Panorama-Blick auf die Skyline des New Yorker Stadtteils Manhattan | AFP

New York Neue Mutationen im Abwasser entdeckt

Stand: 09.02.2022 08:43 Uhr

Forscher haben im Abwasser von New York Hinweise auf Corona-Mutationen gefunden, die möglicherweise Resistenzen gegen bestimmte Impfstoffe entwickelt haben. Noch bestehe jedoch kein Grund zur Sorge.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Auf der Suche nach Covid-Spuren überwachen seit eineinhalb Jahren Forscher der City University of New York das Abwasser der Metropole. Sie verfolgen die Menge der ausgeschiedenen Spuren, die in den verschiedenen Vierteln zirkuliert. Viele Städte tun so etwas. Doch die New Yorker Forscher haben seit geraumer Zeit verdächtige Virus-Funde gemacht und unter die Lupe genommen.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Die Entdeckung beunruhigt den Virologen John Dennehy und sein Team: "Beim Sequenzieren konnten wir die Covid-Varianten identifizieren, die New York gerade beschäftigen. Aber darüber hinaus sind wir auf Virus-Fragmente gestoßen, die eine einzigartige Konstellation von Mutationen aufweisen. Diese Struktur, die wir in dieser New-York-Variante gefunden haben, die wurde noch nirgends auf der ganzen Welt gesehen."

Resistenzen gegen Antikörper und Impfstoffe

Möglich sei, dass sich das Virus bereits darauf vorbereiten könnte, in neuer Gestalt das Immunsystem zu überrumpeln, sagt das Forscherteam, in dem auch Virologen aus weiteren US-Staaten sind. Noch machten die gefundenen Spuren nicht den Anschein, als seien sie unmittelbar bereit für eine neue Pandemie-Welle. Ihr Anteil im Abwasser sei zusammen mit den Fallzahlen in New York gestiegen und gefallen.

Dennoch gebe es Anlass zur Wachsamkeit, sagt Monica Trujillo, Mikrobiologin am Queensborough Community College: "Wir haben Mutationen entdeckt, die Resistenzen gegen Antikörper oder bestimmte Impfstoffe entwickelt haben. Und die sogar von einer anderen Quelle als einem Menschen übertragen werden könnten."

Herkunft noch unklar

Diese Frage nach der Quelle beschäftigt die Wissenschaftler besonders: Wo kommen die sogenannten kryptischen Spuren her? Die Forscher überprüften 5000 andere Abwasserproben weltweit - die neuen Spuren fanden sie jedoch lediglich in sieben Proben, alle aus New York. Und dort tauchten sie auch nur in einigen Stadtteilen auf. Die Mutation sei in bislang keinem getesteten Patienten nachgewiesen worden.

Möglich sei, dass die mysteriösen Spuren aus Ausscheidungen von chronisch infizierten Menschen stammten. Doch vielmehr vermuten die Forscher, dass das entdeckte Virus von Tieren stammen könnte, sagt Virologe Donnehy: "Wir fanden im Abwasser natürlich Spuren von Tierarten, die Menschen gegessen haben: Kuh, Schwein, Huhn, Schaf, Lachs. Aber all diese Tiere leben nicht in New York City und können daher nicht Quelle sein. Anders Ratten, Katzen und Hunde."

Doch obwohl sich Katzen und Hunde bekanntlich mit Covid infizieren können, kommen sie bei der Suche nach der Quelle des Mutanten nicht infrage. Ohne Erfolg suchten die Wissenschaftler auch nach Anzeichen in Blut- und Fäkalienproben lokaler Ratten.

Keine unmittelbare Gefahr

Das Rätsel bleibe also weiter offen. "Solange wir die Quelle für diesen Mutanten nicht kennen und nicht besser verstehen, was wir da sehen, können wir auch nicht ausschließen, dass diese Variante irgendwann einmal Konsequenzen nach sich ziehen wird", sagt Donnehy.

Noch scheinen sich die neuen Abstammungsspuren nicht von Viertel zu Viertel auszubreiten. Es bestehe kein Grund zur Annahme, dass es unmittelbar gefährlich für den Menschen sei, sagt Mikrobiologin Trujillo. "Es gibt überhaupt keinen Beweis dafür, dass die Virus-Partikel, die wir aus dem Abwasser isoliert haben, in irgendeiner Form infektiös sind. Es ist für uns wichtig, die Leute nicht damit zu beunruhigen, dass sie sich durch das Abwasser infizieren könnten."

Doch irgendwann sei auch die Omikron-Variante aus dem Nichts gekommen. Und sie teile einige ihrer Mutationen mit der unbekannten Variante aus New York. Das Forscherteam will dem Rätsel ihres Ursprungs nun verstärkt nachgehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Februar 2022 um 12:44 Uhr.