies die Vorwürfe kurz nach der Pressekonferenz per Videobotschaft erneut zurück. "Die Fakten sind ganz anders als sie hier dargestellt werden", sagte der Gouverneur. "Ich will, dass Sie direkt von mir hören, dass ich niemals jemanden unangemessen berührt oder mich jemandem unangemessen genähert habe. Ich bin 63 Jahre alt. Ich habe mein gesamtes Erwachsenenleben im Auge der Öffentlichkeit verbracht. Das entspricht einfach nicht dem, der ich bin, oder der ich jemals war."

Cuomo entschuldigte sich erneut bei einigen der Frauen. Er habe nur helfen und Dankbarkeit und Freundschaft ausdrücken wollen. Er übernehme die Verantwortung und wolle Veränderungen herbeiführen. So habe er beispielsweise einen Experten engagiert, der sein komplettes Team fortbilden solle.

Einen möglichen Rücktritt, den auch Parteikollegen immer wieder gefordert hatten, thematisierte Cuomo in der Videobotschaft nicht. Seine Entgegnung auf die Untersuchung legte er auch noch einmal in einem 85-seitigen Bericht seiner Anwältin dar, den er am Dienstag veröffentlichte.

Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses von New York kündigte ein rasches Amtsenthebungsverfahren an. "Es ist mir mehr als deutlich klar geworden, dass der Gouverneur das Vertrauen der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hat, und dass er nicht länger im Amt bleiben kann", erklärte der Demokrat Carl Heastie nach einem Treffen mit seinen Kollegen. "Sobald wir die notwendigen Dokumente und Beweise von der Generalstaatsanwältin bekommen haben, werden wir rasch handeln und unsere Amtsenthebungsuntersuchung so schnell wie möglich abschließen."

Biden und Pelosi fordern Rücktritt

Cuomo war dafür gefeiert worden, wie er New York durch die schlimmste Phase der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr geführt hat. Er wurde sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt.

Doch seit einigen Monaten steht er in der Kritik. Etliche Politiker aus den Reihen seiner demokratischen Partei kritisierten seinen Führungsstil. Viele fordern seinen Rücktritt. Nach der neuen Untersuchungen auch unter anderem New Yorks Bürgermeister de Blasio und die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Auch US-Präsident Joe Biden forderte Cuomo zum Rücktritt auf. "Ich denke, er sollte zurücktreten", sagte Biden über seinen New Yorker Parteifreund.

"Der Bericht spricht für sich selbst"

Ihre Arbeit sei damit abgeschlossen, sagte die Generalstaatsanwältin James. "Der Bericht spricht für sich selbst", sagte sie. Es habe sich um eine zivile Untersuchung gehandelt. Strafrechtliche Konsequenzen seien möglich. Aber sie kämen nicht automatisch. "Für die nächsten Schritte ist komplett der Gouverneur oder die Öffentlichkeit zuständig. Aber die Arbeit der Generalstaatsanwaltschaft ist abgeschlossen." 

Neben den Vorwürfen sexueller Belästigungen droht Cuomo noch weiterer Ärger. Er soll die Bilanz der Corona-Toten in New Yorker Pflege- und Altenheimen manipuliert haben.

Mit Informationen von Carsten Schabosky, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2021 um 22:00 Uhr.