Zwei Kinder zeigen Plakate für eine Maskenpflicht an US-Schulen. | AP

Maskenpflicht in US-Schulen Der Kampf um die Maske

Stand: 14.08.2021 12:42 Uhr

Soll in den USA nach den Ferien eine Maskenpflicht an Schulen gelten? Die meisten Republikaner sind dagegen, die meisten Demokraten dafür. Und die Gesundheitsbehörde empfiehlt Masken schon im Kindergarten.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio Washington

"Wir wissen, wer du bist", brüllt ein Mann ohne Maske einem Vater entgegen. "Wir werden dich finden!" Angefeuert wird er von Dutzenden Masken-Gegnern und -Gegnerinnen, die sich vor einem Gebäude im beschaulichen Williamson County im US-Bundesstaat Tennessee versammelt haben. Sie stürmen auf die Menschen zu, die das Gebäude verlassen, blockieren ihre Fahrzeuge und reißen Plakate in die Luft, auf denen steht: Widerstand ist Pflicht. So zeigt es der Fernsehsender CNN.

Franziska Hoppen ARD-Studio Washington

Mehr als nur ein Stück Stoff

In dem Gebäude hat soeben der Schulausschuss für Williamson County abgestimmt - für eine Maskenpflicht in Grundschulen mit Beginn des neuen Schuljahres bis voraussichtlich zum 21. September. Die Eskalation nach der Abstimmung zeigt: Es geht längst nicht mehr nur um ein Stück Stoff.

Um die Maske ist eine politische Kontroverse entbrannt. Und die Debatte, ob Kinder sie zum Beginn des neuen Schuljahres tragen sollen oder nicht, wird hitziger geführt denn je. Nicht nur in Tennessee.

Florida untersagt Maskenpflicht

Im Bundesstaat Florida liefert sich der republikanische Gouverneur Ron DeSantis zurzeit einen Showdown mit Schulen. "Wir finden, dass die Eltern zu entscheiden haben, ob ihre Kinder Maske tragen sollen oder nicht", sagt DeSantis. Individuelle Freiheit komme vor der Einmischung des Staates.

Tatsächlich aber hat DeSantis sich selbst eingemischt - und die Maskenpflicht an Schulen verboten. Wie hieb- und stichfest seine Anordnung juristisch ist, ist fraglich. Aber mehrere Schulbezirke kündigten bereits an, sich ihm zu widersetzen und sehr wohl zu fordern, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer Maske tragen. DeSantis drohte daraufhin, den Schulen finanzielle Mittel und Gehälter zu kürzen.

 

72.000 infizierte Kinder in einer Woche

Aus Angst um die Gesundheit ihrer Kinder sind nun Eltern gegen die Anordnung vor Gericht gezogen. Auch Judi Hayes. "Wir sind frustriert, wir haben Angst, wir sind wütend", sagt Hayes einem Lokalsender in Florida. "Und wir werden das nicht hinnehmen. Wir werden DeSantis bekämpfen - so lange wie nötig."

Es sind harte Worte. Doch Florida hat die Delta-Variante auch besonders hart getroffen: Laut dem Verband der Kinderärzte haben sich in den gesamten USA binnen einer Woche 72.000 Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus angesteckt. Fünfmal so viele wie im vergangenen Monat. Und nirgends werden so viele Kinder im Krankenhaus behandelt wie in Florida.

 Biden kritisiert die Gouverneure

Nun ist der Streit um die Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler - den auch die republikanischen Gouverneure in Texas, South Carolina und Iowa ausfechten - ins Weiße Haus geschwappt. US-Präsident Joe Biden schaltete sich ein: "An die Bürgermeister, Schulleiter, Lehrer und Gemeindeleiter, die sich den Gouverneuren widersetzen, die den Maskenschutz für Kinder politisieren: Danke!" DeSantis konterte: Biden habe das Virus mit den offenen Grenzen ins Land importiert.

Das Hickhack gleicht einem Machtkampf. Der Gouverneur wird unter Republikanern als Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl gehandelt. Zu seinem Fan-Shop gehören T-Shirts mit der Aufschrift "Wie soll ich mein Bier mit Maske trinken", oder, in Anlehnung an den Immunologen Anthony Fauci: "Don’t Fauci my Florida".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2021 um 06:40 Uhr.