In Los Angeles wird an einem Baseball-Stadium die Corona-Impfung angeboten | USA TODAY Sports

USA Die Pandemie der Ungeimpften

Stand: 21.07.2021 16:05 Uhr

Das Impfziel in weiter Ferne, die Infektionszahlen im steilen Anstieg: In den USA verstärkt die Regierung die Werbung für die Impfung. Doch die Spritze gegen das Virus ist längst Teil des politischen Kulturkampfes geworden.

Von Stefanie Germann, ARD-Studio Washington

Die "Einschläge" sind nun im Weißen Haus angekommen: Fast beiläufig bestätigte die Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki, dass ein ranghohes Mitglied der Regierung positiv auf Corona getestet wurde. Die Person habe nur milde Symptome, weil sie zweifach geimpft war. Und man sei im Weißen Haus auf weitere derartige Fälle vorbereitet.

Die Delta-Variante verbreitet sich in den USA rasant. Die Direktorin der obersten Gesundheitsbehörde, Rochelle Walensky, legte beunruhigende Zahlen vor: Der Delta-Anteil bei den Neuinfektionen liege mittlerweile bei 83 Prozent, Anfang Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. “Das ist ein dramatischer Anstieg”, so die Ärztin, "und er ist sogar noch deutlich höher dort, wo die Impfrate gering ist".

Längst ist Corona in den Vereinigten Staaten zur Pandemie der Ungeimpften geworden. Allein in den vergangenen zwei Wochen ist laut "New York Times" die Zahl der Neuinfizierten um 198 Prozent in die Höhe geschnellt. In seiner Kabinettssitzung zeigte sich Präsident Joe Biden besorgt. Fast alle Covid-Toten und alle Fälle im Krankenhaus seien ungeimpft gewesen, betont der Präsident und wiederholt den Satz eindringlich: "Fast alle dieser Fälle sind ungeimpfte Menschen!"

Werbung an allen Orten

Lasst! Euch! Impfen! Das ist das Mantra seit Wochen. Der US-Chefvirologe Anthony Fauci drehte vergangene Woche mit dem Popstar Olivia Rodrigo Instagram-Posts und warb für den Piks als "Fauci-Autschi". Impfwerbung taucht in Fernsehspots auf, sie klebt an Bussen und in Schaufenstern.

Doch die Covid-Impfung, so einfach sie gefühlt an fast jeder Straßenecke zu bekommen ist, ist längst ein parteipolitisches Propaganda-Instrument. Demokrat = geimpft, Republikaner (und erst recht Trump-Anhänger) = ungeimpft. In vielen Staaten ist das die simple Gleichung.

 In Los Angeles weist ein Mann mit einem Schild den Weg zu einer mobilen Impfstation | EPA

Hier geht es lang: In Los Angeles weist dieser Mann mit einem Schild den Weg zu einer mobilen Impfstation. Bild: EPA

Hannity überrascht

Umso beeindruckender ist daher ein TV-Statement von Sean Hannity im konservativen Sender Fox News. Hannity, eigentlich stramm konservativ und glühender Verehrer von Trump, heißt plötzlich die Impfung gut: "Bitte nehmen Sie Covid ernst!", appelliert er, “zu viele Menschen sind gestorben, ich glaube an die Wissenschaft und an das Impfen." Dass ausgerechnet Hannity so etwas sagt, kommt in der US-amerikanischen Medienwelt einer Sensation gleich.

Es zeigt, wie ernst die Lage in den Vereinigten Staaten ist. Bislang haben noch nicht mal knapp die Hälfte der Bundesstaaten die von Biden angestrebte Impfquote von 70 Prozent erreicht. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Juli 2021 um 07:53 Uhr.