Flaggen der USA und Chinas | AP

US-chinesische Beziehungen Frostiger Empfang in Alaska

Stand: 18.03.2021 10:39 Uhr

Die Außenminister Chinas und der USA treffen sich zum ersten Mal seit dem Amtsantritt von US-Präsident Biden. Die Beziehungen beider Länder waren zuletzt auf einen Tiefpunkt gesunken. Und das liegt nicht nur an Donald Trump.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Es ist zurzeit kalt in Anchorage - um die minus zehn Grad Celsius sind es derzeit in der größten Stadt Alaskas tagsüber. Es passt also ins Bild, dass sich die Vertreter Chinas und der USA ausgerechnet dort treffen. Denn auch die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik sind frostig.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Analystinnen und Analysten sind sich weitgehend einig: So schlecht wie heute stand es noch nie um die chinesisch-amerikanische Zusammenarbeit seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Und das ist 42 Jahre her.

Viele Streitpunkte

Beim Außenministertreffen in Anchorage werde es zunächst darum gehen, auszuloten, wie sich beide Seiten die künftigen Beziehungen überhaupt vorstellen, sagt Shao Yuqun, Politologin am staatlichen Institut für Internationale Studien in Shanghai. Sie spricht von einem ersten Testlauf.

Chinas kommunistische Führung und die US-Regierung liegen in zahlreichen Themen über Kreuz: bei Wirtschaft und Handel, beim Technologie-Wettbewerb und bei der Frage nach dem Ursprung der Corona-Pandemie etwa. Streit gibt es außerdem über Chinas militärisches Aufrüsten im Südchinesischen Meer, über die offenen Kriegsdrohungen der kommunistischen Führung gegenüber Taiwan, über das - de facto - Ende der Autonomie in Hongkong und beim Dauer-Thema Menschenrechte.

USA prangern Menschenrechtslage in China an

Um die Menschenrechte steht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr in der Volksrepublik. Anders als die Bundesregierung und andere EU-Staaten prangert die US-Regierung die katastrophale Menschenrechtslage in China auch immer wieder prominent und deutlich an - sehr zum Ärger der Führung in Peking.

Dass nach der Regierung von Donald Trump nun auch das Team von US-Präsident Joe Biden eine harte Haltung gegenüber Chinas Staats- und Parteifühung hat, zeigte sich bereits während der Amtsübergabe im Januar: Wie sein Vorgänger Mike Pompeo sei auch er der Meinung, dass es sich bei der Unterdrückung der Uiguren in China um einen Genozid, einen Völkermord der chinesischen Führung handele, hatte der neue US-Außenminister Antony Blinken gesagt.

Blinken wird gemeinsam mit dem Nationalen Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, nun nach Alaska reisen. Die beiden treffen dort auf Chinas Außenminister Wang Yi und auf Yang Jiechi, den Nummer-Eins-Außenpolitiker der kommunistischen Führung.

Konflikte durch US-Regierungswechsel nicht geändert

China und die USA stünden sich konkurrierend gegenüber, es gebe Kontroversen. Aber es gebe eben auch mögliche Bereiche der Zusammenarbeit, so blickte vor einigen Tagen Ned Price auf das Treffen in Anchorage, der Sprecher des US-Außenministeriums.

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten könnten China und die USA zumindest beim Kampf gegen die Covid-19-Pandemie zusammenarbeiten, hofft die Politologin Shao Yuqun vom staatlichen Institut für Internationale Studien in Shanghai. Außerdem beim Klimaschutz und bei der Stärkung der Weltwirtschaft nach der Corona-Krise.

Entscheidend aber ist: An den grundsätzlichen Konflikten zwischen den beiden Supermächten hat der Regierungswechsel in Washington nichts geändert. Das sagt auch Dan Wang, Analyst bei der Beratungsfirma Gavekal Dragonomics in Shanghai. "Die chinesische Seite wird beim Treffen in Alaska ihre Standpunkte sehr vehement vortragen und die Amerikaner werden das genauso machen", sagt Dan Wang. "Dieses Treffen allein wird die US-chinesischen Spannungen also nicht beseitigen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. März 2021 um 14:00 Uhr sowie B5 aktuell um 16:18 Uhr.

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KOMMENTARE

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Vielfalt. 18.03.2021 • 19:34 Uhr

@18:29 von derkleineBürger

Es ist eben völlig egal ob in den USA ein Trump oder ein Biden regiert - sind doch eh von der gleichen Partei & vertreten die gleichen Standpunkte. Sie verwechseln die USA mit dem Einparteienstaat China. In den USA haben die kleinen Bürger die Möglichkeit Regierungswechsel herbeizuführen. Aber Ihr Herz scheint für die großen Mächtigen zu schlagen, die in China die kleinen Bürger daran hindern, in freien Wahlen eigene Standpunkte vertreten zu können.