Ein Polizist steht hinter einer Polizeiabsperrung vor einem Supermarkt in Buffalo. | REUTERS

Zehn Menschen in US-Staat erschossen FBI untersucht rassistisches Motiv

Stand: 15.05.2022 11:46 Uhr

Mindestens zehn Menschen starben, als ein junger Mann in einem Supermarkt in der US-Stadt Buffalo um sich schoss. Die Polizei geht von einem Hassverbrechen aus. Der 18-Jährige wurde wegen Mordes angeklagt.

Nach dem Schusswaffen-Angriff mit zehn Toten in Buffalo im US-Bundesstaat New York geht die Bundespolizei FBI dem Verdacht eines rassistischen Motivs nach. "Wir ermitteln in dem Fall sowohl wegen eines Hassverbrechens als auch wegen eines Falls rassistisch motivierten Gewaltextremismus", sagte der für Buffalo zuständige FBI-Ermittler Stephen Belongia bei einer Pressekonferenz.

Der bewaffnete, weiße Angreifer hatte in einem Lebensmittelgeschäft das Feuer eröffnet und mindestens zehn Menschen getötet. Drei Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Elf der 13 Opfer sind Schwarze.

Der mutmaßliche 18-jährige Schütze wurde direkt nach der Tat in Gewahrsam genommen. Er richtete die Waffen gegen sich, als die Polizei am Tatort eintraf. Doch die Beamten konnten ihn überwältigen. Wenige Stunden nach den Schüssen wurde er Medienberichten zufolge des Mordes ersten Grades angeklagt. Auf Videos und Fotos war zu sehen, wie der junge Mann mit dünnem weißen Hemd und Gesichtsmaske vor Richter Craig Hannah im Gericht von Buffalo sitzt. Er plädierte auf nicht schuldig. Auf die Frage von Richter Hannah, ob er die Anklagepunkte verstanden habe, antwortete er Medienberichten zufolge mit "Ich verstehe meine Anklage".

"Bestimmte Beweise" deuten auf rassistische Tat hin

Der Angreifer sei in den Tops Friendly Market in einem mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Viertel Buffalos gestürmt und habe offenbar den Angriff live im Internet gestreamt, hieß es von den Ermittlern. In dem Video sei zu sehen, wie er mit der Waffe auf dem Beifahrersitz vor dem Supermarkt ausstieg und schon am Parkplatz das Feuer eröffnete. Dort erschoss er die ersten vier Opfer. Im Inneren des Ladens schoss er demnach auf die weiteren Opfer.

Außerdem veröffentlichte der Mann auf der Internet-Plattform "Twitch" eine Art Manifest, in dem er rassistisches Gedankengut äußert, das ihm zu seiner Tat motiviert haben könnte. Das FBI definiert Hassverbrechen vor allem als solche, bei denen die Täterin oder der Täter Opfer auf Grundlage von Hautfarbe, Herkunft oder Religion angreift.

Nach Angaben der Polizei war der Angreifer schwer bewaffnet. Er trug eine kugelsichere Weste sowie einen Helm. Nach ersten Erkenntnissen handelte der Schütze allein. Ihm droht laut Staatsanwaltschaft lebenslange Haft wegen Mordes. Die Tatwaffe, ein militärisches Sturmgewehr, kann in New York legal erworben werden.

Täter nicht aus der Gegend

Der Supermarkt befindet sich mehrere Kilometer nördlich vom Stadtzentrum Buffalos in einer Gegend, die vor allem von Schwarzen bewohnt wird. "Warum kommt ein Weißer hierher und schießt in einem schwarzen Supermarkt?", fragte eine Anwohnerin im örtlichen Fernsehen. Ein Polizist beschrieb den Tatort in der Zeitung "The Buffalo News": "Es ist, als würde man in einen Horrorfilm hineinlaufen, aber alles ist real".

Offenbar suchte der Täter den Supermarkt gezielt aus. Er sei nicht aus der Gemeinde, sagte Bürgermeister Byron Brown. "Der Schütze reiste stundenlang von außerhalb dieser Gemeinde an, um dieses Verbrechen an den Menschen in Buffalo zu verüben."

Gouverneurin: Schüsse von Buffalo sind Terrorismus

US-Präsident Joe Biden brachte seine Anteilnahme zum Ausdruck. Die Tat sei "schrecklich", hieß es aus dem Weißen Haus. "Der Präsident und die First Lady beten für die Opfer und ihre Angehörigen." Biden sei von seinem Berater für Heimatschutz über die Tat informiert worden und werde weiter auf dem Laufenden gehalten, teilte das Weiße Haus mit.

Die Gouverneurin des Bundesstaates New York hat die tödlichen Schüsse in Buffalo als Terrorismus bezeichnet. Der Täter sei ein Rechtsextremist, der einen "terroristischen Akt" begangen habe, sagte Kathy Hochul bei einer Pressekonferenz. Sie hoffe aufrichtig, dass diese Person, die gerade ein Hassverbrechen begangen habe, den Rest ihrer Tage hinter Gittern verbringen werde. Hochul ging auch mit sozialen Netzwerken ins Gericht, die strengere Regulierung bräuchten. Dort würden Rechte ihre Ideologien verbreiten und sich geradezu berauschen.

Mit Informationen von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Mai 2022 um 01:20 Uhr.