Kapitol in Washington | dpa

Mehr Sitze im Repräsentantenhaus Republikaner sind die Gewinner des Zensus

Stand: 27.04.2021 11:03 Uhr

Alle zehn Jahre werden die Bevölkerungsdaten in den USA erhoben. Das neueste Ergebnis hat Folgen für das Kräfteverhältnis im Parlament: Da mehr Menschen in Hochburgen der Republikaner leben, stehen den Staaten nun mehr Sitze zu.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Amerikas Republikanische Partei profitiert von den Umfrageergebnissen der jüngsten Volksbefragung. Dem sogenannten "Census" zufolge hat die Bevölkerung in manchem Landesteil so stark zugenommen oder abgenommen, dass den betroffenen Regionen zusätzliche oder weniger Sitze im Washingtoner Repräsentantenhaus zustehen.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

So ist die Bevölkerung in einer Reihe von Staaten nahe der Großen Seen, die erfahrungsgemäß demokratisch wählen, geschrumpft. Illinois, Michigan, Pennsylvania und New York müssen je einen Parlamentssitz abgeben. Alle vier Staaten sind vergangenes Jahr an Joe Biden gegangen.

Neuverteilung greift nach den Midterms

Texas, Florida und North Carolina, in denen Donald Trump gewann, sind dagegen gewachsen und bekommen gemeinsam vier zusätzliche Sitze. Der Wechselwähler-Staat Ohio muss sich von einem Parlamentssitz trennen. Die Neuverteilung greift erst im Jahre 2023, also erst nach den sogenannten Midterm-Wahlen im kommenden Jahr.

Derzeit haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Zusammensetzung des Senats ist nicht von der Bevölkerungsentwicklung abhängig: Jeder Bundesstaat stellt ungeachtet seiner Größe je zwei Senatoren.

Bevölkerung wuchs langsam

Da es in den USA kein Meldewesen wie in Deutschland gibt und damit auch keine Meldepflicht besteht, hat die Volksbefragung Census zum Teil weitreichende Folgen. So werden etwa die Verteilungsschlüssel für Bundesgelder auf Grundlage der Census-Daten angepasst. Alle zehn Jahre werden die Bevölkerungsdaten erhoben.

Laut der Befragung von 2020, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, haben die USA derzeit 331 Millionen Einwohner. Außerdem ergab die jüngste Datenerhebung, dass die USA in den zurückliegenden zehn Jahren das zweit-langsamste Bevölkerungswachstum ihrer Geschichte erlebt haben. Gründe dafür sind unter anderem niedrigere Geburtenraten und zurückgegangene Einwanderer-Zahlen. Der United States Census wird seit 1790 durchgeführt, seit 231 Jahren.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 27. April 2021 um 09:26 Uhr.