Ned Price | picture alliance / ASSOCIATED PR

Bericht über Hyperschallrakete USA "in großer Sorge" nach Test in China

Stand: 19.10.2021 17:08 Uhr

China dementiert Berichte über Hyperschallraketen-Tests - doch der Erklärung "zivile Raumfahrt" schenken US-Experten keinen Glauben. Das Außenamt reagiert besorgt, Armee-Vertreter fürchten schon um die US-Vormacht.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Damit hatten offensichtlich weder das US-Militär noch die Geheimdienste gerechnet. Dass China mit nuklearfähigen Hyperschallwaffen experimentiert - Waffen, die zumindest theoretisch das US-Abwehrsystem ausschalten und Ziele auf dem nordamerikanischen Kontinent treffen könnten. Die Reaktion aus dem Pentagon fiel dementsprechend schmallippig aus.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Und auch der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, zeigte sich beunruhigt: "Wir haben schon immer gesagt, wir sind in großer Sorge über die schnelle Ausweitung des chinesischen atomaren Potentials." Dazu gehörten auch die neuartigen Transportsysteme, so Price. Umso mehr, da es bei China an Transparenz mangele.

Die "Financial Times" hatte zuvor unter Berufung auf fünf anonyme Quellen berichtet, dass China eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete getestet habe. Die Rakete sei bei niedriger Umlaufbahn einmal um die Erde gekreist und habe dann ihr Ziel um etwa 15 Kilometer verfehlt, heißt es in dem Bericht.

Die chinesische Regierung hatte den Bericht umgehend dementiert und erklärt, es habe sich um ein Routine-Experiment mit einem Raumschiff gehandelt.

MIT-Experte geht von Flugkörpersystem aus

"Die Antwort ist merkwürdig, weil diese Organisation typischerweise ihre Weltraumstarts in ihren sozialen Netzwerken ankündigt", sagt Taylor Fravel, Experte für internationale Sicherheit vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), auf CNN. Er glaubt nicht an ein harmloses Raumschiffexperiment.

"China hat ein sogenanntes Flugkörpersystem zum Bombenabwurf getestet. Damit kann eine Rakete im Weltraum positioniert werden, vom Orbit aus ihr Ziel anvisieren und damit enorm ihre Reichweite verlängern", sagt Fravel. "Außerdem kann damit die Richtung der Rakete verändert werden. Statt über den Nordpol kann diese Rakete über den Südpol fliegen und so dem US-Raketenabwehrsystem ausweichen."

Kongress-Abgeordnete sind alarmiert

Hyperschallwaffen sind besonders schwer abzufangen, weil sie mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Sowohl Nordkorea als auch Russland testen bereits ähnliche Technologien. Auch die USA sitzen an der Entwicklung von Hyperschallwaffen, scheinen jedoch den anderen etwas hinterherzuhinken.

Der Stabschef der US-Luftwaffe, Charles Brown junior, warnte vor kurzem bei einer Tagung davor, dass die Überlegenheit der US-Luftwaffe in den nächsten Jahren schwinden könne: "China arbeitet aktiv daran, unseren Wettbewerbsvorteil auszuhöhlen. Für die chinesische Regierung steht die nationale Sicherheit im Vordergrund", sagte er und führte aus: "Dazu gehören wirtschaftliche Reformen, Modernisierung von Waffen und Reformen von Strategien, Doktrinen, Rekrutierung, Training und die Entwicklung menschlichen Kapitals."

Nicht nur das Verteidigungsministerium ist beunruhigt, auch US-Kongressabgeordnete sind alarmiert. Für Mike Gallagher, republikanischen Abgeordneten aus Wisconsin, sind die chinesischen Tests ein Weckruf: Er erklärte eindringlich, wenn die USA an ihrem untätigen Kurs festhielten, dann würden sie den neuen Kalten Krieg mit China innerhalb dieses Jahrzehnts verlieren.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 19. Oktober 2021 um 16:51 Uhr.