Ein Patient wird in Grants Pass (US Bundesstaat Oregon) in die Notaufnahme eingeliefert. | AP

Corona in den USA Volle Krankenhäuser - und Sorgen um Kinder

Stand: 01.09.2021 16:22 Uhr

Die nachlassende Impfbereitschaft in den USA zeigt sich in den Krankenhäusern. Vor allem im Süden sind kaum noch Intensivbetten frei, das Material wird knapp. Und auch die Kinderkrankenhäuser schlagen Alarm.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio Washington

Der Sohn von Michelle Puget ist wegen Corona gestorben. Nicht, weil er sich selbst mit dem Virus infiziert hatte. Sondern weil alle Krankenhäuser in seiner Umgebung so voll mit Covid-Patienten waren, dass es kein freies Intensivbett mehr für den 46-Jährigen gab. Das erzählt seine Mutter dem Fernsehsender CNN, eine ältere Dame, den Tränen nahe.

Franziska Hoppen ARD-Studio Washington

Die Ärzte hätten alle Krankenhäuser in fünf Bundesstaaten abtelefoniert, sagt Puget - vergebens. Die Bauchspeicheldrüsenentzündung ihre Sohnes wäre leicht zu behandeln gewesen. Aber nach Stunden ohne den notwendigen Eingriff versagten schließlich die Organe des Mannes. "In jeder Minute, in der er kein Intensivbett bekam, ist er gestorben", sagt seine Mutter.

Weil täglich in den USA rund 11.500 Corona-Infizierte ins Krankenhaus müssen, ist das Gesundheitssystem in manchen Staaten völlig überlastet. In den Südstaaten Alabama, Georgia, Texas, Florida und Arkansas sind nur noch etwa zehn Prozent der Intensiv-Betten frei. Und nun werden mancherorts auch noch die Materialien knapp, sagt Dr Nek Nazary, Arzt in Florida, in einem Interview mit ABC News. "Wir haben Angst, dass wir im Krankenhaus bald keinen Sauerstoff mehr haben. Wir haben so gut wie keine Tests und wir haben jetzt schon keinen Platz mehr."

In der Tiefgarage eines Krankenhauses in Jackson (US-Bundesstaat Mississippi) werden Zelte für die Notbehandlung von Covid-Patienten errichtet. | AP

Und wieder werden Zelte für die Notbehandlung von Corona-Patienten errichtet - wie hier in der Tiefgarage eines Krankenhauses in Jackson. Bild: AP

Es trifft vor allem Ungeimpfte

Voll sind die Krankenhäuser vor allem mit ungeimpften Patienten. Einrichtungen in 40 Staaten meldeten, dass vollständig Geimpfte lediglich zwischen 0,1 Prozent und fünf Prozent aller Fälle ausmachten. Eine aktuelle Studie der Gesundheitsbehörde CDC stützt das: Die Wahrscheinlichkeit ins Krankenhaus zu müssen sei für Ungeimpfte 29 mal höher als für Geimpfte. Top-Virologe Anthony Fauci wiederholt sich: Wenn sich noch alle impfen lassen würden, die die Möglichkeit dazu hätten, "dann könnten sie sehen, dass sich die Dynamik des Ausbruchs dramatisch ändern würde."

Doch einige Amerikaner vertrauen dem Vakzin nicht. Sie setzen lieber auf Mittel, von denen sie im Internet gelesen haben. Ivermectin zum Beispiel, ein Parasitenmittel, das normalerweise Pferden und Kühen gespritzt wird. Laut CDC wurde es seit Anfang Juli plötzlich knapp 90.000 mal verschrieben. Tests im Zusammenhang mit Covid-19 hatten laut CDC aber keinerlei Ergebnisse gebracht. "Tu es nicht", empfiehlt Fauci.

Kinder ohne Schutz

Besonders ungewiss ist die Situation nun für Kinder. Es gilt zwar immer noch, dass sie viel milder erkranken als Erwachsene. Dennoch werden aktuell mehr Kinder und Jugendliche als jemals zuvor in der Pandemie im Krankenhaus behandelt: Im August mehr als 52.000. Das überrascht nicht. Die Impfung ist in den USA erst ab 12 Jahren zugelassen.

Und da nun Schulkinder wieder in Klassenzimmern zusammenkommen, manchmal ohne Maskenpflicht, breitet sich die Delta-Variante rasch aus: Laut Verband der Kinderärzte wurden kurz nach Schulbeginn rund 180.000 Kinder positiv auf Corona getestet. Etliche mehr dürften in Quarantäne sein.

Appell der Krankenhäuser

Der Verband der Kinderkrankenhäuser veröffentlichte nun einen dramatischen Appell in der "New York Times" an alle, die können, sich impfen zu lassen. In dem Artikel wiesen sie auf die steigende Zahl von Covid-Fällen unter Heranwachsenden, aber auch von Atemwegserkrankungen etwa durch den RSV-Erreger und die anhaltend hohe psychische Belastung von Jugendlichen hin. Die Kinderkrankenhäuser seien am Rande ihrer Kapazitäten angelangt und das Gesundheitsnetz für Kinder auf beispiellose Weise bedroht.

Immerhin: die Impfkampagne zieht in den USA nun langsam doch wieder an - vielleicht auch wegen der erschreckenden Bilder aus überfüllten Krankenhäusern. Im Schnitt ließen sich zuletzt 900.000 Menschen pro Tag impfen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 01. September 2021 um 15:51 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 01.09.2021 • 21:45 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation